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Gersthofen/Meitingen

21.06.2019

Bahnstrecke gesperrt: Bis Montag entstehen drei Tunnel

<p>An nur einem Wochenende entstehen entlang der Bahnlinie in Gersthofen, Langweid und Meitingen drei Tunnel. Im Video sehen Sie die tagelangen Arbeiten im 100-Sekunden-Zeitraffer.</p>
Video: Marcus Merk

Was für eine Leistung: An der Bahnlinie entstehen in Gersthofen, Langweid und Meitingen drei Tunnel. Wir zeigen die tagelangen Arbeiten in einem 100-Sekunden-Zeitraffer-Video.

Drei Tunnelbauwerke unter der Bahnlinie Augsburg-Donauwörth einschieben in 108 Stunden – dieses sportliche Unterfangen läuft noch bis Montagmorgen: Seit Mittwoch ist die Strecke gesperrt, weil in Meitingen, Langweid und Gersthofen für die neuen Bauwerke die Schienen abgebaut werden müssen.

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Das umfangreichste der Projekte ist am Bahnhof in Gersthofen. Dort wurde in den vergangenen Monaten westlich der Bahnlinie eine "Röhre" für Fußgänger gebaut. Diese wird nun voraussichtlich am frühen Freitagmorgen an ihre künftige Stelle unter den Bahnsteigen eingeschoben. So sollen die Bahnkunden auf dem kürzesten und sichersten Weg von einer Seite des Bahnsteigs auf die andere gelangen. Weil in der heutigen Zeit ein barrierefreier Zugang unerlässlich ist, werden, wenn die Unterführung eingeschoben ist, noch zwei Aufzüge gebaut. Über sie gelangt man vom Tunnel auf die Bahnsteigniveau und umgekehrt.

An der Baustelle in Gersthofen ist Vorsicht geboten

Seit etwa 2011 lief die konkrete Bauplanung für dieses Projekt, so Stefan von Rechenberg von der Gersthofer Bauverwaltung. Projektsteuerer Dietmar Schuller von der Augsburger Schuller Baumanagement GmbH erläuterte unmittelbar nach Beginn der Sperrpause am Mittwochnachmittag, wie zunächst Schienen und Schotter entfernt und die Bahnsteige im Bereich des Gersthofer Bahnhofs abgetragen wurden. "Wegen der großen Hitze müssen die Schienen hier in Gersthofen in kleinere Abschnitte gestückelt werden, damit sie sich nicht verwerfen und beim Wiedereinbau keine Probleme machen", so Schuller. Für Schullers Unternehmen ist der Gersthofer Tunnelbau ein kleines Vorhaben. "Wir übernehmen vor allem große Projekte, zum Beispiel bei Stuttgart 21 den Tunnel Feuerbach und sind auch in Ulm und beim Augsburger Hauptbahnhof tätig."

Beim Einschub der Bahnhunterführung in Meitingen bietet sich in diesen Tagen ein ähnliches Bild wie in Gersthofen. Auch hier muss rasch gearbeitet und viel Erdmaterial bewegt werden.
Bild: Marcus Merk

An der Gersthofer Baustelle sind bis Montag circa 15 bis 20 Arbeiter verschiedener Firmen am Werk. Schuller und eine Vertreterin der Bahn kontrollieren während der ganzen Zeit, ob die Arbeiten korrekt ausgeführt werden.

Besonders aufpassen mussten die Arbeiter, dass keines der 28 Kabel beschädigt wurde. Sie verlaufen entlang der Bahnlinie und werden nach dem Einschub wieder unter dem Bahnsteig verlegt – schließlich waren darunter auch die Kabel für die Leitungs- und Sicherheitstechnik der Bahn. Sie werden während der Arbeiten über eine Kabelbrücke geführt. Auch ein Stück der bestehenden Brücke über die Bahnhof-/Hirblinger Straße musste zeitweilig ausgehoben werden, weil sonst der neue Tunnel nicht vorbeikam. Die Stromabnehmerkabel über den Gleisen wurden abgeschaltet. Dennoch musste der Kranführer mit großem Fingerspitzengefühl arbeiten, weil sein Mast sehr nah an die Oberleitungen kam.

So laufen die Arbeiten in Meitingen ab

Beim Tunneleinschub in Langweid mussten diese Kabel sogar zeitweise verschoben werden, so ein Sprecher der Bahn, die dort für die Arbeiten verantwortlich ist. In Gersthofen und in Meitingen sind die jeweiligen Kommunen die Auftraggeber. In Meitingen verläuft der Einschub der Unterführung analog zu Gersthofen, nur ist die Röhre etwas weniger groß und wird von der Ostseite aus bewegt.

Das Tunnelbauwerk wurde zunächst auf zahlreichen Betonwürfeln errichtet. Dazwischen wurden Stahlträger eingeschoben, die mit Teflonscheiben belegt sind. Später werden die Betonwürfel entfernt, und das Tunnelbauwerk gleitet – von einer hydraulischen Presse gezogen – auf den Teflonplatten an seinen Standort. Im Vergleich zum Rest der Arbeiten soll dieser Bauabschnitt erstaunlich schnell gehen: "Circa vier Stunden sind dafür eingeplant", sagt Dietmar Schuller.

Am Donnerstag hoben die Bauarbeiter auf der Ostseite noch den Boden aus, sodass der Tunnel eben gleiten kann. Circa 1500 Kubikmeter Material wurden dafür fortgeschafft und auf einem Areal westlich des Gersthofer Park-and-Ride-Platzes gelagert. Die in den Bahndamm gegrabene Öffnung lässt rechts und links des Tunnels jeweils rund einen Meter "Spiel". Wenn das Bauwerk am Platz ist, werden die Lücken wieder gefüllt.

Sitzt der Tunnel an seinem Bestimmungsort, dann werden der Bahndamm wieder hergestellt, der Schotter und die Schwellen sowie die Gleise wieder montiert. So schnell wie möglich wird dann auch der Asphaltbelag wieder aufgebracht. Denn wenn am Montagmorgen um 4 Uhr eventuell die ersten Bahnfahrgäste kommen, muss er abgekühlt und ausgehärtet sein.

Der Gersthofer Tunnel allein kostet vier Millionen Euro. Das ist den steigenden Baupreisen geschuldet, sagt Stefan von Rechenberg: "Vor ein paar Jahren hätte es noch 1,5 Millionen gekostet."

Für den ganzen Bahnhofsumbau inklusiven Geländegestaltung und neuer Führung der Bahnhofstraße mit Kreisverkehr an der Kreuzung Beethovenstraße/Hery-Park sind insgesamt zehn Millionen Euro veranschlagt. Alles in allem soll das neue Bahnhofsgelände in Gersthofen 2021 fertig sein.

Dass die Bahn auch mal gelobt werden darf, lesen Sie hier: Wenn`s mit der Bahn mal klappt

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