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Aichach

14.02.2020

Skifahren: Hat die Stadtmeisterschaft eine Zukunft?

Jonas Ruisinger gewann auch 2020 bei der Aichacher Stadtmeisterschaft. Für den 21-Jährigen von den Grubetfreunden war es der insgesamt fünfte Titel bei der Traditionsveranstaltung, aber gleichzeitig auch seiner letzter. Denn die Veranstaltung ist nun Geschichte, zumindest vorerst.

Plus Die Aichacher Stadtmeisterschaft ist Geschichte. Aber es gibt Optionen, den Wettbewerb fortzuführen. Ist auch die Kreismeisterschaft in Gefahr?

Es war kein Paukenschlag, vielmehr das leise Ausklingen einer Violine. Die Nachricht vom Aus der Aichacher Stadtmeisterschaft kam für die meisten Skifahrer wirklich überraschend. Seit Jahren gingen die Teilnehmerzahlen zurück und nun ist nach 55 Jahren Schluss – zumindest vorerst.

Denn eine Wiedereinführung der Aichacher Titelkämpfe ist nicht gänzlich ausgeschlossen, wie Birgit Rümmelein, Vorsitzende des veranstaltenden Skiclub Aichach, sagt. „Ich will nicht ausschließen, dass es in zehn Jahren wieder eine Stadtmeisterschaft gibt, aber unter den jetzigen Rahmenbedingungen macht es einfach keinen Sinn mehr.“ Vor allem die rückläufige Teilnehmerzahl macht die Cheforganisatorin für die Entscheidung verantwortlich: „Wenn es immer weniger werden, lohnt sich der Aufwand nicht mehr. Bis 2010 hatten wir immer rund 120 Starter. Zu den Hochzeiten waren es sogar 140.“ Schon im vergangenen Jahr wollte der Skiclub die Veranstaltung einstellen, wie Rümmelein erklärt: „Wir haben dann gesagt, dass wir die 55 noch voll machen wollen.“

Ludwig Lechner.
47 Bilder
So ging es bei der letzten Aichacher Stadtmeisterschaft zu
Bild: Reinhold Rummel

Wintersport: Warum es keine Aichacher Stadtmeisterschaft mehr gibt

Neben immer weniger Startern war noch ein zweiter Punkt ausschlaggebend. „Auch bei den Helfern werden es immer weniger. Die Aufgaben werden nicht nur umfangreicher, sondern verteilen sich auf immer weniger Schultern“, so Rümmelein, die in diesem Jahr nicht auf der Piste war. „Wir hatten ohnehin nur eine Notbesetzung und da waren andere Sachen wichtiger, als zu fahren.“ Rund 20 Helfer sind bei der Aichacher Stadtmeisterschaft im Einsatz. Rümmelein: „Mit Vorbereitung und Siegerehrung ist man ein Wochenende lang beschäftigt. Dabei würden die meisten lieber selbst fahren.“

Skifahren: Hat die Stadtmeisterschaft eine Zukunft?
Eine Wiedereinführung der Aichacher Titelkämpfe ist nicht gänzlich ausgeschlossen, sagt Birgit Rümmelein, die Vorsitzende des veranstaltenden Skiclub Aichach.
Bild: Johann Eibl

Die Architektin sieht das Aus der Titelkämpfe mit gemischten Gefühlen: „Klar ist es in erster Linie schade, aber es kam auch nicht überraschend. Auf der anderen Seite fällt der Druck ab. Ich sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, so die Haunswieserin, die vielmehr auf die Kreismeisterschaften, die am 7. März ausgetragen werden blickt. „Auch hier wird es aus denselben Gründen immer schwieriger. Wir werden uns alle zusammensetzen müssen und schauen, was künftig noch möglich ist.“

Was passiert mit der Kreismeisterschaft der Skifahrer

Das sieht auch Thomas Kugler, Fachgruppenleiter Wintersport bei den Aichacher Grubetfreunden, so. Sein Verein richtet in diesem Jahr die Kreistitelkämpfe in der Wildschönau aus: „Mit Mering ist seit vorletztem Jahr wieder ein dritter Verein dabei, der die Veranstaltung ausrichtet. Aber auch hier wird es immer schwieriger. Wir müssen auch die Kreismeisterschaft auf den Prüfstand stellen.“ Das Aus der Stadtmeisterschaft kann der 50-Jährige nachvollziehen: „Das war in den vergangenen Jahren schon ein Thema und irgendwann muss man die Reißleine ziehen. Auch wir können die Stadtmeisterschaft nicht stemmen.“ Kugler, der seit 16 Jahren den Posten bei den Grubetfreunden innehat, blickt nach vorne: „Wir müssen nach Alternativen schauen, junge Leute ins Boot holen und ihnen Verantwortung geben.“

Thomas Kugler ist Fachgruppenleiter Wintersport bei den Aichacher Grubetfreunden. Sein Verein richtet in diesem Jahr die Kreistitelkämpfe in der Wildschönau aus.
Bild: Erich Hoffmann

Eine Möglichkeit die Stadtmeisterschaft auch weiterhin auszutragen, wäre, die Ergebnisse der Kreismeisterschaft zu nehmen, wie es etwa der Skiclub Mering macht. Birgit Rümmelein sagt dazu: „Das wäre eine Option, die wir diskutieren müssen. Ich persönlich finde eine solche Lösung etwas ungerecht, da beim Skifahren oft die Tagesform entscheidet.“ Auch Thomas Kugler ist kein Freund dieser Lösung: „Das wäre dann eigentlich nur eine zusätzliche Siegerehrung, mehr nicht.“ Der 50-Jährige bringt deshalb noch eine andere Idee ins Spiel: „Der Skiclub könnte bei unserer Vereinsmeisterschaft in einer eigenen Wertung mitfahren.“

Einer, der die Stadtmeisterschaft sicher vermissen wird, ist Jonas Ruisinger (Grubetfreunde). Der Seriensieger gewann den Wettbewerb mit seinen 21 Jahren bereits fünf mal und stand auch bei den 55. Titelkämpfen ganz oben auf dem Podest. Der Osterzhausener kann die Entscheidung allerdings verstehen: „Es ist sehr, sehr schade, aber ich habe Verständnis. Wenn immer weniger starten, dann nimmt auch die sportliche Wertigkeit ab.“

Lesen Sie dazu auch den Artikel: Skifahren: Aus für Stadtmeisterschaft ist konsequent

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