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Horgau

13.09.2017

Bürgerentscheid: Es geht um ein neues Wohnquartier

So soll das neue Wohnquartier einmal aussehen. Die Animation zeigt den Blick von der Greuter Straße auf die Häuser 1 bis 3. Insgesamt sollen sieben Mehrfamilienhäuser, Betreutes Wohnen und sechs Reihenhäuser entstehen.
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So soll das neue Wohnquartier einmal aussehen. Die Animation zeigt den Blick von der Greuter Straße auf die Häuser 1 bis 3. Insgesamt sollen sieben Mehrfamilienhäuser, Betreutes Wohnen und sechs Reihenhäuser entstehen.
Bild: Gregor Deurer GmbH & Co.KG

Etwa 2100 Horgauer dürfen am Sonntag, 24. September, über die Zukunft des Geländes an der Greuter Straße abstimmen. Was dort geplant ist und was Befürworter und Gegner sagen.

Am 24. September stimmen die Horgauer über die Zukunft einer 1,7 Hektar großen Fläche in Horgauergreut ab. Früher war dies einmal eine Hofstelle. Der Bauernhof stand mehrere Jahre leer, der größte Teil des Areals wird als Feld bewirtschaftet. 2016 hat das Augsburger Bauunternehmen Deurer das Grundstück gekauft. Es plant dort ein neues Wohnquartier. Die alten Gebäude sind mittlerweile abgerissen. Der Investor will auf dem Areal neun Wohnblöcke und sechs Reihenhäuser bauen – mit insgesamt etwa 85 Wohneinheiten. Doch dagegen regte sich Widerstand. Eine Bürgerinitiative sammelte Unterschriften – im Bürgerentscheid will sie den Bebauungsplan stoppen. Ihre Hauptargumente: Es seien zu viele und zu hohe Gebäude.

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Markus Deurer, Geschäftsführer des gleichnamigen Bauunternehmens, kann das nicht nachvollziehen. Anhand einer Animation, die die Gebäude von der Greuter Straße aus zeigt, erklärt er: Vorgesehen sind Mehrfamilienhäuser mit Erdgeschoss, Obergeschoss und ausgebautem Dachgeschoss sowie Mehrfamilienhäuser mit Erdgeschoss, erstem und zweitem Stock. „Sie wären ungefähr gleich hoch wie der Bauernhof, der dort einmal stand“, sagt er. Im Bebauungsplan ist an dieser Stelle eine Oberkante von maximal 13 Metern vorgesehen. Im Westen des Geländes Richtung Kirchstraße sind sechs Reihenhäuser geplant – mit einer Oberkante von höchstens 8,5 Metern.

In dem neuen Quartier sollen ganz unterschiedliche Menschen zusammenleben, sagt Deurer: Familien, Alleinerziehende mit Kindern, Singles, Senioren, Menschen mit und ohne Behinderung, mit und ohne Migrationshintergrund. Alle Wohnungen sind barrierefrei und mit Aufzug, auch die Außenanlagen werden mit Kinderwagen, Rollator und Rollstuhl befahrbar sein. Deurer betont, dass auch auf dem Land der Bedarf an Mietwohnungen hoch sei. Zum Beispiel für junge Familien, die sich kein eigenes Haus leisten können; oder Senioren, denen ihr Haus zu groß geworden ist. Oft bleibe ihnen nichts anderes übrig, als in die Stadt zu ziehen. „Aber das ist doch unsinnig: In der Stadt steigen die Mieten, auf dem Land ist Platz.“

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Wie die Bewohner sollen auch die Unterkünfte auf dem Areal bunt gemischt sein, vom Ein-Zimmer-Appartement bis zur Vier-Zimmer-Wohnung. Etwa die Hälfte der Wohnungen soll öffentlich gefördert sein. Das heißt: Deurer bekommt dafür staatliche Zuschüsse, verpflichtet sich aber im Gegenzug, die Wohnungen 25 Jahre lang an Menschen mit Berechtigungsschein zu vermieten. „Im Grundbuch wird festgehalten, welche Wohnung ich an welche Einkommensstufen vermieten muss“, erklärt er. Das Landratsamt vergibt in Absprache mit dem Eigentümer die Wohnungen, die Mieter bekommen je nach Einkommen unterschiedlich hohe Zuschüsse. Deurer betont aber: „Das wird kein Hotspot für Geringverdiener.“ Jede Wohnung sei gleich ausgestattet; von außen sei nicht erkennbar, wer welche Unterstützung bekomme.

Im ersten Bauabschnitt sollen die Häuser 1 bis 4 – das sind diejenigen, die am nächsten an der Greuter Straße liegen – mit etwa 40 geförderten Wohnungen und einer Tiefgarage entstehen. Im Haus 3 soll auch die Trauminsel einziehen, ein Wohnprojekt für sieben Schwerstbehinderte. Wenn das Bürgerbegehren scheitert und der Bebauungsplan durchgeht, dann könnten die Arbeiten für diese vier Häuser im Sommer 2018 beginnen. Im zweiten Bauabschnitt will Deurer im Süden des Areals ein Betreutes Wohnen bauen. Später sollen weitere Mehrfamilien- und Reihenhäuser sowie ein Parkhaus folgen. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben etwa 1000 Wohnungen in Stadt und Landkreis Augsburg hat, will in Horgau alle Wohnungen und Häuser im eigenen Besitz behalten und vermieten, erklärt Deurer: „Wir haben also selbst ein Interesse daran, dass das gut funktioniert.“

Das sagt die Bürgerinitiative:

Was stört Sie an den Plänen für die Bebauung?

Bürgerinitiative: In erster Linie stört uns die Anzahl von neun massiven Wohnblöcken, wobei hier Länge, Breite und Höhe der Gebäude nicht annähernd an die ortsübliche Bebauung angepasst wurden. Des Weiteren werden Horgauer Urgesteine (in direkter Nachbarschaft) mit ihren Anliegen/Einwänden vom Gemeinderat/Bürgermeister einfach ignoriert. Im Vorfeld fand kein einziges konstruktives Gespräch am runden Tisch statt. Das hätte schon allein der Anstand verlangt, vor allem bei einer solch großen Wohnanlage (circa 85 Wohneinheiten)!

Was sollte Ihrer Vorstellung nach aus dem Areal zwischen Greuter Straße und Kirchstraße werden?

Bürgerinitiative: Bebauung der Hofstelle mit zwei bis drei Häusern (max. zwei Geschosse) mit etwa sechs bis acht Wohneinheiten. Die landwirtschaftliche Nutzfläche sollte unbebaut bleiben, weil hier eine zweite Zufahrt zu diesem Gelände fehlt. Zusätzlich scheint selbst der Gemeinderat sich einig zu sein, dass eine Ausweisung als normales Wohngebiet sehr problematisch ist (der Gemeinderat hat auf das eigentlich übliche „Bauland in Gemeindehand“ verzichtet), weil der Baugrund so schlecht ist. So könnte dem Flächenfraß in Horgau entgegengewirkt werden und wie bisher diese Teilfläche landwirtschaftlich genutzt werden.

Wie geht es für Sie weiter, wenn Sie mit Ihrem Anliegen beim Bürgerentscheid Erfolg haben?

Bürgerinitiative: Wir werden abwarten und sehen, was dann passiert. Unsere Erwartung ist, dass der Gemeinderat uns Anlieger und alle interessierten Bürger an einen runden Tisch holt, um hier nach einer guten Lösung für alle zu suchen! Man sollte sich auch mal Gedanken über die Einführung eines „Arbeitskreises“ bei solch großen Projekten machen (wie in anderen Gemeinden bereits üblich).

Wie geht es für Sie weiter, wenn Sie mit Ihrem Anliegen beim Bürgerentscheid scheitern?

Bürgerinitiative: In diesem Fall ist die Meinung der Dorfbewohner zu akzeptieren. Leider bekommt die Firma Deurer somit Baurecht für das gesamte Areal, dies bedeutet einen „Freifahrtschein“ für die komplette Bebauung. Vielleicht versuchen wir noch in einem weiteren Gespräch mit dem Investor, eine für uns akzeptablere Lösung zu bekommen. Außerdem werden wir die Kommunalpolitik kritisch verfolgen und uns ggf. demokratisch, also in Form eines Bürgerbegehrens, wehren.

(Für die Bürgerinitiative haben Sonja Grolig, Marlene Seibold und Siegfried Schmid unsere Fragen beantwortet.)

Das sagt Bürgermeister Thomas Hafner:

Welche Vorteile hat die geplante Bebauung für Horgau?

Thomas Hafner: Der Gemeinderat hat sich einstimmig für dieses Wohnprojekt ausgesprochen, da damit ein wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit von Horgau realisiert werden kann. Hier wird ein dringend benötigtes, bisher nicht vorhandenes Angebot an barrierefreiem Mietwohnraum für alle Bevölkerungsschichten sowie Praxen und Wohngruppen geschaffen. Weitere Gründe sind:

- Umweltpolitisch und energietechnisch sinnvolle Nachverdichtung im Ortszentrum ohne zusätzlichen Landverbrauch am Ortsrand.

- Bessere Ausnutzung und Wirtschaftlichkeit der vorhandenen Infrastruktur (Wasser, Kanal, Straßen etc.), davon profitieren alle Nutzer dieser Einrichtungen durch die Verteilung der in den kommenden Jahren anfallenden Sanierungskosten auf mehr „Schultern“.

- Belebung des Ortskerns für ein lebendiges Dorf in Zukunft.

- Verhinderung der Abwanderung von Senioren und jungen Leuten aufgrund fehlenden Wohnraumangebots.

- Dorfgerechte und attraktive Bebauung einer schwierig zu erschließenden Baulücke.

- Für die Gemeinde kostenlose Erschließung wertvoller Bauflächen.

- Mehrgenerationenwohnen, betreutes Wohnen und Familienwohnungen werden möglich.

- Angebote an Räumlichkeiten für ärztliche Versorgung, Wohngruppen.

- Verbesserung der Erschließung durch Fußwegeverbindungen und Kanalentlastung.

- Steigerung der Attraktivität Horgaus für Einzelhandel und Gewerbetreibende.

- Schaffung von bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum für das Bevölkerungswachstum in unserer Region.

Die Bürgerinitiative kritisiert, dass die Gemeinde keinen Einfluss darauf hat, wer in die neue Wohnanlage zieht, ob sie also tatsächlich integrativ und sozial gefördert wird. Was sagen Sie dazu?

Hafner: Das ist grundsätzlich richtig, da es sich um eine private Wohnanlage handelt und die Gemeinde nicht der Investor ist. Allerdings ist die Gemeinde in die Verhandlungen mit der Regierung, dem Landratsamt und den Trägern der freien Wohlfahrtspflege mit eingebunden und hat auch aufgrund der Seriosität des über 160 Jahre alten Bauunternehmens Deurer keinen Zweifel an der Konzeption der Planung. Im Übrigen werden nur etwa 50 Prozent der Wohnungen sozial gefördert. Die Wohnanlage bleibt komplett im Eigentum der Firma Deurer, die sich um alle Belange kümmert und als Ansprechpartnerin dauerhaft zur Verfügung steht.

Wie geht es weiter, wenn die Bürgerinitiative mit ihrem Anliegen Erfolg hat?

Hafner: Dann wird die Bauleitplanung natürlich gestoppt und die Grundstückseigentümerin muss sich überlegen, ob und was sie in Horgau noch investieren möchte. Dies wäre meiner Meinung nach ein schlechtes Signal für die künftige Entwicklung Horgaus.

Wie geht es weiter, wenn die Bürgerinitiative mit ihrem Anliegen scheitert und das Ratsbegehren Erfolg hat?

Hafner: Dann wird der Bebauungsplan, vorausgesetzt das Verfahren kann erfolgreich abgeschlossen werden, in Kraft gesetzt und der Bauwerber kann entsprechend dieser klaren Vorgaben Bauanträge einreichen und nach Genehmigung seine Bebauung umsetzen. Mit dem ersten Bauabschnitt könnte bereits 2018 begonnen werden und die ersten Bewohner könnten Ende 2019 einziehen.

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