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Landkreis Augsburg

17.10.2017

Bürger sollen kaputte Biotonnen selber reparieren

Die Tonne ist voll. Aber wie viel wiegt der Inhalt? (Archivfoto)
Bild: Marcus Merk

Die Politik beschließt neue Regeln, wann die Biotonne kostenfrei getauscht wird. Ein Passus sorgt für Diskussionen.

Bergeweise feuchtes Laub und Fallobst satt: Der Herbst gehört zu den Zeiten, in denen es die Besitzer von braunen Biotonnen besonders schwer haben. Denn immer mehr Gefäße gehen unter der Dauerbelastung aus dem Leim und das war bislang zunächst ein Problem für die Besitzer. Sie mussten beweisen, dass sie nichts falsch gemacht haben – oder für eine neue Biotonne bezahlen. Diese Regelung gehört seit gestern der Vergangenheit an.

In Augsburg hat der Werkausschuss des Kreistags eine Änderung der bisherigen Praxis beschlossen. Weil die rund 65000 braunen Tonnen im Landkreis in der Mehrzahl inzwischen schon fünf Jahre auf dem Buckel haben, werden sie im Schadensfall kostenlos ausgetauscht – außer ihr Besitzer hat die Tonne grob fahrlässig malträtiert, indem er zum Beispiel heiße Asche eingefüllt hat.

Wie mehrfach berichtet, hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Biotonnen schlapp gemacht, weil sie mit den Massen nicht zurecht kamen. Zuerst brachen Achsen und Räder, später zeigten Kammleisten und schließlich der Corpus Risse. Die Tonne war hin. Der Abfallwirtschaftsbetrieb rief die Bürger zunächst auf, die Gefäße nicht zu überladen und notfalls zu wiegen, später nahmen Sachverständige sie unter die Lupe.

Die Experten kamen zwar zu dem Schluss, dass die Tonnen in Ordnung seien, doch der Ärger nahm kein Ende. Mehrere hundert defekte Tonnen dürften noch in den Haushalten stehen, schätzte der Abfallwirtschaftsbetrieb im Sommer. Damals wurden in Schwabmünchen Unterschriften für einen kostenlosen Tonnentausch gesammelt.

Der soll jetzt kommen – zumindest fast. Nach dem gestrigen Beschluss werden defekte Tonnen aus dem Verkehr gezogen, wenn die Abfuhrunternehmen mitteile, dass eine gefahrlose Leerung nicht mehr möglich ist, weil die Tonne zum Beispiel mitten im Entleervorgang auseinander bricht.

Zudem bietet der Landkreis seinen Bürgern an, dass sie die Tonnen selbst reparieren können. Dazu will der Abfallwirtschaftsbetrieb Ende November drei Kurse anbieten, zudem soll ein Demonstrationsvideo ins Internet gestellt werden. Mit dem Aufruf zur Reparatur in Eigenregie soll erreicht werden, dass die Tonnen, die kostenlos zur Verfügung gestellt worden sind, möglichst lange gebrauchsfähig bleiben.

Im Werkausschuss war dieser Punkt umstritten. Für die CSU begrüßte ihn Lorenz Müller als Beitrag, um mit dem Geld der Gebührenzahler sparsam umzugehen. Peter Kraus (Freie Wähler) sprach von einer „pragmatischen Lösung“ während Bernhard Walter (SPD) einen „gangbaren Weg“ sah. Gerechter wäre es die Tonnen bei der Abfuhr zu wiegen und so gewichtssünder auszusortieren. Doch das sei zu teuer, sagte Walter

Deutliche Kritik an den Reparaturen Marke Eigenbau kam von hannes Grönninger (Grüne). „Davor kann ich nur warnen.“ Wer hafte, wenn es hernach zu Schäden komme? Die Reparatur sei kein Muss, sonder nur ein Angebot, versuchte die Verwaltung Befürchtungen zu zerstreuen. Den rund 100 Unterzeichnern, die bislang den kostenlosen Tonnentausch gefordert haben, geht das jetzige Angebot möglicherweise noch nicht weit genug. Vor allem der Aufruf zur Reparatur scheint sie zu irritieren. Ihr Sprecher Josef Gegenfurter: „Eigentlich müsste es so sein: Wenn die Tonne kaputt ist, ruft man an und es kommt jemand, der sie ohne Wenn und Aber tauscht.“

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