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Aichach-Friedberg

10.06.2019

Das erwarten Fußballerinnen von der WM

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Eine Torjubeltraube der Fußball-Nationalmannschaft der Frauen: Das wünschen sich Fans und die aktiven Spielerinnen aus dem Kreis möglichst oft. Foto: Armin Weigel, dpa

Seit Freitag rollt der Ball in Frankreich. Wie die Spielerinnen aus dem Wittelsbacher Land das Turnier verfolgen und was sie zur aufsehenerregenden Kampagne sagen.

Dass ein deutsches Männerteam als Titelkandidat in ein internationales Fußballturnier geht, ist nicht mehr selbstverständlich – man denke an das Achtelfinal-Aus der Bayern gegen Liverpool oder das Abschneiden der DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft in Russland im vergangenen Jahr. Von der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft darf man dagegen deutlich mehr erwarten und das tun auch die Fußballerinnen hier im Wittelsbacher Land: Beim WM-Turnier, das am Freitagabend in Paris begann, geht der zweimalige Weltmeister neben Teams wie den USA oder Gastgeber Frankreich als Mitfavorit an den Start.

Frauen müssen für A-Jugend auf Nebenplatz ausweichen

Die Euphorie unter den Fans ist groß: Zum letzten Test der DFB-Frauen gegen Chile am Donnerstag kamen 10000 Zuschauer. Insgesamt wurden bereits mehr als achtzig Prozent der WM-Tickets verkauft. Während der Frauenfußball in Ländern wie England, Frankreich und Spanien zunehmend auch abseits der Weltmeisterschaft boomt, werden die Frauenteams hierzulande häufig missachtet – ein Phänomen, über das sich Bundesligaspielerinnen genauso ärgern wie Akteurinnen aus den Amateurligen im Landkreis. „Wir erleben es öfter, dass der Herrenfußball im Zweifel für wichtiger erachtet wird. Wenn du für die A-Jugend auf den Nebenplatz ausweichen musst, kommst du natürlich ins Grübeln“, sagt Jennifer Seybold, Innenverteidigerin beim Kreisklassisten SG Alsmoos-Petersdorf/Hollenbach. Die 21-Jährige, die auch als Schiedsrichterin der Gruppe Ostschwaben aktiv ist, freut sich eigentlich auf die WM und glaubt mindestens an einen deutschen Halbfinaleinzug, verbunden mit der Olympia-Qualifikation. Auch große Turniere wie die Weltmeisterschaft könnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es gegenüber dem Frauenfußball ein allgemeines Akzeptanzproblem gebe.

"Frauen spielen immer attraktiv"

Von Spitzenfußballerinnen und Funktionärinnen wünscht sie sich deshalb mehr Selbstbewusstsein – auch bei der Besetzung von hohen Ämtern: „Es ist gut, dass der DFB sich inzwischen auch eine Präsidentin vorstellen kann. Das wäre auch ein Zeichen des Respekts für die Arbeit, die speziell in den Amateurligen der Frauen geleistet wird.“ Die ist in der Tat bemerkenswert: Trotz ähnlichen Zeitaufwands wie im Männerfußball werden im Frauenbereich unterhalb der Profiligen nur selten Gehälter gezahlt. Dass trotz des großen Engagements das Publikum oft fernbleibt, bedauern neben den Spielerinnen auch Trainer wie Sven Rechenauer. Der ehemalige Stürmer betreut seit drei Jahren die SG Sandizell/Grimolzhausen/Echsheim-Reicherstein in der Kreisliga Augsburg und sieht besonders aus technischer Sicht großes Zuschauerpotenzial im Frauenfußball. Ein sportlicher Grund für die ausbleibenden Besucher ist für ihn nicht erkennbar: „Meine Mannschaft spielt immer attraktiv, versucht, mit schnellem Tempofußball zum Tor zu kommen. Das Spiel ist allgemein weniger körperlich und dafür technisch deutlich anspruchsvoller.“ Dass die deutsche Mannschaft im Vorfeld der WM nicht nur mit schnellem Umschaltspiel, sondern auch mit einem frechen Werbespot und dem Spruch „Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze“ auf sich aufmerksam gemacht hat, begrüßt der 30-Jährige: „Vielleicht kann man so auch diejenigen erreichen, die sich bisher nicht so sehr für den Frauenfußball interessiert haben.“ Trotzdem hofft er, dass die deutsche Mannschaft bei der WM vor allem durch ihr großes fußballerisches Können überzeugen und das Publikum damit auch an die heimischen Sportplätze locken kann.

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Sven Rechenauers Bitte könnte erhört werden: Mit Spielerinnen wie den drei Bayerinnen Sara Däbritz, Melanie Leupolz und Lina Magull, Kapitänin Alexandra Popp oder Champions-League-Siegerin Dzsenifer Maroszan von Olympique Lyon liegen die Stärken des Nationalteams eindeutig im schnellen Kombinationsspiel nach vorn. Sorgen macht ihm dagegen die Defensive im Frauenfußball. „Auch im Profibereich fallen viele Tore leider durch Torwartfehler. Oft sind die Torhüterinnen einfach ein paar Zentimeter zu klein.“

Eine, die sich dagegen auf die Torhüterinnen der Weltmeisterschaft freut, ist Lea Wex. Die 18-jährige Keeperin des TSV Sielenbach sieht in DFB-Torfrau Almuth Schult sogar ein Vorbild für ihr eigenes Spiel. In ihrem Team sei sie da aber die Einzige. „Man kann sich bei den Profis einige Sachen abschauen. Ein großes Thema in unserem Team ist das aber nicht. Wir schauen die Spiele auch nicht zusammen, weil wir uns in der Sommerpause nicht so häufig sehen.“

Das Achtelfinale sollte kein Problem sein

Genau wie Rechenauer und Seybold traut auch die junge Bezirksliga-Spielerin der deutschen Mannschaft ein gutes Ergebnis bei der WM zu – auch wenn England, Frankreich und die USA ähnlich stark einzuschätzen seien. „Gerade die ersten Spiele gegen China und Südafrika werden zeigen, ob die Deutschen es weit bringen können. Eigentlich sollte das Achtelfinale kein Problem sein.“ Dass der sportliche Erfolg der DFB-Elf dann auch zu einem Mehr an Akzeptanz für den Frauenfußball führt, glaubt Lea Wex aber nicht. „Ich bezweifle, dass der Frauenbereich jemals die Popularität der Männer erreichen wird. Diese Lücke wird auch nach der WM noch da sein.“ Ob die Fußballerinnen des DFB in Frankreich den Titel holen können, entscheidet sich spätestens beim Finale am 7. Juli. Ob sie mit ihren Auftritten bei der Weltmeisterschaft auch die Akzeptanz für ihren Sport steigern werden, wird sich erst auf lange Sicht zeigen – auch auf den Zuschauerrängen im Wittelsbacher Land.

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