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Pipinsried

13.03.2020

Zahlungsunfähig? Pipinsrieds Geschäftsführer stellt sich Vorwürfen

Ulrich Bergmann hat beim FC Pipinsried gerade alle Hände voll zu tun. Der Geschäftsführer verrät im Interview, wie es in Sachen Trainer weitergeht und wie es finanziell um den Dorfklub steht.
Bild: Sebastian Richly

Plus Der Geschäftsführer des FC Pipinsried äußert sich zu den angeblichen finanziellen Problemen des Fußball-Dorfklubs.

Das Mobilfunktelefon von Ulrich Bergmann steht fast nie still. Genauer gesagt besitzt der Geschäftsführer des FC Pipinsried gleich zwei davon. Der 63-Jährige ist aktuell beim Spitzenreiter der Fußball-Bayernliga Süd so etwas wie das Mädchen für alles. Sponsorensuche, Gespräche mit potenziellen Neuzugängen und natürlich die Trainerfrage – Bergmann hat einiges um die Ohren. 21 Punkte beträgt der Vorsprung auf die Konkurrenz – der Aufstieg in die Regionalliga ist nur noch eine Frage der Zeit. Dennoch herrscht im Dachauer Hinterland keine Ruhe. Erst verließ der Sportliche Leiter, Roman Plesche, den Dorfklub. Zum Saisonende wird auch das Trainerduo gehen.

Zuletzt gab es zudem Gerüchte, dass der Dorfklub aus dem Dachauer Hinterland finanzielle Probleme hat. Bergmann, der in Grafrath (Kreis Fürstenfeldbruck) wohnt, äußert sich im Interview mit den Aichacher Nachrichten zu den Anschuldigungen und verrät, wie es in Sachen neuer Trainer aussieht. Außerdem erzählt Bergmann, welche Spieler er unbedingt halten will und warum die Meisterfeier ihm gar nicht so wichtig ist.

Volle Unterstützung bekommen die Pipinsrieder Spieler vom Fanklub Bibaschria 67ga. Gerade nach dem Rückstand peitschen die zahlenmäßig deutlich unterlegenen FCP-Anhänger ihr Team nach vorne. Am Ende gewinnt der Dorfklub in der Kreisstadt Landsberg mit 5:1. Ein gewohntes Bild in dieser Saison. Für die Fans geht es aber ohnehin um mehr, als nur das Ergebnis.
Bild: Sebastian Richly

Fußball: Pipinsrieds Ulrich Bergmann ist kein Feierbiest

Herr Bergmann, könnten Sie uns den Termin für die Meisterfeier verraten?

Ulrich Bergmann: Es gibt noch keinen. Die wird erst geplant, wenn uns die Konkurrenz rechnerisch nicht mehr einholen kann.

Sie wollen uns jetzt aber nicht sagen, dass Sie nach dem 7:2-Sieg beim Tabellenzweiten Deisenhofen noch Zweifel haben, oder?

Bergmann: Nein, nach dem Wochenende sind die Restzweifel weg. Es darf auch keine mehr geben. Die Meisterfeier ist für mich aber nicht so wichtig – ich bin kein Feierbiest. Das sollen die Mannschaft und die Fans machen. Ich werde da sein, aber nicht allzu spät ins Bett gehen.

Apropos Meister – ist eigentlich eine Prämie für die Mannschaft ausgelobt?

Bergmann: Nein. Wir haben vor der Saison das Team zusammengestellt mit dem Ziel Erster oder Zweiter zu werden. Eine zusätzliche Motivation braucht es da nicht.

Haben Sie vor der Saison gedacht, dass es so gut läuft?

Bergmann: Das konnten wir so nicht erwarten. Wir haben gute Einzelspieler, aber wir funktionieren auch als Team. Das ist unsere große Stärke. Besonders am vergangenen Wochenende hat mich das Team aber richtig überrascht.

Weil alle mit der ersten Saisonniederlage gerechnet hatten?

Bergmann: Ich wäre schon mit einem Punkt zufrieden gewesen, wenn ich ehrlich bin. Unsere Vorbereitung war durchwachsen. Wir hatten viele angeschlagene Spieler und sind auf dem Zahnfleisch dahergekommen. Umso beeindruckender, wie die Jungs aufgetreten sind.

Der Fanklub Bibaschria 67ga organisierte zum Auswärtsspiel in landsberg einen Bus. Eine wilde Fahrt mit den Anhängers des FCP. Im Bus.
42 Bilder
Bildergalerie: So bunt ist eine Auswärtsfahrt mit dem FC Pipinsried
Bild: Sebastian Richly

Pipinsried: So reagiert Ulrich Bergmann auf die Personalwechsel

Während es sportlich läuft, musste der Verein in der Winterpause auch einige Rückschläge hinnehmen. Wie schlecht haben Sie die vergangenen Wochen geschlafen?

Bergmann: Ich habe meist gut geschlafen, denn ich habe alles für den Verein gegeben und versucht, meine beste Leistung zu bringen. Dass mit Roman Plesche, Fabi Hürzeler und Muriz Salemovic drei wichtig Säulen in der kommenden Saison nicht mehr da sind, ist aber eine schwierige Situation für uns. Das ist das Geschäft. Ich bin keinem böse und es geht weiter. Schlaflose Nächte habe ich bei anderen Dingen.

Und die wären?

Bergmann: Etwa wenn mir ein Sponsor abspringt, der bereits seine Unterstützung zugesichert hat. Das trifft uns als Dorfverein schon. Es geht immer darum, seine Rechnungen zu bezahlen. Damit beschäftigt ich mich täglich.

Ultimatum, Geldkoffer und finanzielle Probleme - Was ist dran?

Apropos. Es gab immer wieder Gerüchte, dass der FCP zahlungsunfähig sei. Man hört Geschichten mit einem Ultimatum der Mannschaft und einem Geldkoffer in der Kabine. Was ist dran?

Bergmann: Das ist doch Schwachsinn. Glauben Sie, die Mannschaft hätte dann so am Samstag gespielt? Nein, ganz sicher nicht. Wir schwimmen nicht im Geld und ich gebe zu, dass wir durch die Winterpause mehrere Monate kaum Einnahmen hatten. Da die Ausgaben aber nicht weniger werden, ist es im Winter finanziell immer etwas knapper. Wenn wir zahlungsunfähig wären, hätte ich schon lange hingeschmissen.

Das heißt, die Fans brauchen sich keine Sorgen zu machen?

Bergmann: Nein, wir können das stemmen, erhoffen uns aber natürlich noch mehr Unterstützung. Wir sind ein Start-Up mit unserer GmbH, die es jetzt seit rund einem Jahr gibt. Da braucht man am Anfang einfach Geld. Einen Investor oder Oligarchen könnte ich mir hier auch vorstellen - über eine sportliche Mitsprache müsste man dann diskutieren.

Der FCP kann also auch die Regionalliga stemmen, oder?

Bergmann: Wenn wir uns sportlich qualifizieren, werden wir in der Regionalliga antreten und auch einen schlagkräftigen Kader haben.

Auf dem Platz fühlt sich Muriz Salemovic (links im Spiel gegen Ex-Klub TSV Landsberg) am wohlsten. Der 31-Jährige wird deshalb auch als Spielertrainer im Sommer beim FC Pipinsried aufhören. Das hat Auswirkungen auf die Planungen des Vereins.
Bild: Sebastian Richly

Wie geht es beim FC Pipinsried weiter?

Apropos Kader, wie sehen die Planungen aus?

Bergmann: Die Hälfte der Spieler hat Verträge für die kommende Spielzeit. Darunter auch Schlüsselspieler wie Christoph Rech oder Steffen Krautschneider. Amar Cekic ist heiß begehrt, aber er fühlt sich wohl. Wir wollen ihn unbedingt halten. Das gilt auch für Muriz Salemovic. Wir hoffen, dass er uns zumindest als Spieler erhalten bleibt. Auch Pablo Pigl wollen wir weiter im FCP-Trikot sehen. Ansonsten brauchen wir aber auch mehr junge Spieler im Kader – das spart natürlich auch etwas Geld.

Welche Rolle wird der neue Trainer bezüglich der Kaderplanung spielen?

Bergmann: Hoffentlich eine große – vor allem wenn es in die Gespräche mit den aktuellen Spielern geht.

So viel Zeit bleibt da aber nicht mehr...

Bergmann: ... Ich hätte gerne schon längst einen neuen Trainer präsentiert. Wir brauchen eine schnelle Lösung und sind auch schon sehr weit in den Gesprächen. Wir lassen uns aber auch nicht unter Druck setzen.

Warum hat es mit Sascha Mölders nicht geklappt?

Bergmann: Das wäre ein Name gewesen, der sicher auch viele Löwen-Fans nach Pipinsried gelockt hätte. Prinzipiell haben Sascha Mölders und seine Frau signalisiert, dass sie interessiert sind. Ich denke, die Entwicklung bei den Löwen hat den Ausschlag für die Absage gegeben. Er wird bei Sechzig wohl noch ein Jahr dranhängen.

Zurück zum FCP - schreibt Pipinsried Geschichte und bleibt ungeschlagen?

Bergmann: Das wäre wünschenswert und sicher einmalig. Es wird aber verdammt schwer.

Lesen Sie dazu auch: Einige Fragezeichen: FC Pipinsried im großen Check

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