Newsticker
Pfizer kann nicht so viel Impfstoff liefern wie zugesagt
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. 46-Jähriger fälscht 1400 Filme - und hat ein außergewöhnliches Motiv

Landkreis Augsburg

17.02.2016

46-Jähriger fälscht 1400 Filme - und hat ein außergewöhnliches Motiv

Krank oder kriminell? Ein 46-Jähriger hat in mehr als tausend Fällen über das Internet Raubkopien von TV-Serien verkauft.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa (Symbolfoto)

Krank oder kriminell? Ein 46-Jähriger hat in mehr als tausend Fällen über das Internet Raubkopien von TV-Serien verkauft. Die Filme waren meist um die 30 Jahre alt.

Mit Fällen, in denen illegal kopierte TV-Serien oder Kinofilme verkauft werden, haben die Gerichte zuhauf zu tun. Der Fall eines 46-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis, der nun vor dem Augsburger Amtsgericht landete, ist aber doch etwas anders gelagert: Zum einen, weil es sich bei den Raubkopien, die der Mann über Jahre hinweg selbst fertigte und verkaufte, nicht um aktuelle Filme handelte, sondern zumeist um mindestens 30 Jahre alte Filme und Serien. Außerdem scheint nach Ansicht der Richterin Birgit Geißenberger eine psychische Störung der Grund für die Straftaten gewesen zu sein.

Denn ob es dem Mann, der bei seinen Eltern wohnt und auch von ihnen finanziell unterstützt wird, tatsächlich darum ging, mit dem Verkauf von alten Fernsehschinken ein Geschäft zu machen, ist zweifelhaft. Jörg Seubert, sein Anwalt, sagte: „Ihm ging es mehr um die Anerkennung von seinen Käufern.“ Dafür spricht eine Einschätzung eines Kriminalbeamten, der seit fast zehn Jahren immer wieder mit dem Mann zu tun hat: „Teilweise hat er einzelne Filme für zwei Euro verkauft. Wenn man sich die Materialkosten für die DVD, die Kosten für deren Versand und den Aufwand fürs Herunterladen des Filmes anschaut, bleibt da nicht viel an Ertrag übrig.“ Das massenhafte Sammeln und Verkaufen der illegalen Kopien sei eine „Manie“ des Mannes gewesen, meinte der Polizist vor Gericht.

Filme über Ebay verkauft

Eine Manie, die der Mann so intensiv ausübte, dass ihm die Ermittler dennoch alleine im Zeitraum zwischen März 2012 und März 2013 rund 550 Fälle nachweisen konnten, in denen er Filme über diverse Konten auf dem Online-Auktionshaus Ebay verkauft hatte – und dabei einen Umsatz von beachtlichen 20000 Euro erzielte. Es war beileibe nicht das erste Mal, dass der Mann deswegen mit der Justiz in Konflikt geraten war: Bereits zwei Mal zuvor stand er wegen nahezu identischer Anklage vor Gericht – und wurde 2009 zuerst zu einer saftigen Geldstrafe, dann im Februar 2012 zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt. Insgesamt wurden dem Mann rund 1400 Fälle nachgewiesen, zwei Mal wurde seine Wohnung deswegen sogar von der Polizei durchsucht.

Dass er nur einen Monat nach der jüngsten Verurteilung und unter offener Bewährung wieder anfing, mit illegalen Filmen zu handeln, könne er sich selbst nicht erklären. Unter Tränen gestand der 46-Jährige alle Taten und sagte: „Ich habe ein verdammtes Problem. Ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe.“ Als Auslöser für alle Probleme betrachtet er ein Zerwürfnis mit seinem damaligen Geschäftspartner, bei dem er das Gefühl hatte, ausgenutzt worden zu sein. „Danach habe ich alle sozialen Kontakte abgebrochen.“ Seine Sammelleidenschaft für Filmklassiker und alte Fernsehserien habe schließlich bewirkt, dass er begonnen habe, die gebrannten DVDs zu verkaufen. Dafür hatte er sich unter falschem Namen über zehn Benutzerkonten bei Ebay zugelegt.

Staatsanwaltschaft forderte Haftstrafe

Weil der Mann unter offener Bewährung gehandelt hatte und einschlägig vorbestraft war, schien es unausweichlich zu sein, dass diesmal kein Weg an dem Gang ins Gefängnis vorbeiführen sollte. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Verteidiger Jörg Seubert plädierte aber darauf, seinem Mandanten eine letzte Chance zu geben – diesmal aber verbunden mit der Auflage eine Psychotherapie zu machen. Eine Forderung, der Richterin Birgit Geißenberger letztlich nachkam. Sie sah bei dem Mann erhebliche Entwicklungsdefizite.

Unter anderem betrachtete sie die „hohe Abhängigkeit“ von seiner Mutter als Problem: „Für einen Mann Ihres Alters ist das unüblich – und das macht es so schwierig für Sie, im Leben zu bestehen.“ Im Rahmen der Psychotherapie solle der Mann endlich seine Probleme lösen. Geißenberger gab ihm einen Rat auf den Weg. „Hören Sie auf, sich zu bemitleiden und fangen Sie endlich an, an sich zu arbeiten.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren