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Dinkelscherben/Ustersbach 

29.11.2019

Biber legt Stromversorgung lahm: Gibt es zu viele Biber im Augsburger Land?

Die Zahl der Biber im Augsburger Land wird derzeit auf bis zu 750 Exemplare geschätzt. Ein Biberrevier gibt es auch in der Nähe von Dinkelscherben.
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Die Zahl der Biber im Augsburger Land wird derzeit auf bis zu 750 Exemplare geschätzt. Ein Biberrevier gibt es auch in der Nähe von Dinkelscherben.
Foto: Felix Heyder, dpa (Archiv)

Plus Ein Nager bringt eine Birke zu Fall, die auf Stromleitung fällt. Deshalb ist zeitweise der Strom weg. Wann dürfen die Tiere abgeschossen werden?

Weil ein Biber einen Baum in der Nähe des Dinkelscherber Ortsteils Stadel angenagt hat, fiel heute morgen der Strom aus. Die angenagte Birke krachte am Donnerstagmorgen gegen 5.45 Uhr auf eine Mittelspannungsfreileitung südlich von Dinkelscherben.

Wie ein Sprecher der Lechwerke mitteilt, kam es in der Folge zu einem Stromausfall, der rund 1600 Haushalte in den Ortsteilen südlich von Dinkelscherben sowie Ustersbach mit Ortsteilen betraf. Schnell fiel den diensthabenden Ingenieuren der Lechwerke auf, dass etwas nicht stimmt. Vor Ort konnten sie die kleine Birke schnell entfernen.

Die Stromversorgung konnte ab 6.10 Uhr wieder hergestellt, erklärt der Sprecher der Lechwerke. Gegen 7 Uhr waren fast alle Haushalte wieder am Netz. Die Birke wurde aus der Leitung entfernt. Später am Vormittag musste die Freileitung bei Stadel noch einmal abgeschaltet werden, da vorsorglich noch eine ebenfalls stark vom Biber angenagte Eiche aus der Nähe der Leitung entfernt wurde.

Bäume und Sträucher werden regelmäßig entfernt

Derartige Pannen seien ein Ausnahmefall, erklärt der Sprecher der Lechwerke. Durchschnittlich sei ein Kunde der LEW im vergangenen Jahr etwa neun Minuten wegen Unfällen ohne Strom gewesen. Regelmäßig werde das Leitungsnetz kontrolliert. Bäume und Sträucher, die im Weg sind, werden jedes Jahr zurückgeschnitten. Das kostet jährlich mehr als zwei Millionen Euro im gesamten Netzgebiet.

Im Augsburger Land leben Schätzungen zufolge bis zu 750 Biber. Diese Zahl beruht auf einer Erhebung aus dem Jahr 2013. Ehrenamtliche Helfer kartierten damals rund 200 Reviere, die jeweils von drei bis vier Bibern bewohnt wurden.

Diese Zahlen haben sich nach Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde nicht wesentlich erhöht. Denn es gibt nur eine begrenzte Anzahl möglicher Lebensräume. Die Tiere brauchen bestimmte Voraussetzungen, um überhaupt in einem Gebiet leben und ein Revier gründen zu können. Grundvoraussetzung ist ein Gewässer, das ganz bestimmte Eigenschaften aufweisen muss. Im Landkreis Augsburg waren diese möglichen Reviere im Jahr 2013 bereits überwiegend bereits von Bibern bewohnt. Des Weiteren können in einem Biberrevier immer nur eine bestimmte Anzahl Tiere gleichzeitig leben, da ansonsten nicht genug Futter und Lebensraum vorhanden ist. Verstärkt sich die Anzahl der Tiere über die Maßen hinaus, reguliert sich diese Überpopulation durch zumeist tödlich verlaufende Revierkämpfe.

Am Donnerstagmorgen gegen 5.45 Uhr krachte diese Birke gegen eine Stromleitung. Es kam zu Stromasufällen in Dinkelscherben und Ustersbach.
Foto: Lechwerke AG

750 Biber im Augsburger Land

Die Rückkehr des Bibers nach Bayern gilt dem Bund Naturschutz als Paradebeispiel für die Wiedereinbürgerung eines schon ausgestorbenen Wildtiers. Aber es gibt auch immer wieder Klagen, wenn sich der Mensch und das streng geschützte Tier zu sehr ins Gehege kommen. In Ellgau zum Beispiel erteilte das Landratsamt Augsburg eine Fang- und Abschusserlaubnis, nachdem sich dort Waldbesitzer massiv beschwert hatten. In Biberbach klagte die Gemeinde in der Vergangenheit jährlich über Biberschäden in Höhe von mehreren Zehntausend Euro an Wegen und Dämmen und die steigende Hochwassergefahr durch die rege Bautätigkeit des Bibers.

Warum werden die Biber abgeschossen?

Die Erlaubnis zum Fang der Tiere wird jedoch laut Landratsamt nur erteilt, wenn die Gesundheit des Menschen beziehungsweise das natürliche Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten an den betroffenen Stellen in Gefahr sind. Ein weiterer Grund können hohe wirtschaftliche Schäden für die Land-, Forst- und Wasserwirtschaft sowie die Fischerei sein. Laut einem Verwaltungsgerichtsurteil kommt eine Abfanggenehmigung zudem nur in Frage, wenn zuvor andere Mittel wie Schutzgitter oder Elektrozäune versagt haben. Im Landkreis wurden in den vergangenen fünf Jahren an die zehn Fanggenehmigungen ausgesprochen. Sie beziehen sich immer auf ganze Reviere, das heißt: auch dorthin nachrückende Tier werden gejagt. Werde sie dabei in Fallen gefangen, werden sie nach Angaben des Landratsamtes am Ende ebenfalls erschossen, weil es keine Auffangstationen für die Tiere gibt.

Grundstücksbesitzer, die Probleme mit dem Biber haben, könne sich jederzeit vom hauptamtlichen Biberberater des Landratsamtes Augsburg helfen lassen. Des Weiteren können unter bestimmten Voraussetzungen Schäden durch Zahlungen aus dem Biberschadensfonds ausgeglichen werden.

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