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Stettenhofen

19.05.2015

15 Sekunden Tornado bedeuten drei Monate Baustelle

Schutt- und Müllberge: Das hat der Tornado in Stettenhofen hinterlassen.
Bild: Andreas Lode

Der Tornado traf Stettenhofen im Kreis Augsburg unerwartet und schnell. Die Aufräum - und Bauarbeiten werden dagegen Monate dauern. Sorge bereiten dabei die Schaulustigen.

Die Gemeinde Langweid hat ihr Versprechen gehalten: Jeder, der nach dem Tornado am vergangenen Mittwoch kein Dach mehr über dem Kopf hat, hat jetzt wieder eine Bleibe. Bürgermeister Jürgen Gilg sagte am Montag: „Wir haben über das Wochenende mehrere Angebote bekommen und haben uns jedes einzelne angesehen.“ Bis Ende dieser Woche könne jeder in die neue Wohnung einziehen.

Bis aus Dillingen, Kleinaitingen oder Mering haben sich Leute gemeldet, die eine Wohnung zur Verfügung stellen wollten, letztlich sind die Leute aber in Unterkünften in der unmittelbaren Umgebung wie Gersthofen untergebracht. Auch sonst haben sich viele gemeldet, die Möbel gespendet haben. Der Langweider Rathauschef ist immer noch überwältigt von der Welle der Hilfsbereitschaft: „Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich bei uns gemeldet haben.“ Ohnehin ist diese Woche entscheidend für die Opfer des Tornados.

"Zuerst hat es sich wie ein riesiger Staubsauger angehört"

Denn seit Montag untersuchen die Gutachter der Versicherungen die vom Tornado beschädigten Häuser. Eines der Gebäude, das in der Nacht auf Donnerstag besonders stark beschädigt wurde, ist das von Georgios Kourambas aus Stettenhofen. An das nur 15 Sekunden dauernde Schauspiel kann er sich noch genau erinnern: „Zuerst hat es sich wie ein riesiger Staubsauger angehört und danach hat es ein Geräusch gegeben, als ob Eiswürfel geschleudert werden.“ Seit gestern weiß Kourambas: Der Vergleich mit dem Staubsauger war gar nicht so weit weg von der Realität.

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Der Versicherungsexperte Ralf Schmid, der das Haus des 49-Jährigen begutachtete, erklärte: „Zuerst gab es einen Druck auf einer Seite des Daches, danach einen Sog.“ Am Ende riss der Sturm ein acht Meter langes Stück des Daches ab, die Ziegel prasselten auf den Boden. „Danach gab es eine gespenstische Ruhe. Als ich raus gegangen bin, wusste ich: Da ist mehr passiert. Wir haben Glück gehabt, dass niemandem verletzt ist.“

Kourambas das Urteil von Ralf Schmid nicht überraschend – auch wenn es heftig ausfällt. Der Gesamtschaden liegt bei 60000 Euro. Das Dach ist zerlöchert und muss erneuert werden. Die Böden im ersten und zweiten Stockwerk sind vom Regen der vergangenen Tage aufgeweicht und müssen ausgetauscht werden. Rund drei Monate, schätzt Schmid, wird es dauern, bis alle Arbeiten erledigt sind. Folglich wird das Haus, in dem er seit 2001 wohnt, bald zur Dauerbaustelle werden: Dachdecker, Spengler, Trockenbauer, Bodenleger und Zimmerleute werden nun ein- und ausgehen. Kourambas ist nicht geschockt, als er davon hört, sondern hat so etwas schon erwartet. Die wichtigste Nachricht für ihn ist eine andere: Die Versicherung kommt für den Schaden auf und kümmert sich um die Handwerker.

Ein Unwetter hat in der Region im Mai 2015 eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Durch einen Tornado wurden Dächer abgedeckt und Menschen verletzt. Vor allem die Orte Affing und Stettenhofen wurden schwer getroffen.
97 Bilder
Tornado richtet schwere Verwüstungen in der Region an
Bild: Marcus Merk, Hilfsorganisation ACO e.V., Ibrahim Yilmaz, Katja Röderer, Christoph Bruder, Erich Echter, Karl-Josef Hildenbrand dpa

An eine andere Sache muss sich der Hausbesitzer aber noch gewöhnen: An diejenigen, die sich einfach nur das Ausmaß der Zerstörung in Langweid ansehen wollen. „Ich komme mir so ein bisschen vor wie im Zoo. Teilweise standen um 2 Uhr nachts noch fremde Autos vor unserem Haus. Als ich die Leute gefragt habe warum sie da sind, haben sie gesagt, dass sie sich verfahren haben. Dabei wohne ich am Ende einer Sackgasse.“ Über die Gaffer schimpfen will er aber trotzdem nicht: „Das ist ja irgendwie menschlich, dass man das sehen will.“

Nach Tornado: Pilgerähnliche Zustände in Stettenhofen

Nicht alle sehen das so entspannt wie Kourambas. In einem Leserbrief an unsere Zeitung beschwert sich etwa Marko Seidel aus Stettenhofen über die vielen Gaffer und Schaulustigen: „ In den Tagen nach dieser Katastrophe ist es zu pilgerähnlichen Zuständen bei uns in Stettenhofen gekommen.“

Immerhin, so Langweids Bürgermeister Jürgen Gilg, hätte die Anzahl der Schaulustigen in den vergangenen Tagen abgenommen: „Die meisten scheinen jetzt gesehen zu haben, was sie sehen wollten.“ Immerhin scheint Stettenhofen vor Plünderern verschont worden zu sein: Nach Auskunft der Polizeiinspektion Gersthofen ist bislang nur ein Fall bekannt, wonach jemand in eines der verlassenen Häuser ging: Dabei handelte es sich um einen Bewohner, der noch etwas von seinen eigenen Besitz holen wollte.

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