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Diedorf

17.02.2018

Angst vor „sozial Schwachen“

Umbau / Sanierung / Alte Post Biburg
Bild: Marcus Merk

Bei Bürgerratsch der Diedorfer CSU wird hitzig über das geplante Boardinghouse in Biburg diskutiert. Was die Anwohner sagen

Beim CSU-Bürgerratsch im Veranstaltungssaal des Gasthauses zu Hirsch kommt immer wieder Unruhe auf. Das Thema Boardinghouse in der Alten Post in Biburg beschäftigt die Anwohner: Sie äußern die Befürchtung, dass in dem Boardinghouse „sozial Schwache“ unterkommen könnten, glauben, dass Biburg ein Parkplatzproblem bekommt und hinterfragen die Sinnhaftigkeit einer Herberge mit über 80 Betten in dem kleinen Diedorfer Ortsteil.

Um diese Ängste zu zerstreuen, ist der für den Umbau des Gebäudes verantwortliche Architekt Yurdakul Atabek zum Bürgerratsch nach Biburg gekommen. Er will darlegen, was die Success GmbH und er in der Alten Post planen. Die Bedenken der Anwohner kann er aber nur bedingt zerstreuen. Klar ist bisher nur: Investor und Planer hätten sich an alle gesetzlichen Vorgaben gehalten, der Gemeinderat habe somit nichts gehen den Bau in der Hand. Das betonen die anwesenden Gemeinderäte Michael Mittermeier, Horst Heinrich und Thomas Rittel.

Der erste Punkt, der den Biburgern Sorgen macht, ist „das Niveau“ der Gäste des Boardinghouse. Die Success GmbH nennt in ihrem Exposé einige Möglichkeiten, wer als Übernachtungsgast in Biburg unterkommen könnte: Darunter „Arbeitnehmer, die auf Zeit im Raum Augsburg tätig sind“, Studenten, Dozenten und Mitarbeiter des neuen Uniklinikums, aber auch „kurzfristig Obdachlose, aufgrund familiärer Situation“.

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„Bringen wir es doch klar auf den Punkt: Wir haben Angst, dass in das Boardinghouse sozial Schwache einziehen“, kommt es aus einer Ecke des Raumes. Es fallen die Begriffe „Flüchtlingsunterkunft“ und „Räuberhöhle“.

Auch der Vorschlag, dass „kurzfristig Obdachlose“ einziehen könnten, bereitet Bürgern Bauchschmerzen. Der CSU-Ortsvorsitzende und Marktrat Horst Heinrich erklärt: Damit seien Familien oder Alleinstehende gemeint, die nicht mehr in ihrer Wohnung in Diedorf bleiben könnten und dringend Hilfe benötigten. Die Marktgemeinde Diedorf hat in diesem Zusammenhang schon länger Probleme. Die vier Zimmer in einer Wohnung in Biburg, die eigentlich als Notunterkunft dienen sollen, sind seit geraumer Zeit belegt.

Yurdakul Atabek versucht die Ängste der Bürger zu beruhigen: „Offiziell ist das Gebäude ein Beherbergungsbetrieb, wenn daraus eine Flüchtlingsunterkunft gemacht würde, käme schnell die Bauaufsicht.“ Wie genau die Herberge geführt werde, sei aber Sache des Betreibers, der erst noch gefunden werden müsse, so der Architekt.

Zum Thema Parkplätze sagt Atabek: „Ich habe mich an die bayerische Bauordnung gehalten.“ Der Betrieb wird bei 41 geplanten Zimmern und zwei Doppelhaushälften im hinteren Teil des Grundstücks über insgesamt 22 Parkplätze verfügen. Für die Zuhörer geht diese Rechnung nicht auf.

Horst Heinrich beschwichtigt: Sollten tatsächlich Platzprobleme entstehen, müsse die Marktgemeinde reagieren. Sein Ratskollege Michael Mittermeier schränkt ein: „Das Parkplatzproblem trifft uns in allen neuen Baugebieten.“ Wenn sich der Bauwerber an Recht und Gesetz halte, habe der Gemeinderat keine Handhabe.

Selbst als der Bürgerratsch sich schon anderen Themen zugewandt hat, ebbt die Aufregung nicht ab: „Was will ich denn als Arbeiter hier, hier gibt es doch nichts“, heißt es zum Thema Infrastruktur. Und: „Das Boardinghouse bringt für das Dorf gar nichts, sondern bedeutet nur Ärger.“ Auch die Frage, warum der Gemeinderat nichts gegen das Boardinghouse unternommen habe, kommt auf. Thomas Rittel erklärt: „Der Gemeinderat ist haftbar, wenn er ein Projekt verhindert, das alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt.“ Hätte der Gemeinderat keine Baugenehmigung erteilt, hätte immer noch das Landratsamt das letzte Wort, wie jüngst bei der Diskussion um den Bullenstall in Diedorf, ergänzt Rittel.

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