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Stadtbergen

01.12.2016

Betrunkene schlagen Zechkumpan beinahe tot

Vor diesem Haus im Stadtberger Nestackerweg wurde ein Mann beinahe tot geschlagen. 
Bild: Andreas Lode

Ein Streit unter Alkoholeinfluss eskaliert in Stadtbergen derart, dass ein 35-Jähriger fast stirbt. Die Umstände sind schockierend.

Zuerst sollen sie ihn halb tot geprügelt haben – dann liegen sie ihr Opfer hilflos in der Kälte liegen. Wegen Mordversuchs sitzen seit gestern zwei Männer am Augsburger Landgericht auf der Anklagebank.

Laut Staatsanwaltschaft haben der 37-Jährige und der 29-Jährige, beide aus Osteuropa, bei einem Streit Ende November vergangenen Jahres in einer Wohnung im Stadtberger Nestackerweg so lange auf das Opfer eingeschlagen und eingetreten, bis der Mann wegen seiner schweren Verletzungen bewusstlos war. Unter anderem waren der Schädel, das Kiefer und die Augenhöhle gebrochen und der ganze Körper mit Blutergüssen übersäht. Am Ende sollen die Angreifer den Mann einfach vor dem Haus abgelegt haben.

Dass der 35-Jährige überhaupt noch lebt, hat er einem Nachbarn zu verdanken: Dieser hatte gesehen, wie der Mann vor der Haustür zusammengeschlagen und getreten wurde. Erst als er bewusstlos war und ihn seine Angreifer wohl für tot hielten, ließen sie von ihm ab und gingen wieder in die gemeinsame Wohnung. Der Nachbar verständigte die Rettungskräfte. Sie fanden den lebensgefährlich verletzten Mann, wie er in der kalten Nacht blutverschmiert über einen Parkplatz kroch und brachten ihn ins Augsburger Klinikum. Ob er überleben würde, war lange Zeit nicht klar: Wegen der schweren Verletzungen im Kopfbereich war eine Not-Operation zuerst nicht möglich. Erst nach zwei Wochen auf der Intensivstation verbesserte sich der Gesundheitszustand des Mannes. Die Folgen der Attacke begleiten ihn jedoch immer noch: Unter anderem leidet er bis heute an Gleichgewichtsstörungen. Erst im März stürzte er deswegen eine Treppe hinunter und brach sich dabei den Oberschenkelhalsknochen.

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Die Anklage lautet: versuchter Mord

Seine beiden mutmaßlichen Peiniger befinden sich in Untersuchungshaft: Der 29-Jährige wurde direkt nach der Tat abgeführt, der Ältere im Juni dieses Jahres. Die Anklage lautet auf versuchten Mord. Zu Beginn der Verhandlung wollte der jüngere von beiden (Verteidiger: Michael Zapf und Klaus Rödl) keine Angaben zum Tatgeschehen machen. Der Mitangeklagte 37-Jährige (Verteidiger: Johannes Siegmund) erzählte aber seine Version der Geschichte – und stellte sich dem Gericht unter der Leitung von Richter Christoph Wiesner als nahezu unbeteiligter Augenzeuge dar.

Seine Version lautete wie folgt: Während sie sich an diesem Samstagabend mit Schnaps betranken, habe das spätere Opfer seinen Mitbewohner wiederholt beleidigt. Zu einer Schlägerei sei es in seiner Wohnung zuerst aber nicht gekommen. Erst nachdem der Gast wegen seiner Alkoholisierung in die Badewanne fiel, sei die Situation eskaliert. Sein Mitbewohner habe ihn daraufhin immer wieder geschlagen. Um die Lage zu entspannen, habe man den Mann außer Haus gebracht – vergeblich. Er habe währenddessen immer versucht, den Angreifer in seiner Raserei zu stoppen. Auf die Frage von Richter Christoph Wiesner, warum er nicht einmal einen Rettungsdienst verständigt hat, antwortete der 37-Jährige: „Ich hatte Angst, dass mich mein Mitbewohner auch umbringt.“

Für die Staatsanwaltschaft stellt sich die Sachlage jedoch etwas anders dar. So sollen die beiden Männer im Laufe des Streits stillschweigend den Entschluss gefasst haben, den Mann zu töten, damit er niemanden von den Misshandlungen erzählen sollte, die sie ihm in der Stadtberger Wohnung beigebracht hatten. Dabei habe das Opfer immer wieder aufgrund der Schläge das Bewusstsein verloren – was die beiden anderen aber nicht davon abgehalten haben soll, sich in der Wohnung weiter zu betrinken. Für den Prozess sind sechs weitere Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil soll Mitte Januar fallen.

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