Newsticker

Macron verkündet zweiten Lockdown für Frankreich
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Zwei Watschen stehen Neuanfang nicht im Wege

Aichach-Friedberg

25.02.2015

Zwei Watschen stehen Neuanfang nicht im Wege

Bild: Symbolbild: Ulrich Wagner

Ein 28-Jähriger stand vor Gericht, weil er einen Mann bedroht und geschlagen haben soll. Er bekam eine Bewährungsstrafe. Nun will er sein Leben wieder in den Griff bekommen.

Sichtlich nervös sitzt der 28-jährige Angeklagte aus dem Landkreis-Süden gestern vor dem Schöffengericht in Aichach. Der wegen Drogendelikten vorbestrafte Mann soll im August vergangenen Jahres auf einem Supermarkt-Parkplatz in Kissing einen 25-Jährigen bedroht und geschlagen haben. Doch auf der Anklagebank sitzt offenbar kein drogenabhängiger Schläger, sondern ein junger Mann, der versucht, mit seiner Vergangenheit abzuschließen.

Kissing: Angeklagter soll 25-Jährigen geschlagen haben

Gleich zu Beginn räumt der Angeklagte ein, den Geschädigten tatsächlich zweimal mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen zu haben. Einig sind die beiden sich darin, dass sie an diesem Abend nur zufällig aufeinandergetroffen sind. Bereits etwa zwei Wochen vorher waren sie sich die beiden Männer dort begegnet und hatten über die angeblichen 50 Euro Geldschulden gesprochen, die das Opfer laut Aussage des Angeklagten noch nicht beglichen haben soll. Der 25-jährige Geschädigte gibt aber an, nie Geldschulden gehabt und das dem Angeklagten auch mitgeteilt zu haben.

Eine Geschichte, der Richterin Sabine Igloffstein allerdings keinen Glauben schenkt. Schließlich gibt der 28-jährige Angeklagte an, dass es damals um ein Drogengeschäft gegangen sei. Damit beschuldigt er sich sogar selber.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

28-Jähriger will mit Drogenvergangenheit abschließen

Auch bei dem zufälligen Treffen forderte der 28-Jährige die Schulden wieder ein, gibt aber an, dass der Geschädigte ihn nur ausgelacht hätte. „Damit konnte ich nicht umgehen“, gibt der Angeklagte zu. Deswegen kassierte der 25-Jährige prompt eine Watschen auf die linke Wange und kurz darauf gleich noch eine zweite. Daraufhin mischte sich auch noch ein dem Gericht nicht bekannter Freund des Angeklagten ein und packte den Geschädigten am Genick. „Der hat mir mit dem Knie einen Kick mitgegeben“, erzählt der Geschädigte, dem die Nase brach. Er wurde daraufhin in der Friedberger Notaufnahme behandelt und erstattete Anzeige bei der Polizei.

Am Schluss wird eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten verhängt. Denn das Gericht sieht auf der Anklagebank nicht nur einen Vorbestraften mit Drogenvergangenheit, sondern auch einen jungen Mann, der sich seit einigen Monaten alle Mühe gibt, sein Leben in den Griff zu bekommen. Endlich konnte von der Obdachlosenunterkunft in eine eigene Wohnung ziehen und nimmt die Beratung der Drogenhilfe Schwaben in Anspruch.

Weil er sich im Moment aktiv um einen Arbeitsplatz bemüht, will das Gericht dieser positiven Entwicklung nicht im Weg stehen und setzt die Strafe zu Bewährung aus. Außerdem muss der Angeklagte 90 Sozialstunden ableisten. Er nimmt das Urteil beinahe dankbar an.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren