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Landkreis Augsburg

30.01.2021

Ab Montag müssen Abiturienten im Kreis Augsburg wieder in die Schule

Die Abschlussklassen gehen nächste Woche wieder in den Wechselunterricht.
Foto: Tobias Kleinschmidt, dpa (Symbolfoto)

Plus Die Abiturjahrgänge kehren als Erste im Landkreis Augsburg wieder in die weiterführenden Schulen zurück. So wird der Wechselunterricht nun organisiert.

Für ein paar Hundert Schüler im Landkreis Augsburg geht es am Montag wieder zurück in die Schule. Der Abiturjahrgang 2021 (an Gymnasien und FOS/BOS) sowie die Berufsschüler, bei denen bis Ostern Abschluss- bzw. Kammerprüfungen anstehen, haben wieder Wechselunterricht. Wie das laufen soll, haben die Schulen in den vergangenen zwei Tagen rasch organisiert. Die Schüler müssen sich vor allem auf etliche Klausuren und Leistungserhebungen einstellen.

Am Diedorfer Schmuttertal-Gymnasium kann die Q 12, die ja in Kursen unterrichtet wird, nicht so einfach geteilt werden. Das Organisieren des Wechselunterrichts war hier eine wahre Denksportaufgabe. „Es ist hochkompliziert, mühsam und ein Riesenaufwand.“ Günter Manhardt, Schulleiter des Diedorfer Schmuttertal-Gymnasiums, gibt zu, dass er über die Entscheidung der Politik gar nicht so glücklich ist: "Der Distanzunterricht hat vor allem bei den Großen prima funktioniert. Die Lehrer haben sich inzwischen für zu Hause gute und teure Ausstattung zugelegt, damit der digitale Unterricht gut läuft.“ Die Lehrer haben ja derzeit die Schüler aller anderen Klassen über Video im Homeschooling zu unterrichten, sollen aber nun ihre Abiturkurse wieder in der Schule abhalten.

Nun habe man den ganzen Donnerstag getüftelt, wie man den Wechselunterricht für die 85 Schüler der Q 12 organisieren kann. Erst am Donnerstagmorgen kam die Anordnung vom Kultusministerium. Am Abend wurden dann Schüler und Eltern informiert, wie es am Montag weitergeht. "Es ist alles sehr kurzfristig und viele Kollegen fühlen sich ein bisschen überrumpelt“, sagt Manhardt. Andererseits sei natürlich aus pädagogischer Sicht jeder Schüler vor Ort im Schulhaus wertvoll.

Manche Kurse haben ohnehin wenig Teilnehmer

Manhardt und seine Kollegen haben nun entschieden, die Q-12-Schüler nach Geburtsdatum in zwei Gruppen zu teilen, die dann im wöchentlichen Wechsel in die Schule kommen: erstes Halbjahr Gruppe A, zweites Halbjahr Gruppe B. So wird verhindert, dass sich Kurszeiten überschneiden, allerdings gibt es in Diedorf zum Beispiel einen Informatikkurs, der ohnehin nur acht Teilnehmer hat und nach der Teilung nur zwei Schüler. "Aber das ist dann halt leider so“, sagt der Schulleiter. Durch den wöchentlichen Wechsel geht nun zudem alles etwas langsamer vonstatten.

Am Diedorfer Schmuttertal-Gymnasium ist man über die Entscheidung der Politik gar nicht so glücklich.
Foto: Marcus Merk (Archivfoto)

Die Lehrer müssten dann nach ihrem Kurs in der Schule innerhalb von wenigen Minuten wieder auf Distanzunterricht per Videokonferenz umschalten. "Entweder sie bleiben dafür in der Schule oder fahren schnell nach Hause, je nachdem, wie es zeitlich geht“, so Manhardt.

Genauso ist es am Paul-Klee-Gymnasium in Gersthofen. "Manche Lehrer wohnen in der Nähe und machen zu Hause weiter, manche werden in der Schule bleiben“, so Schulleiter Christian Engel. Am Gersthofer Gymnasium ergab es sich zum Glück so, dass der Abiturjahrgang mit insgesamt 83 Schülern einfach nach Alphabet in zwei Gruppen geteilt werden konnte, die nun im wöchentlichen Wechsel in die Schule kommen. "Wir sind sehr froh, die Schüler nun wieder hier zu haben, um sie intensiv aufs Abitur vorbereiten zu können“, so Schulleiter Engel. Außerdem sei es so einfacher, etliche Schulaufgaben zu schreiben und noch nötige Noten zu erheben.

"Größere Belastung für Lehrer und Schüler"

"Nicht allzu begeistert" ist das Kollegium am Neusässer Justus-von-Liebig-Gymnasium über den Wechselunterricht für den Abiturjahrgang. "Es ist eine größere Belastung für Lehrer und Schüler", meint Schulleiter Stefan Düll. Er hätte lieber noch etwas gewartet, damit dann alle der insgesamt über 100 Q-12- Schüler wieder gemeinsam in den Präsenzunterricht können.

"So muss man jetzt schauen, wie man auch den Schülern zu Hause gerecht werden kann." Das Distanzlernen habe inzwischen sehr gut funktioniert, nun ist der Aufwand für alle wieder größer. In Neusäß konnte man zwei Gruppen bilden, die nun im wöchentlichen Wechsel in die Schule gehen.

An der FOS/BOS machen heuer 450 Schüler ihren Abschluss

Deutlich größere Dimensionen herrschen an der FOS/BOS in Neusäß. Ab Montag kommen ca. 380 Fachoberschüler und 70 Berufsoberschüler im täglichen Wechsel an die Schule. Sie bereiten sich derzeit auf das Fachabitur bzw. das fachgebundene oder allgemeine Abitur vor. An der FOS/BOS gibt es noch den Klassenverbund. Laut Schulleiter Rainer Bartl wird eine Hälfte der Klasse in der Schule sein, die andere verfolgt die Stunde per Videokonferenz.

Die Abschlussklassen und Abiturjahrgänge kehren wieder in die Klassenzimmer zurück.
Foto: Marcus Merk (Symbolfoto)

Mit gemischten Gefühlen sieht Bartl der nächsten Woche entgegen: "Einerseits ist es sehr gut, dass wir die Schüler nun endlich mal wieder sehen und im Unterricht vor Ort haben.“ Das sehen auch die meisten Lehrkräfte so. "Andererseits ist es für die Gruppe zu Hause nicht optimal, denn sie verfolgen dann quasi als Zuschauer den Präsenzunterricht in der Schule, der natürlich stark auf die Anwesenden ausgerichtet ist.“ Das Homeschooling mit MS Teams habe an der FOS/BOS dank der hervorragenden digitalen Ausstattung, zum Beispiel mit Webcam im Klassenzimmer, sehr gut funktioniert, so Bartl. Das Wechselmodell, das nun für die Abschlussklassen zur Anwendung kommt, tauge keinesfalls für das gesamte restliche Schuljahr, meint Bartl. Das sei unheimlich aufwendig und anstrengend für die Lehrer, gleichzeitig zwei Gruppen gerecht werden zu wollen.

Im täglichen Wechsel für zwei Gruppen könne man den Unterricht für die Abschlussjahrgänge nicht anbieten, weil in den Abschlussfächern nun etliche Leistungsnachweise anstünden. Diese Klausuren werden nun an den Samstagen stattfinden, da so alle Schüler einer Klasse (bzw. eines Jahrgangs) die Tests gemeinsam schreiben können. Rainer Bartl meint, der teilweise Präsenzunterricht habe den Vorteil, "dass man nun bei den Schülern, die vor dem Abschluss stünden, eher sehen kann, wo sie stehen.“

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