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08.11.2019

Wir müssen aufhören, uns Ossis und Wessis zu nennen

Ost- und Westdeutsche hegen Vorurteile gegeneinander. Sport, Kultur und Bildung können sie abbauen.

Sport besitzt eine integrative Kraft, die sonst kaum etwas anderes leisten kann. Zahlreiche Flüchtlinge meldeten sich 2015 und in den Folgejahren in hiesigen Fußball-, Basketball-, Handball-, oder anderen Vereinen an und machten einen ersten Schritt, um sich zu integrieren. Fußball-Trainer waren froh, endlich wieder mit mehr als den nötigen elf Spielern zum Auswärtsspiel zu fahren und der ein oder andere Asylbewerber stellte sich als Knipser heraus. Beobachter verglichen den Flüchtlingsstrom von vor vier Jahren mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg, als Deutsche etwa aus Tschechien besonders nach Bayern flohen. (Siehe auch: Wie ein Kühbacher den Mauerfall verschlief)

Aichach: Jeder kann einen Beitrag leisten, dass das Land zusammen wächst

Mit einer dritten Integrationsaufgabe waren Deutsche nach dem Fall der Berliner Mauer konfrontiert. Im Oktober 1989 kamen DDR-Flüchtlinge mit Zügen im bayerischen Hof an. Von Aichach nach Thüringen sind es gerade mal 300 Kilometer. Das zeigt, dass die Hauptstadt und der Osten doch nicht so weit vom Landkreis Aichach-Friedberg weg sind, wie man denkt. Im Wittelsbacher Land leben viele Menschen mit DDR-Hintergrund. Ihre Integration verlief eher still – und das ist auch gut so.

Die Geschichte der Familie Wiener, die früher in Berlin-Köpenick und heute Kühbach lebt, ist ein gutes Beispiel dafür. Hans-Joachim Wiener wurde zu einer populären Person in seinem Fußballverein. Alle nennen ihn nur „Icke“ – in Anlehnung an seinen Berliner Dialekt. Schon hat man einen Zugang, um ihn nach seiner Zeit in der DDR zu fragen. Und die Erzählungen räumen mit Vorurteilen auf. Schlecht ging es den Menschen angesichts der Verhältnisse dort nicht.

Dieses gute Beispiel darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Kategorien Ossi und Wessi weiterhin bestehen – und sich die Menschen damit gegenseitig beschimpfen. Wessis beklagen sich über den Solidaritätszuschlag, Ossis über die höheren Löhne im Westen. Auch der Sport hat seine hässliche Seite am vergangenen Wochenende gezeigt, als es beim Berliner Ost-West-Duell zwischen Union und Hertha zu Ausschreitungen kam. Um Vorurteile abzubauen, gilt es, sich für die Geschichten des anderen zu interessieren – ob in der Kabine, bei der Theatergruppe oder im VHS-Kurs. Jeder kann einen Beitrag dazu leisten, dass Deutschland weiter zusammenwächst.

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