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Fußball

15.11.2017

So sehen italienische Fans im Kreis das WM-Aus

Italien am Boden – erstmals seit 60 Jahren geht 2018 eine Weltmeisterschaft ohne die Azzurri über die Bühne. Klar, dass auch italienische Fans aus dem Wittelsbacher Land sehr enttäuscht waren. So sehen sie das historische Scheitern.
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Italien am Boden – erstmals seit 60 Jahren geht 2018 eine Weltmeisterschaft ohne die Azzurri über die Bühne. Klar, dass auch italienische Fans aus dem Wittelsbacher Land sehr enttäuscht waren. So sehen sie das historische Scheitern.
Bild: Luca Bruno/dpa

Die Squadra Azzurra nimmt erstmals seit 60 Jahren nicht an einer Weltmeisterschaft teil. Die Enttäuschung sitzt bei den Anhängern aus dem Wittelsbacher Land tief. Was sie zum historischen Scheitern sagen.

Das Unfassbare ist am späten Montagabend im Mailänder Stadion San Siro geschehen: Italiens Fußballer, die einst so ruhmreiche Squadra Azzurra, der vierfache Weltmeister hat die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland verpasst. Das 0:0 im Play-off-Rückspiel gegen Schweden reichte nicht, Gianluigi Buffon und Co. müssen zu Hause bleiben und können die WM nur am Fernseher verfolgen. Erstmals seit 1958 sind die Italiener damit beim größten Fußballturnier der Welt nur Zuschauer – pikanterweise fand die WM damals in Schweden statt. Wir wollten nun von italienischen Fußballfans wissen, wie sie den Schock verarbeitet haben und wie sie die Zukunft des italienischen Fußballs sehen.

Italiens Trainersuche: Mühlhausens Marco Siniscalchi ist gegen Ancelotti

Auch Marco Siniscalchi, seit langen Jahren Spieler beim TSV Mühlhausen, war nach dem Schlusspfiff einfach „nur traurig.“ Der 47-Jährige verfolgte das Spiel im Fernsehen und meinte, in Mailand habe Italien gar nicht so schlecht gespielt. „Es war ein Spiel auf ein Tor, aber Schweden hat clever verteidigt. Verpasst haben wir die Qualifikation aber meines Erachtens in Schweden“, so Siniscalchi. „Mit tut vor allem Gianluigi Buffon leid“, sagte er weiter. Doch Siniscalchi sieht im Scheitern aber auch eine Chance: „So traurig das jetzt ist, es ist vielleicht auch die Chance auf einen Neuanfang“, meinte er. Nun müsse der Umbruch, den man seit dem Titelgewinn 2006 verpasst habe, kommen. „Wir haben jetzt die Quittung dafür bekommen, dass wir zehn Jahre nichts verändert haben. Wir haben gute U17-, U19- und U20-Mannschaften, aber keinen Trainer, der diesen Talenten vertraut und sie einbaut“, ärgerte sich Siniscalchi. Der hofft nun auf einen Umbruch, der kommen müsse, da ein Teil der „Alten“ ja aufhören werde. Viel wird seiner Meinung nach auch von einem neuen Trainer abhängen, Gian Piero Ventura sei der „falsche Mann mit einem veralteten System“ gewesen. „Ich wünsche mir einen jungen Trainer wie Massimilano Allegri oder Antonio Conte, einen jedenfalls, der auf die jungen Spieler baut. Jedenfalls nicht Carlo Ancelotti, der eher für ein veraltetes System steht“, sagte der Mühlhauser Fußballer. Die WM wird Marco Siniscalchi in jedem Fall verfolgen und dann mit Deutschland mitfiebern. „Wir haben bei uns im Restaurant jedenfalls keine Schadenfreude gespürt, den Deutschen tut es auch leid, dass Italien nicht dabei ist“, meinte er.

Das Ausscheiden noch nicht verkraftet hat Eugenio Paci, Trainer des B-Klassisten FC Igenhausen. Allerdings kam die verpasste WM-Qualifikation für den 35-Jährigen nicht wirklich überraschend. „Das hat sich schon länger angedeutet. Wenn wir ehrlich sind, gehören wir schon länger nicht mehr zur absoluten Weltspitze.“ Für Paci war der K.o gegen Schweden also nur der Gipfel des Scheiterns. Besonders leid tut dem Lechhausener Torhüter Gianluigi Buffon. Die Ikone verkündete nach dem Schlusspfiff unter Tränen seinen Rücktritt aus der Squadra Azzurra. „Wenn ich an die Bilder denke, bekomme ich wieder Gänsehaut. Buffon oder auch de Rossi haben so viel für den italienischen Fußball getan. Sie hätten es verdient gehabt nach Russland zu fahren.“

Nach Scheitern: Igenhausens Eugenio Paci setzt auf die Jugend

Paci ist enttäuscht, dennoch hält sich seine Wut in Grenzen: „Wir sind schon vorher ausgeschieden. Wir waren zwar besser, aber das Ausscheiden auf den Schiedsrichter zu schieben oder sonst etwas, halte ich für falsch. Egal ob Pech oder Unvermögen – wir müssen unsere Lehren darauf ziehen.“ Der frühere Gundelsdorfer sieht durch das Ausschneiden auch eine Chance für den italienischen Fußball. „Wir können jetzt bei Null anfangen und müssen einen kompletten Neuanfang starten. Das wird nicht von heute auf morgen funktionieren, sondern seine Zeit dauern.“ Deshalb zählt Paci die Azzuri auch bei den kommenden Turnieren nicht zu den Favoriten. Als Vorbilder könnten Deutschland oder Spanien dienen. „Beide gehören zur absoluten Weltspitze. Es gab auch in Deutschland bittere Jahre. Aber sie haben daraus gelernt.“ Vor allem bei der Jugendarbeit könne Italien noch viel lernen. „Da sind uns die Deutschen, aber vor allem die Spanier weit voraus. Ich hoffe, beim Umbruch setzt man auf den Nachwuchs.“

Eigentlich hatte sich Paci nach dem WM-Aus vorgenommen, die Weltmeisterschaft im kommenden Sommer nicht zu verfolgen. „Ich habe meinem fünfjährigen Sohn gesagt, dass wir einfach an den Baggersee fahren.“ So ganz ohne Fußball wird der Igenhausener Coach aber dennoch nicht auskommen. Als neutraler Beobachter wird er in der entscheidenden Phase des Turniers doch wieder vor dem Fernseher sitzen. „Ich liebe den Fußball und wünsche mir, das die beste Mannschaft den Titel holt – egal, wer das am Ende sein wird.“

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