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Wald

09.03.2018

Wie viel Wild darf gejagt werden?

Förster Rolf Banholzer überprüft auf einer Verjüngungsfläche die Verbissschäden. Die Erkenntnisse fließen in das Forstliche Gutachten ein, das die Abschusszahlen für das Wild vorgibt.
Bild: Daniel Weber

Jedes dritte Jahr stellen Gutachter fest, wie groß die Verbissschäden sind. Danach richtet sich die Abschussplanung. Das soll den Dauerstreit zwischen Waldbesitzern und Jägern entschärfen.

Wald und Wild – was für die einen untrennbar zusammengehört, ist für die anderen ein immerwährender Konfliktstoff. „Seit Langem wird eine emotionale Debatte um die Verbissschäden durch Rehe und Hirsche in den Wäldern geführt. Die Tiere fressen die Triebe junger Pflanzen und hindern so deren Wachstum. Deshalb sind sie den Waldbesitzern ein Dorn im Auge “, so stellt Ralf Gang, Abteilungsleiter für den Bereich Forsten im Landwirtschaftsamt Augsburg die eine Seite dar. „Die Jäger hingegen dezimieren nur ungern die Population in ihren Revieren und sehen den Wildverbiss meist weniger kritisch“, schildert Gang die andere Seite im Streit.

In Anbetracht der festgefahrenen Positionen wurde 1986 erstmals das Forstliche Gutachten erstellt. Alle drei Jahre liefert die statistische Erhebung objektive Zahlen, auf deren Grundlage der nächste Abschussplan erstellt wird. Er soll für beide Parteien nachvollziehbar sein, deshalb verfolgen viele Förster und Waldbesitzer das Verfahren mit großem Interesse.

Welche Tiere veursachen den Schaden?

Im Wald bei Derching (Stadt Friedberg) fand nun die Auftaktveranstaltung für die Neuauflage des Forstlichen Gutachtens statt, zu der das Landwirtschaftsamt beide Seiten eingeladen hatte. Nachdem Gang die Fragen der Anwesenden zu den Methoden und Zielen der Erhebung beantwortet hat, führt Förster Rolf Banholzer vor, wie die Verbissbelastung für das Gutachten festgestellt wird. Nach einem genau festgelegten Schema werden sogenannte Verjüngungsflächen untersucht – Bereiche, in denen junge Bäume stehen, die noch klein genug sind, um vom Wild angefressen zu werden. „Es wird nur der Verbiss des letzten Jahres aufgenommen“, erläutert Förster Banholzer. So sei das Ergebnis auch wirklich aktuell. „Ob statt Rehen oder Hirschen in Wirklichkeit Eichhörnchen, Mäuse oder Hasen an den Schäden schuld sind, kann das geübte Auge erkennen, da gibt es keine Verwechslungsgefahr“, beruhigt er die durchaus skeptischen Jäger.

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Die Stelle, die Banholzer für die Anwesenden in Augenschein nimmt, weist tatsächlich einige Verbissspuren auf. Anzahl und Art werden genau protokolliert. In den nächsten Monaten haben Banholzer und seine Kollegen noch viel zu tun, denn in den rund 750 Hegegemeinschaften in Bayern müssen je 30 bis 40 Verjüngungsflächen begutachtet werden. „Bis Ende April müssen wir fertig sein, danach treiben die Pflanzen“, merkt Gang an. Da eine Hegegemeinschaft aus etwa 20 bis 40 verschiedenen Jagdrevieren besteht, fühlen sich einzelne Jäger oder Waldbesitzer manchmal unfair behandelt. Schließlich gibt es nur einen Durchschnittswert pro Hegegemeinschaft. In einem solchen Fall könne auch kostenlos ein individuelles, revierbezogenes Gutachten beantragt werden, informiert Banholzer. Das habe aber auf das Forstliche Gutachten keinen Einfluss.

„Schlussendlich ist es unser Ziel, einen gesunden, zukunftsfähigen Wald zu haben“, merkt Förster Rolf Banholzer an. Der schließe Tiere mit ein, es müsse aber auch genügend junge Bäume geben. Vor drei Jahren sei die Situation im Derchinger Forst mit „tragbar“ bewertet worden. Damals wurden die Abschusszahlen erhöht, der Verbiss sei seitdem weniger geworden. Das neue Gutachten soll bis September fertiggestellt werden.

Forstliches Gutachten

Der Zweck Das Forstliche Gutachten erfasst Verbissspuren von Rehen, Hirschen und Gämsen (Schalenwild). Auch Fegeschaden, das Abscheuern von Rinde durch die Geweihe der Tiere, wird für das Forstliche Gutachten erhoben.

Die Methode Auf der Basis eines Gitternetzes mit der Rastergröße (1225 mal 1225 Meter) werden die Verjüngungsflächen ausgesucht – eine pro Rasterpunkt. Auf jeder Fläche werden fünfmal 15 Bäume mit einer Größe von 20 bis 120 Zentimetern begutachtet.

Ergebnis Anhand der Befunde wird die Verbisssituation für jede Hegegemeinschaft mit den Kriterien günstig, tragbar, zu hoch und deutlich zu hoch kategorisiert.

Abschlussplanung Daraus ergibt sich die Abschussplanung: senken, beibehalten, erhöhen, deutlich erhöhen.

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