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Diedorf/Landkreis Augsburg

29.01.2020

Bröckelt im Augsburger Land die Einheit fürs Dritte Gleis?

Bis 2025 will die Bahn so weit sein, ein Gesetz zur weiteren Entwicklung der Strecke im Bundestag verabschieden lassen zu können.
Foto: Marcus Merk

Plus Am Montag sollen sich 13 Kommunen hinter einen Beschluss des Kreistags stellen. Doch eine von ihnen hat schon abgelehnt. Für sie ist Anderes wichtiger.

Was Landrat Martin Sailer mit dieser Veranstaltung bezwecken möchte, steht klar in der Einladung. Wenn am kommenden Montag, 3. Februar, 13 Gemeinde- und Stadträte zu einer Konferenz in der Stadthalle Neusäß zusammenkommen, dann soll am Ende eine starke Aussage stehen, ein geschlossenes Signal für die schnellstmögliche Erweiterung der Bahnlinie zwischen Augsburg und Dinkelscherben gemäß dem Bundesverkehrswegeplan 2030 in Form einer einheitlichen Beschlussfassung.

Wie dieser Beschluss aussehen soll, steht auch schon fest: Die Gemeinde- und Stadträte sollen sich der Resolution des Kreistags vom vergangenen Sommer anschließen. Eine wesentliche Aussage von Landrat Martin Sailer damals: Die Region müsse Geschlossenheit demonstrieren und jede Trassendiskussion vermeiden. Sailer plädierte dafür, zwischen Augsburg und Dinkelscherben frühzeitig abschnittsweise loszulegen, selbst wenn der weitere Verlauf der Strecke nach Dinkelscherben noch nicht feststehen sollte. Er verwies auf die Bedeutung der Bahnstrecken als Rückgrat für den öffentlichen Nahverkehr. Bis 2025 will die Bahn so weit sein, ein Gesetz zur weiteren Entwicklung der Strecke im Bundestag verabschieden lassen zu können.

Diedorf hat seit gut zwei Monaten einen eigenen Beschluss

Das ist auch der Punkt, an dem die Marktgemeinde Diedorf nun nicht mehr mitziehen möchte und sich bereits auf der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend dafür ausgesprochen hat, über diese Resolution nicht abzustimmen. Denn die Marktgemeinde hat seit gut zwei Monaten einen eigenen Beschluss zu dem Thema, der inzwischen auch an die Bahn und das Verkehrsministerium geschickt wurde, wie Bürgermeister Peter Högg informierte. Und der Inhalt des einstimmigen Beschlusses ist ein anderer als jener in der Kreistagsresolution.

Zum einen möchte Diedorf, dass die neue Schnellzugtrasse nicht erst 2025, sondern bereits 2021 feststeht. Und zum anderen sieht der Diedorfer Beschluss die „schnellstmögliche Umsetzung“ des Ausbaus der Bahnstrecke vor, was aber nicht unbedingt ein Drittes Gleis zwischen Augsburg und Dinkelscherben bedeuten müsse. Wie mehrfach berichtet, sprechen sich unter anderem die IHK Schwaben und Bundestagsabgeordneter Volker Ullrich für einen anderen Weg aus, nämlich eine neue Schnellzugtrasse entlang der Autobahn.

Nur vier Kommunen sind wirklich Anlieger an der Bahnstrecke

Hier setzte bei der Diskussion am Dienstagabend auch Gemeinderat Georg Platzer-Strehler (WfD) an: „Als Sitzung ist das grenzwertig. Es ist ja keine wirkliche Diskussion geplant. Und es sind ja auch keine anderen Sprecher da. Immerhin geht es um eine Strecke, die vielleicht 100 Jahre Bestand haben soll.“ Sein Fraktionskollege Helmut Schalk wunderte sich, dass 13 Kommunen an der Konferenz teilnehmen sollen, aber nur vier davon wirklich Anlieger an der Bahnstrecke sind – mit eventuell anderen Bedürfnissen als der Rest des Landkreises. Stefan Mittermeier (CSU) machte noch einmal deutlich, dass man beim ursprünglichen Beschluss der Gemeinde bleiben sollte – immerhin habe man den ausführlich diskutiert. So will sich Diedorf nun auch auf der Konferenz am kommenden Montag präsentieren.

Bereits vor wenigen Tagen hatte sich der Gemeinderat Ustersbach mit der Konferenz befasst. Auch dort hatten eine ganze Reihe von Gemeinderäten mehr Informationen gefordert. „Uns fehlen fundierte Angaben über die Vor- und Nachteile der beiden ins Auge gefassten Streckenvarianten“, hatte Dritte Bürgermeisterin Anja Völk damals gesagt. Die dortigen Gemeinderäte hofften auf Referenten in Neusäß. Zudem sei für die Gemeinde wesentlich, dass der Bahnhof Mödishofen reaktiviert würde.

Die Reaktivierung der Staudenbahn soll erhalten bleiben

Auch in Fischach war die Konferenz am Dienstagabend Thema auf der Gemeinderatssitzung. Der Tenor dort: Grundsätzlich könne man sich der Resolution des Kreistags anschließen, aber nur, solange sich die Voraussetzungen nicht änderten. „Für uns ist vor allem die Einhaltung der geplanten 27 Minuten Fahrzeit von Augsburg nach Ulm wichtig“, so Bürgermeister Peter Ziegelmeier nach der Sitzung. Und auch, dass der Reaktivierung der Staudenbahn alle Möglichkeiten erhalten blieben. (mit cf, rusi, karrt)

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29.01.2020

Es bröckelt die Zustimmung für einen unsinnigen 1-gleisigen Regionalbahnverkehr im westlichen Umland, der auch für ICE und Güterverkehr nicht wirkliche Vorteile bietet. Und diese bröckelnde Zustimmung ist eine gute Entwicklung!

>> „Für uns ist vor allem die Einhaltung der geplanten 27 Minuten Fahrzeit von Augsburg nach Ulm wichtig“, so Bürgermeister Peter Ziegelmeier nach der Sitzung. Und auch, dass der Reaktivierung der Staudenbahn alle Möglichkeiten erhalten blieben. <<

Ja, der Fischacher Bürgermeister hat die wichtigen Rahmenbedingungen erkannt!

Landrat Sailer sollte den Bürgermeistern einfach einen Fahrplanentwurf für die von ihm bevorzugten 3 Gleise vorlegen, der auf Basis des Deutschlandtaktes mindestens das heutige Regionalbahnangebot mit einer Reaktivierung der Staudenbahn ermöglicht.

Die Staudenbahn braucht entweder eigene Timeslots zur Durchfahrt bis zum Hauptbahnhof, oder im Fall von in Gessertshausen erforderlichen Umstiegen eine gut geplante zuverlässige Umsteigesituation sowohl in baulicher als auch fahrplantechnischer Hinsicht.

Herr Sailer gehört bislang zu den Politikern, die Schieneninfrastruktur nach dem Gefühl eines Autofahrers festlegen (3 Gleise) und nicht vom gewünschten Angebot (Taktverkehr + Reaktivierung Staudenbahn) die Infrastruktur ableiten und planen lassen.

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