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Fischach

06.12.2020

Begehbares Bilderbuch: So sah Wollmetshofen vor 100 Jahren aus

Meinrad Frey, Rudolf Linderl und Elisabeth Neugebauer (von links) vom Obst- und Gartenbauverein Wollmetshofen mit einigen Haustafeln.
Bild: Walter Kleber

Plus Haustafeln an 50 Gebäuden in Wollmetshofen zeigen, wie der Ort vor 100 Jahren aussah. Der Gartenbauverein hat so zum Jubiläum dem ganzen Dorf ein Geschenk gemacht.

Zu seinem 100. Geburtstag im vergangenen Jahr hatte sich der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Wollmetshofen eine besondere Aktion für das ganze Dorf ausgedacht: Um die Erinnerung an das „alte“ Wollmetshofen nicht verblassen zu lassen und für die nachrückende Generationen lebendig zu erhalten, startete der Verein die „Aktion Haustafeln“.

Wie lief das ab? Alle Haushalte in dem heutigen Fischacher Gemeindeteil wurden gebeten, historische Fotos ihrer Anwesen in alten Fotoalben aufzustöbern und dem Organisationsteam um OGV-Vorsitzende Elisabeth Neugebauer, Marktgemeinderat Rudolf Linderl und Ortschronist Meinrad Frey zur Verfügung zu stellen. Als Referenzjahr hatten die Initiatoren das Jahr 1919 vorgegeben, in dem auch der Obst- und Gartenbauverein gegründet wurde.

Haustafeln zeigen, wie es in Wollmetshofen früher aussah

Die Idee: Reproduktionen dieser historischen Fotos sollten auf Tafeln aufgezogen und an den heutigen Häusern angebracht werden. Ergänzt um die früheren Hausnamen, um die jeweilige Haus- und Hofgeschichte im Stenogrammstil und um Angaben über die vorangegangenen Bewohner der abgebildeten Häuser. Denn wer von den heutigen Einwohnern Wollmetshofens weiß noch, wo der „Gäßlebauer“ seinen Hof hatte, wo der „Glaser“ und wo der „Wanger“ wohnten und arbeiteten, oder wo man es „Beim Bächle“ nannte?

Auch das ehemalige Anwesen der Familie Lehner - auf diesem Foto von 1920 noch mit Stroh gedeckt - ist in der Sammlung der Wollmetshofener Haustafeln vertreten.
Bild: Repro: Walter Kleber

Der Obst- und Gartenbauverein mit seiner langen, über 100-jährigen Tradition fühlt sich nicht nur dem Blumenschmuck und dem Obstanbau verpflichtet. Elisabeth Neugebauer: „In unserer Satzung ist auch verankert, dass wir uns im besten Sinne als Heimatverein verstehen, dem zunehmend auch die Pflege der Ortsgeschichte und unseres historischen Erbes ein Herzensanliegen ist!“

Große Resonanz auf den Aufruf des Gartenbauvereins Wollmetshofen

Die Resonanz auf die Jubiläumsaktion war überwältigend. Rudolf Linderl: „Wir sind von einem möglichen Potenzial von rund 50 Anwesen ausgegangen, von denen uns historische Fotos überlassen werden. Dieses Ziel werden wir vermutlich auch erreichen, wenngleich sich in einigen Fällen die Beschaffung der historischen Fotos noch als etwas schwierig erweist.“

Ortschronist und Hobbyhistoriker Meinrad Frey, der seit vielen Jahren unermüdlich in den verschiedensten Archiven den historischen Spuren seines Heimatdorfes nachspürt, steuerte aus seinem eigenen umfangreichen Fundus Fotos bei, wenn Bilddokumente fehlten. Frey hat außerdem die Haus- und Hofgeschichten recherchiert, wenn die Angaben lückenhaft waren oder sogar ganz fehlten.

Die Hausansichten wurden auf Plexiglasscheiben gedruckt

Inzwischen sind die meisten der zur Verfügung gestellten Fotos im Format DIN A 3 auf witterungsbeständigen Plexiglasplatten gedruckt. Pro Hausansicht belaufen sich die Kosten auf rund 60 Euro. Zwei Drittel davon sind durch Zuschüsse der Regionalentwicklung Stauden (RES) und der Regionalentwicklung Augsburg-Land (ReAL) West gedeckt. Den Rest übernehmen die Hauseigentümer selbst.

Die Kosten für die Tafeln der ehemaligen Volksschule und des „Lehrerhauses“ übernimmt der Markt Fischach. In mühevoller, zeitaufwändiger Kleinarbeit ist ein begehbares Bilderbuch durch das jüngste Kapitel der langen Dorfgeschichte von Wollmetshofen entstanden. Vertreten in diesem historischen Kaleidoskop sind auch Schloss Elmischwang und das Sägewerk Gnandt in Lehnersberg etwas außerhalb des Ortes.

Die OGV-Vorsitzende Elisabeth Neugebauer bittet die Hausbesitzer, ihre Haustafeln direkt am Gebäude oder im Gartenbereich anzubringen. „Um eventuelle Beschädigungen durch Vandalismus von vorneherein zu vermeiden, sollten die Haustafeln nicht an den Gartenzaun geschraubt werden.“

Die offizielle Übergabe der Haustafeln an die heutigen Hausbesitzer war im Rahmen einer kleinen offiziellen Feier mit den Sponsoren, mit Vertretern der Marktgemeinde und den teilnehmenden Familien geplant. Die Corona-Pandemie hat diese Pläne (vorerst) vereitelt. Doch Elisabeth Neugebauer und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter sind zuversichtlich: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!“

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