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Energie

23.11.2017

Zuschlag: Vier Windräder im Allenberger Forst?

Windkraft im Allenberger Forst? Eine Bürgerenergiegesellschaft hat den Zuschlag bei einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur bekommen. Symbolbild
Bild: Marcus Merk

Ob die vier Anlagen auch gebaut werden, ist völlig offen. Bei den Klimaschutzzielen hinkt das Wittelsbacher Land weit hinterher.

Aichach-Friedberg Was haben das Wittelsbacher Land und Deutschland gemeinsam? Der Landkreis hinkt wie die ganze Nation den selbst gesetzten Klimaschutzzielen meilenweit hinterher. Bis 2030 soll der Ausstoß von Kohlendioxid im Wirtschaftsraum im Vergleich zum Jahr 2009 um 55 Prozent sinken – also mehr als halbiert werden. Aichach-Friedberg hat seine Treibhausgasemissionen in sechs Jahren bis 2015 von 1,24 Millionen Tonnen lediglich um 17000 Tonnen verringert – das ist gerade mal 1,4 Prozent weniger als 2009. Ganz aktuell gibt es Neuigkeiten zum Thema: Eine Bürgerenergiegesellschaft Umweltgerechte Bürgerenergie Aichach hat bei einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur den Zuschlag für den Bau von vier Windrädern im Vorranggebiet an der Kreisstraße AIC2 zwischen dem Aichacher Stadtteil Untergriesbach und Allenberg ( Schiltberg) bekommen. Nur über diese Ausschreibungsverfahren können überhaupt noch neue Windkraftanlagen zu gesicherten Einspeisevergütungen gebaut werden. Ob die Anlagen tatsächlich entstehen, ist völlig offen.

Der Landkreis liegt bei der Stromproduktion durch erneuerbare Energiequellen bereits jetzt gut im Rennen. Schon seit 2014 wird hier genauso viel Strom vor allem durch Sonne, Wasserkraft, Biogas und Biomasse erzeugt wie verbraucht (wir berichteten). In einem Klimaschutzkonzept hat sich die Region ambitionierte Ziele für Einsparung und Erzeugung von Energie gesetzt (siehe Infoartikel). Vor allem beim Wärmeverbrauch und beim Segment Verkehr ist der Landkreis aber schlecht unterwegs. Der Endenergieverbrauch ist sogar gestiegen. Hauptgrund ist die boomende Wirtschaft im Vergleich zum Wirtschaftskrisenjahr 2009.

So gut wie noch keine Rolle spielt in einer Energie- und CO2-Zwischenbilanz, die jetzt im Umweltausschuss des Kreistags vorgestellt wurde, die Windkraft. Der Windpark mit sechs Rotoren im Blumenthaler Forst ist seit Mitte 2016 am Netz, die drei Anlagen bei Bachern (Stadt Friedberg) seit einem Jahr zuvor und zwei Windräder entstehen derzeit bei Baar. Insgesamt sind es dann elf Windräder mit einer Leistung von insgesamt 27,5 Megawatt. Die Windräder liefern zusammen grob geschätzt rund 60 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht rund zehn Prozent des Gesamtstromverbrauchs von Privathaushalten, Kommunen, Handel und Industrie im Landkreis.

Vor allem durch die in Bayern geltende 10-H-Abstandsregel haben sich weitere Projekte in den vergangenen Jahren zerschlagen. Bei einem Abstand zur Wohnbebauung von zehnmal der Höhe des Windrads sind mittlerweile 2000 bis 2400 Meter gefordert. Die Kommunen könnten dennoch Baurecht schaffen. Doch das ist eigentlich nur realistisch, wenn alle betroffenen Bürger zustimmen. Für das erst vor Kurzem wieder vom Regionalen Planungsverband bestätigte und seit einem Jahrzehnt im Regionalplan aufgeführte Windkraft-Vorranggebiet östlich von Untergriesbach, südlich und nördlich der Kreisstraße AIC 2 (82 Hektar), ist jetzt bei einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur ein Gebot für vier Anlagen abgegeben worden. Der Windpark einer Bürgerenergiegesellschaft ist auf 18 Megawatt begrenzt. Anteilseigener müssen mindestens zehn stimmberechtigte Mitglieder mit Hauptwohnsitz im Landkreis sein. Die Bürgerenergiegesellschaft muss auch Eigentümerin der als Standort angegebenen Fläche sein oder mit Zustimmung des Eigentümers handeln.

Hinter der Umweltgerechten Bürgerenergie Aichach steht nach Informationen unserer Zeitung der sächsische Windparkentwickler Uka. Der hatte 2015 auch eine Bauvoranfrage für zwölf Windräder im Grenzgebiet zwischen Pöttmes und Ehekirchen (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) gestellt. Die Pläne zerschlugen sich (wir berichteten). Für das Vorranggebiet im Allenberger Forst würde die Bürgerenergiegesellschaft laut Zuschlag der Bundesnetzagentur eine Einspeisevergütung von lediglich 3,8 Cent pro Kilowattstunde bekommen. Das ist aktuell ein völlig unwirtschaftlicher Preis. Die Gesellschaft hat allerdings laut Netzagentur viereinhalb Jahre Zeit für die Realisierung des Projekts zu diesem Preis. Das heißt, wenn sich die Effizienz der Anlagen weiter verbessert, könnte sich ein Windpark eventuell später rechnen. Immer vorausgesetzt, dass der Bau auch genehmigt wird.

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