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Aichach

31.05.2020

Zeitgeschichte: Amerikanische Soldaten druckten 1945 eine Zeitung in Aichach

Von Juni bis Oktober 1945 druckte das 39. Infanterieregiment eine eigene Zeitung in Aichach. Auf dem Zeitungskopf der AAA-O News war links neben dem Namen der Zeitung das „Octofoil“ abgebildet, rechts war das Zeichen des 39. Infanterieregiments zu finden. Die Zeitung sollte Soldaten über Neuigkeiten informieren und mit der Region vertraut machen.
Bild: Christoph Lang

Plus Ab Ende Juni 1945 druckte das 39. Infanterieregiment in Aichach eine Zeitung für US-Soldaten. Die AAA-O News geben einen ungewohnten Blick auf die Nachkriegszeit in der Region.

Das 39. Infanterieregiment war nur einige Monate in Aichach. Es gehörte zum XX. Corps, das nach dem Krieg das nordwestliche Altbayern mit Schwaben und weiten Teilen Oberbayerns besetzte. Das Infanterieregiment umfasste etwa 3000 Mann und hatte von Kriegsende bis Oktober 1945 sein Hauptquartier in Aichach. Danach wurde es in die damaligen Landkreise Traunstein und Laufen verlegt. Doch in dieser kurzen Zeit begann das Regiment eine eigene Zeitung in Aichach herauszugeben: Die AAA-O News erschienen erstmals am 22. Juni 1945.

Bis heute finden sich einige Ausgaben der Zeitung im Stadtarchiv Aichach. Dessen Leiter Christoph Lang beschreibt in einem Aufsatz das Ziel dieser Armeezeitung: Die Soldaten sollten über Neuigkeiten informiert und mit der Region vertraut werden. Außerdem sollte der aufkommenden Langeweile entgegen gesteuert werden.

AAA-O News in Aichach: Frauen erledigten Setz- und Druckarbeiten

Gedruckt wurde die wöchentlich erscheinende Zeitung im Verlagshaus Mayer & Söhne, in dem die Aichacher Zeitung bis April 1945 gedruckt worden war. „Da die bisherigen Mitarbeiter alle in Gefangenschaft waren, wurden die Setz- und Druckarbeiten ausschließlich von Frauen erledigt“, berichtet Lang in seinem Aufsatz.

Der Name der Zeitung entstand aus dem Motto des Regiments: „Anything, Anywhere, Anytime, Bar Nothing“ – abgekürzt „AAA-O“. Übersetzt heißt das in etwa: „Alles, überall, jederzeit, abgesehen von nichts“. Diesen Slogan hatte der frühere Befehlshaber Harry Flint dem Regiment 1943 in Sizilien gegeben und das AAA-O entgegen den Vorschriften auf Helme und Fahrzeuge schreiben lassen. „Nach Flints Tod im Juli 1944 diente der Slogan auch der Erinnerung an den berühmten Colonel“, schreibt Lang.

Das Regimentsmotto AAA-O schrieben sich Soldaten sogar auf ihre Helme.
Bild: Christoph Lang

Die AAA-O News hatten zwar feste Reporter, aber alle Angehörigen des Regiments konnten Informationen, Beiträge und Fotoaufnahmen beisteuern. Die meisten Nachrichten in der Zeitung behandeln laut Archivar Lang das Leben der amerikanischen Soldaten in Aichach und den anderen Orten, in denen Mitglieder des Regiments stationiert waren. In den noch vorhandenen Zeitungen findet man Berichte über kleine Begebenheiten in den Kompanien, Auszeichnungen einzelner Soldaten, Freizeitveranstaltungen und auch einen sehr umfangreichen Sportteil. Religiöse Impulse der Regimentsgeistlichen und Gottesdienstanzeigen standen Karikaturen und Abbildungen von leicht bekleideten Frauen gegenüber. Auch Witze und Kreuzworträtsel wurden abgedruckt.

„Die Berichte haben häufig heitere Nebensächlichkeiten zum Inhalt, die nahelegen, dass es für die Soldaten wenig zu tun gab und sie um jede Abwechslung froh waren“, schreibt Lang. So gab es Ruderboot-Wettrennen auf dem „Froschteich“ am Affinger Schloss, während ein Drei-Mann-Außenposten die Schafe der Baroness hütete. Die in Rehling stationierte Kompanie stellte sogar eine Musicalrevue auf die Beine.

Ein anderer Zeitungsbericht aus der Zeit klärt ein Mysterium auf: In Altomünster wunderten sich die Soldaten, warum manche GIs immer als Erste ins Kasino kamen. Als man ihnen nachspionierte, zeigte sich, dass sie einen alten Geheimgang benutzten.

AAA-O News: Nur wenig Information über Leben der deutschen Bevölkerung

Einige Inhalte, die aus lokalhistorischer Perspektive interessieren würden, fehlen laut Archivar in den AAA-O News allerdings. Man erfährt in der Zeitung nichts über die Arbeit der örtlichen Militärregierung und sie schreibt wenig über die deutsche Bevölkerung und ihre Nachkriegsprobleme. „Diese Themen scheinen für den Großteil der Soldaten nicht besonders interessant gewesen zu sein“, schreibt Lang. Da sie nur wenig Kontakt zur deutschen Bevölkerung hatten und bald wieder zurück in die Heimat wollten, war das Interesse an ihrem Besatzungsgebiet wohl eher touristischer Natur. Dafür sprechen laut dem Archivar die ausführlichen Beschreibungen örtlicher Sehenswürdigkeiten.

Die Zeitung erschien bis Anfang Oktober 1945 in Aichach. Als das 39. Infanterieregiment wegzog, wurde sie in Rosenheim und dann in Bad Tölz gedruckt. Am 23. November 1946 erschien die letzte Ausgabe der AAA-O News.

Erscheinungsbild der AAA-O

  • Schrift: Obwohl im gleichen Haus gedruckt, sahen die AAA-O News bereits auf den ersten Blick anders aus als die Aichacher Zeitung. Statt Frakturschrift verwendete man für die AAA-O News eine in den USA übliche und modern wirkende Antiquaschrift.
  • Octofoil: Auf dem Zeitungskopf war links neben dem Namen der Zeitung das „Octofoil“ abgebildet: Eine stilisierte Blüte mit acht Spitzen, die das Emblem der 9. Infanterie-Division war (zu der das 39. Infanterie-Regiment gehörte). Rechts auf dem Zeitungskopf war das Zeichen des 39. Infanterie-Regiments zu finden.
  • Zeitungsumfang: Die ersten fünf Zeitungsexemplare hatten jeweils nur vier Seiten, danach stieg der Umfang auf jeweils sechs Seiten.

Mehr dazu, was die Zeitung über die Freizeit der Soldaten verrät, lesen Sie hier: Sport, Bier und "Frauleins" - die Freizeit der GIs im Aichach der Nachkriegszeit

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