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27.06.2014

Brände schweißen die Bewohner zusammen

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Die Einwohner von Katzenlohe haben schon viel gemeinsam durchgemacht und überstanden. Das stärkt die Gemeinschaft: Vier der neun Familien fahren inzwischen sogar zusammen in den Urlaub/

Auf Samtpfoten schleichen sie über die Höfe und tappen in die Fußstapfen ihrer Vorfahren. Einer Chronik zufolge bedeutet der Name Katzenlohe in der wörtlichen Übersetzung „Siedlung am Katzenholz, wo Wildkatzen hausten“. Wildkatzen gibt es auf den Höfen heute zwar keine mehr, dafür aber andere tierische Gäste. „Heute beobachten wir manchmal die Rehe, die am Waldrand auftauchen“, erzählt Elisabeth Zoller, die vor 39 Jahren der Liebe wegen nach Katzenlohe zog. Allein der Zoller-Hof, auf dem sie mit ihrem Mann, seinen zwei Brüdern und deren Familien lebt, umfasst 20 Hektar Land.

Daneben gehören noch weitere große Höfe - wie der Schweinberger-Hof und der Fleiner-Hof - zum Weiler Katzenlohe. Insgesamt neun Familien leben heute dort. „Seit drei Jahren fahren vier Katzenloher Familien regelmäßig gemeinsam in den Urlaub“, berichtet Ivo Zoller, der Schwager von Elisabeth Zoller. Die Freundschaft der Einwohner habe mit den Bränden – und mit dem gemeinsamen Wiederaufbau 1962 und 1980 – stark zugenommen. Und auch die Kinder auf den Höfen schweißten die Bewohner zusammen. „In einem Jahr gingen mehr Kinder aus Katzenlohe zur Schule als aus dem Kutzenhauser Ortsteil Maingründel“, erinnert sich Elisabeth Zoller.

Familien organisierten gemeinsam Fahrten zur Schule

Gemeinsam mussten die Familien in Katzenlohe dann die Fahrt zum Kindergarten und zur Schule organisieren. Leicht hatten es die Kinder in der Schule allerdings nicht. „In der Grundschule wurden wir gehänselt, weil wir auf dem Weiler lebten“, erinnert sich Maria Zoller. Ihr Vater, Ivo Zoller, einer der drei Zoller-Brüder bestätigt: „Das war schon so, als wir noch Kinder waren. Aber wenn es Ärger gab, haben wir unsere Mitschüler dann eben zu dritt aufgemischt.“

Manchmal fühlen sich die Katzenloher noch heute wie die „Stiefkinder“ von Kutzenhausen. Bewilligungen seien oft schwierig zu bekommen oder langwierig. Und auch der Nachwuchs habe es nicht leicht, sich in Katzenlohe niederzulassen. So war der Weg zur Baugenehmigung für die Tochter von Franz und Christine Fleiner nicht einfach, letztendlich aber erfolgreich. „Es gibt Bestimmungen des Landratsamtes, nach denen genau berechnet wird, ob ein neues Haus gebaut werden darf“, erklärt Franz Fleiner. Schade sei nur, dass damit oft die eigenen Kinder zum Wegzug gezwungen werden. An Fremde würde man ja ohnehin keine Bauplätze vergeben – „und das, obwohl viele Privatleute nachfragen“, erklärt Ivo Zoller.

Verdenken kann man es den Interessenten nicht, fühlt man sich in Katzenlohe doch ein bisschen wie im Urlaub und erlebt dabei nahezu grenzenlose Freiheit. „Zeitweise kann ich von meinem Schlafzimmer aus bis nach Oberschönefeld sehen“, schwärmt Elisabeth Schweinberger. Der Blick in die weite Landschaft ist unverbaut und nur selten findet man Zäune im Weiler. Maria Zoller, die heute in Kutzenhausen lebt, kennt den Unterschied: „Hier in Katzenlohe interessiert es keinen, wann man Staub saugt. Im Dorf ist das schon anders.“ Als Kind genoss sie es, mit ihren Geschwistern die Natur zu erleben.

Ein typischer Weiler ist Katzenlohe allerdings nicht. Nicht nur, weil die Höfe recht verstreut liegen. Auch eine Kapelle gibt es nicht mehr im Ort. Die Kapelle Unseres Herren Ruhe, die zwischen dem Fleiner und dem Schweinberger-Hof stand, zerfiel zusehends. „Deshalb mussten wir sie abreißen“, erinnert sich Josef Schweinberger zurück an das Jahr 1967. Lange wurde überlegt, ob eine neue gebaut werden sollte. Doch man entschied sich für ein großes Kreuz, welches statt einer neuen Kapelle aufgestellt wurde. Nicht abgerissen, sondern in 146 Stunden freiwilliger Arbeit wieder aufgebaut wurde hingegen der Bildstock des heiligen Johannes Nepomuk, der südlich des Weilers zu finden ist und an dem sicherlich die Ureinwohner Katzenlohes regelmäßig auf ihren Samtpfoten vorbeischleichen.

Im nächsten Teil unserer Weiler-Serie sind wir in Kleinried bei Zusmarshausen zu Besuch.

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