Newsticker
Kanzlerin Merkel stellt sich hinter Armin Laschets Vorstoß für einen "Brücken-Lockdown"
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Bodybuilderin aus Zusmarshausen stand mit Schwarzenegger im Studio

Interview

28.01.2020

Bodybuilderin aus Zusmarshausen stand mit Schwarzenegger im Studio

Renate Holland (67) führt heute gemeinsam mit ihrem Lebenspartner sieben Fittnesstudios im Raum München. 
3 Bilder
Renate Holland (67) führt heute gemeinsam mit ihrem Lebenspartner sieben Fittnesstudios im Raum München. 
Foto: Lino Mirgeler/dpa

Plus Renate Holland war Weltmeisterin. Heute erzählt sie von ihrer Zeit mit Arnold Schwarzenegger. Und verrät, weshalb sie gegen Onlinebewertungen klagte.

In den 80er Jahren war Renate Holland Weltmeisterin im Bodybuilding. Heute führt die 67-Jährige mehrere Fitnessstudios. Schon als Kind in Zusmarshausen träumte sie davon, eines Tages berühmt zu werden. Heute lebt sie im Raum München. Im Gespräch verrät Holland, wie sie zusammen mit Arnold Schwarzenegger im Fitnessstudio war, wie es zu ihrem sportlichen Erfolgen kam und weshalb sie kürzlich das Online-Bewertungsportal Yelp verklagte.

Frau Holland, Sie melden sich gerade aus dem Krankenhaus. Haben Sie sich beim Training übernommen?

Renate Holland: Verschleiß, ja. Ich liege wegen einer Operation am Knie im Krankenhaus. So was passiert, wenn man viel trainiert.

Trainiert haben Sie in ihrem Leben sicherlich unzählige Male. Dabei haben Sie erst mit 30 Jahren mit dem Bodybuilding begonnen. Wenig später waren sie Weltmeisterin. Ein steiler Aufstieg.

Holland: Das stimmt. Um das zu verstehen, müssen wir aber noch ein paar Jahre zurückgehen. Aufgewachsen bin ich am Schlossberg in Zusmarshausen. Dort haben wir als Kinder immer gespielt. Eines Tages saß ich da und habe mir überlegt, was ich einmal werden möchte. Da habe ich zur mir gesagt: Ich will berühmt und erfolgreich sein, ich will einen Mann haben, der hinter mir steht und gesund bleiben.

Das alles ist in Erfüllung gegangen.

Holland: Ja, zum Glück. Ich bin dann mit Anfang 20 nach München gezogen. Wollte in die große Welt. Dort habe ich meine Leidenschaft fürs Rock‘n‘Roll-Tanzen entdeckt und war darin auch erfolgreich. Ins Fitnessstudio bin ich erst gegangen, nachdem ich zusammen mit meinem Bruder ein Restaurant eröffnet hatte.

Wieso?

Holland: Mein Bruder war ein großartiger Koch, das wurde mir zum Verhängnis. Denn ich habe in dieser Zeit ordentlich zugenommen. Das war schlimm für mich. Eine Freundin hat mich dann einmal mit ins Fitnessstudio genommen. Ich war sofort fasziniert, wie ich meinen Körper nur durch Training verändern kann. Dort habe ich dann Albert Busek kennengelernt, einen der frühen Förderer von Arnold Schwarzenegger. Er hat in mir ein großes Talent gesehen und mir einen Trainingsplan erstellt. Ein halbes Jahr später hatte ich meinen ersten Wettkampf – und wurde auf Anhieb bayerische Vizemeisterin im Bodybuilding. Von da an habe das Restaurant meinem Bruder überlassen und nur noch meine sportliche Karriere verfolgt.

Renate Holland war in den Jahren 1985 und 1986 Weltmeisterin im Bodybuilidng.
Foto: Renate Holland

Damals war es besonders als Frau sehr ungewöhnlich Bodybuilding zu betreiben. Wie hat ihr Umfeld reagiert?

Holland: Das stimmt, in den 80er Jahren waren Muskeln nicht beliebt. Die Leute machten lieber Aerobic, aber das war nicht meins. Anders als die Menschen auf der Straße stand mein näheres Umfeld aber immer hinter mir. Zu dieser Zeit waren muskulöse Frauen einfach ungewöhnlich, das galt als männlich. Für mich waren die Muskeln aber ästhetisch und ich habe mich gut gefühlt. Zum Glück hat sich dieses Bild von muskulösen Frauen mittlerweile verändert.

Woran liegt das?

Holland: Die Leute wollen fit sein und Muskeln aufbauen. Das hat sich verändert. Vor allem Frauen wollten früher nicht muskulös aussehen. Seit einigen Jahren gibt es aber ein ganz anderes Körperbewusstsein. Heute steht Muskelaufbau an erster Stelle.

1985 und 1986 waren Sie Weltmeisterin im Bodybuilding. Später waren Sie unter den Top Ten der Ms. Olympia Meisterschaften in New York. Das klingt nach einer aufregenden Zeit.

Holland: Ja, das war eine tolle Zeit mit vielen sportlichen Erfolgen. Vor allem bin ich aber dankbar, dass ich damals so viele bekannte und interessante Menschen kennenlernen dufte.

Können Sie Namen nennen?

Holland: Ich habe zum Beispiel Thomas Gottschalk einmal einen Preis als „Pfeifenraucher des Jahres“ verleihen dürfen. Ich stand mit Arnold Schwarzenegger im Fitnessstudio und durfte ihn auch zu Hause besuchen. Er war auch immer wieder in dem Fitnessstudio in München, in dem ich damals trainierte. Dazu gibt es eine Anekdote: Jeder große Athlet durfte sich in dem Studio mit einem Autogramm verewigen. Einmal war der berühmte Bodybuilder Franco Columbu und Arnold Schwarzenegger zu Gast. Arnold stieg auf eine Leiter und hat seine Unterschrift an riesengroß an die Wand geschrieben. Da rief Franco Columbo: Warum schreibst du so groß?“ Arnold blickte auf den deutlich kleineren Franco und meinte nur: „Schau dich an und dann schau mich an“. Das werde ich nie vergessen.

Mitte der 80er Jahre war Renate Holland (zweite von links) zu Besuch bei Arnold Schwarzenegger (dritter von links) in Los Angeles. Mit dabei war auch Harry Gelbfarb (rechts) der das erste Fitnessstudio Deutschlands gründete. 
Foto: Renate Holland

Heute sind sie erfolgreiche Unternehmerin und führen mehrere Fitnessstudios im Raum München. Wie kam es dazu?

Holland: Auf die Dauer kann man diesen Sport nicht auf dem hohen Niveau machen. Auch ich wurde älter. Zusammen mit meinem Lebensgefährten habe ich deshalb 2001 mein erstes Studio aufgemacht. Schnell folgte das zweite, dritte, vierte. Mittlerweile haben wir sieben Studios. Und der Fitness-Boom ist ungebrochen.

Arbeiten Sie noch im Studio?

Holland: Ich arbeite an den Studios. Lege viel Wert auf die Ausbildung der Mitarbeiter, das Marketing und an den Erfolg. Mein Ziel war es etwas aufzubauen und zu hinterlassen. Die Studios führe ich zusammen mit meinem Mann. Ansonsten engagiere ich mich stark für den Tierschutz. Bei mir selbst leben fünf kleine Hunde und sieben Katzen. Außerdem bin ich Vorsitzende von einem Gnadenhof für Katzen in Bad Veilnbach.

Zuletzt waren Sie auch überregional in den Schlagzeilen. Sie haben Yelp, eines der größten Bewertungsportale im Internet, verklagt. Wie kam es dazu?

Holland: Ich bin der Meinung, dass wir eine sehr gute Arbeit machen. Eines Tages sah ich, dass wir bei den Onlinebewertungen plötzlich im Schnitt nur noch zwei Sterne hatten. Viele positive Bewertungen wurden jedoch bei der Gesamtnote nicht mitberücksichtigt. Sie wurden von einer Software automatisch aussortiert. Die schlechten Bewertungen fanden allerdings größeren Einfluss. Dagegen wollte ich mich wehren. Letztlich ist die Klage vom Bundesgerichtshof allerdings abgewiesen worden. Das Portal erklärte, die Bewertungen würden von einem Algorithmus gewichtet – daraus ergebe sich die Durchschnittsnote.

Holland: Ja, leider. Es geht mir nicht darum, dass wir nicht bewertet werden wollen. Es ist aber schlicht unfair, wenn nicht alle Bewertungen ins Ergebnis einfließen. Durch das Urteil kann Yelp weiter gute Bewertungen ausfiltern. Das ist einfach unfair.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren