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Kreis Augsburg

10.07.2015

Am Gymnasium in Diedorf geht Schule auch anders

Das Diedorfer Gymnasium ist wegweisen - bei der Passivhaus-Bauweise, den Materialien und der Synthese von Schulkonzept und Architektur.
Bild: Marcus Merk

In Diedorf ist das Schmuttertal-Gymnasium fast bezugsbereit. Es ist der größte Holzbau Europas. Doch nicht nur das Gebäude ist innovativ, sondern auch das pädagogische Konzept.

Diedorf Kinder laufen in dieser Schule nicht durch die Gänge – noch nicht. Die kommen erst im September, wenn das neue Schuljahr beginnt. Und doch ist schon viel los im Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf, dem derzeit größten Holzbau in Europa und der, wie Schulleiter Günter Manhardt nicht müde wird zu beteuern, „modernsten Schule Deutschlands“. Für heute haben sich beispielsweise 60 Gäste aus dem Fachbereich Holzbau, dazu Bürgermeister und Schulleiter aus ganz Südbayern angesagt zu einem Symposium des Netzwerks Holzbau der Wirtschaftsregion rund um Augsburg. Im September kommt sogar eine Delegation aus Japan. „Ich bin im Moment auch so etwas wie ein Touristenführer“, sagt Schulleiter Manhardt.

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2009 hatte sich der Augsburger Kreistag entschlossen, sein fünftes Gymnasium in Diedorf einzurichten. Seit 2010 wird in einem Übergangsbau unterrichtet. Gebaut werden sollte im idyllischen Schmuttertal, direkt neben dem Bahnhof von Diedorf. Dass die Schule nicht nur ein hochmodernes Gebäude, sondern auch ein innovatives pädagogisches Konzept haben würde, ist kein Zufall. Ein Jahr zuvor war Martin Sailer (CSU) Landrat im Kreis Augsburg geworden, damals erst 38 Jahre alt. Seitdem ist er dabei, den Landkreis Augsburg zu einem „Bildungslandkreis“ auszubauen. „Das Gymnasium in Diedorf ist dabei ein Leuchtturm für ganz Deutschland“, ist er überzeugt.

Schmuttertal-Gymnasium Diedorf

Und dieser Turm steht auf zwei Säulen: einem hochmodernen Gebäude und der Pädagogik. Im Mittelpunkt stehen die Einzel- und die Gruppenarbeit der Schüler. Mithilfe des Lehrers sollen sie sich in Zukunft ihren Lernstoff zu einem großen Teil alleine erschließen. „Frontalunterricht“ wird es noch höchstens in der Hälfte der Unterrichtszeit geben. Erst seit wenigen Jahren gibt es das pädagogische Konzept dazu, entwickelt hat es Karin Doberer aus Mittelfranken mit ihrem Unternehmen Lernlandschaften. Der Lehrer wird da manchmal nur noch zur begleitenden Kraft.

Am Gymnasium in Diedorf geht Schule auch anders

Er könne aber auch der Schwachpunkt im System sein, so war die Befürchtung der Diedorfer Elternbeirätin Barbara Bullnheimer zu Beginn des Projekts. „Den Kindern tut es nur gut, wenn sie so schnell wie möglich selbstständig arbeiten können. Die Lehrer stammen aber aus einer anderen Art Unterricht und müssen auf ihre Arbeit hier gut vorbereitet werden.“ Schulleiter Günter Manhardt weiß das. Er sagt, wer als Lehrer am Schmuttertal-Gymnasium unterrichten wolle, müsse wissen, worauf er sich einlässt. „Sonst hat das keinen Sinn“, ist er überzeugt.

Nicht nur die pädagogische Methode aber macht das Schmuttertal-Gymnasium Diedorf so besonders. Richtig funktionieren können die offenen Lernlandschaften nämlich nur in einem geeigneten Gebäude – und das ist nun fast fertig. Statt Türen gibt es Raumteiler. Viel Glas ermöglicht es den Pädagogen außerdem, ihre Schüler in Gruppen aufzuteilen und dennoch alle im Auge zu behalten.

Architektur und pädagogischer Ansatz Hand in Hand

Einzigartig ist, dass hier integral geplant wurde: Ausgehend von der Pädagogik entstand die passende Schule. Hier sollte alles stimmig sein, hatte sich das Team aus Architekten, Ingenieuren, Handwerkern und Pädagogen vorgenommen. Und so ist die Schule gleichzeitig Forschungsobjekt: Die Geräuschdämmung der Decken beispielsweise wurde eigens für das Gebäude entwickelt. Sollte sie sich bewähren, kann sie auch anderswo verwendet werden. 470 Werkstoffe hat Architekt Holger König auf ihre Umweltverträglichkeit hin beurteilt, nicht alle wurden genommen. Durch die Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt die Schule, auf eine Bestandszeit von 50 Jahren gerechnet, mehr Energie, als sie vom Baubeginn über die gesamte Lebensdauer verbraucht – ein Weg für die Zukunft, ist Architekt Hermann Kaufmann überzeugt.

Am Ende sollen sich freilich auch alle wohlfühlen, die täglich in die Schule gehen, Schüler und Lehrer ganz besonders. Auch deren Befindlichkeiten werden wissenschaftlich überwacht: Seit bereits einem Jahr befragen Mitarbeiter des Lehrstuhls für Psychologie der Universität Augsburg Schüler und Lehrer unter anderem nach ihrer Motivation und ihrer (Berufs-)Zufriedenheit und vergleichen diese mit den Ergebnissen nach dem Umzug.

Dabei geht es freilich auch um den Sinn neuer Lehrmethoden. Da ist Schulleiter Manhardt übrigens guten Mutes. Schon jetzt seien seine Schüler in Vergleichstests in Schwaben stets im vorderen Drittel dabei. Und das Gymnasium zieht: Mit 133 neuen Fünftklässlern haben sich am Schmuttertal-Gymnasium für das Schuljahr 2015/16 mehr Kinder angemeldet, als an jedem anderen Gymnasium im Landkreis Augsburg.

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