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Stadtbergen

26.12.2015

Aus dem Kirchenasyl ins Grandhotel

März 2014: Der tschetschenischen Familie droht die Abschiebung. Am Ende fanden sie Zuflucht im Stadtberger Kirchenasyl.

Monatelang versteckten sich fünf Tschetschenen in der Stadtberger Kirche. Vor einem Jahr kamen sie frei. Jetzt gibt es ein neues Zuhause – und alte Fragen.

Ihr Schicksal bewegte viele in Stadtbergen: Anfang des Jahres 2014 sollte eine fünfköpfige tschetschenische Flüchtlingsfamilie nach Polen abgeschoben werden. Das Schicksal der Witwe Tamila Pachaeva und ihrer vier Kinder im Alter zwischen damals zwölf und sechs Jahren bewegte auch deswegen die Gemüter, weil der Schrecken in ihrer Heimat tiefe Spuren an ihnen hinterlassen hatte. Insgesamt acht Monate versteckte sich die Familie im Kirchenasyl von Maria Hilfe der Christen in Stadtbergen. Zu Weihnachten vor einem Jahr war vieles besser, aber nicht alles gut: Das Kirchenasyl war zu Ende.

Im Augsburger Grandhotel Cosmopolis untergebracht

Die Behörden hatten damals entschieden, dass über den Asylantrag der Familie in Deutschland entschieden wird und nicht in Polen – dem ersten EU-Land, das die Tschetschenen bei ihrer Flucht betreten hatten. Der sehnlichste Wunsch, den die Familie zum Fest im vergangenen Jahr hegte: Ein dauerhaftes Zuhause in Deutschland. Heute hat sich diese Hoffnung bedingt erfüllt: Seit einem halben Jahr sind die fünf im Augsburger Grandhotel Cosmopolis untergebracht, einem bundesweiten Modellprojekt in dem Flüchtlinge und Bürger zusammen leben. Zuvor war stets die Frage gewesen, wo die Familie sich während der Prüfung des Aslyantrags aufhalten muss.

Die ehrenamtliche Helferin Tina Hochheuser sagt: „Die Gemeinschaft im Grandhotel tut der Familie gut: Die Kinder gehen in die Schule, auch ihre Mutter Tamila ist viel selbstständiger geworden und braucht kaum noch Betreuung.“ Die beiden Mädchen Samira und Rayana nehmen mittlerweile Klavierunterricht. Dennoch haben die schrecklichen Vorkommnisse die Kinder und ihre Mutter schwer traumatisiert: Der Vater wurde erschossen, bevor die Familie flüchten konnte. Weil Tamila flüchtete, drohte der Bruder ihr offen mit Mord. Besonders den heute 13 Jahre alten Abdul-Malik traf der Terror hart: Er hat bereits einen Suizidversuch hinter sich, ein Gutachten der Kinderklinik am Josefinum bescheinigte ihm im Februar eine „depressive Symptomatik“. Sollte die Familie wieder ihre gewohnte Umgebung verlassen müssen, drohe eine „massive Destabilisierung des Kindes mit erheblicher Gefährdung“.

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Ausgang des Asylverfahrens ist offen

Ob die Familie aber in Deutschland dauerhaft bleiben kann, ist unklar: Das Asylverfahren zieht sich immer noch hin, dessen Ausgang ist offen. Tina Hochheuser betont: „Die Familie bekommt jede Unterstützung von uns, die man sich denken kann. Die Stadtberger Helfer halten immer noch Kontakt zu ihnen. Aber müssen auf das warten, was noch entschieden wird.“

Die Herbergssuche der jungen Familie – sie ist auch in diesem Jahr noch nicht eindeutig geklärt worden.

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