Newsticker

Personenschützer mit Corona infiziert: Heiko Maas in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Bürgermeisterin jahrelang bedroht: Anfeindungen sorgen für Aufruhr

Kutzenhausen

08.11.2016

Bürgermeisterin jahrelang bedroht: Anfeindungen sorgen für Aufruhr

Fassungslos schaut Bürgermeisterin Silvia Kugelmann auf die Post, die sie immer wieder erhält. Von anonymen Absendern wird sie bedroht und beleidigt.
Bild: Marcus Merk

Nägel im Reifen, Kot auf dem Auto, Hassbriefe: Jahrelang wurde die Kutzenhausener Bürgermeisterin Silvia Kugelmann anonym bedroht und angefeindet. Die Motive der Täter.

Erst vor wenigen Tagen hatte Silvia Kugelmann die Angriffe auf ihre Person öffentlich gemacht. Seit Jahren wird die Bürgermeisterin von Kutzenhausen immer wieder bedroht und angefeindet. Seitdem ist die Bestürzung im Landkreis groß. Viele Menschen haben Kugelmann ihre Unterstützung zugesagt.

Amtskollegen verurteilen die Taten auf das Schärfste und Landrat Martin Sailer spricht von „unhaltbaren Zuständen“ in Kutzenhausen. Am Montagabend brachte die Bürgermeisterin die Vorfälle im Gemeinderat auf den Tisch. „Es reicht“, verlas sie in einer Stellungnahme.

Die Attacken reichten von anonymen Hassbriefen bis hin zu Nägeln in den Autoreifen, berichtete sie. Zuletzt sei ihr Wagen mit Hundekot besudelt worden. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen.

Bürgermeisterin jahrelang bedroht: Anfeindungen sorgen für Aufruhr

Kugelmann wollte die Gemeinde schützen

Bewusst habe sie die Öffentlichkeit erst jetzt über die Bedrohungen informiert, erklärte Kugelmann. In erster Linie, um die Gemeinde zu schützen, sagte die 50-Jährige. „Ich wollte keine Plattform für diese Art des Terrors bieten“, sagte Kugelmann.

Wohl aber auch, weil nicht mehr nur die Bürgermeisterin zur Zielscheibe wird. „Ein Teil des Gemeinderates und deren Familie wurde konkret bedroht“, sagt Kugelmann. Die Rede sei auch hier von anonymen Drohbriefen. Zum Schutz der Personen werde man keine Angaben zu deren Namen machen, erklärte Kugelmann.

Gemeinde nicht erpressbar machen

Der Weg an die Öffentlichkeit sei damit unumgänglich gewesen. „Es kann nicht sein, dass Gewalt ein Mittel ist, um Einfluss auf die Gemeindepolitik und Entscheidungen des Gremiums und der Bürgermeisterin zu erzwingen.“ Die Gemeinde dürfe nicht erpressbar gemacht werden, betonte sie und appellierte gleichzeitig an die Unterstützung ihres Gemeinderats.

Aus den Reihen der Volksvertreter wollte sich in der öffentlichen Sitzung zunächst niemand äußern. Nachdem Kugelmann ihre Stellungnahme beendet hatte, herrschte für einen langen Moment betretenes Schweigen im Saal. Weil keiner etwas sagte, ging die Bürgermeisterin zur Tagesordnung über. Erst zum Ende der Sitzung kochte das Thema wieder hoch.

Der zweite Bürgermeister Rupert Kugelbrey von der Wählergruppe Unabhängigen Gesamtgemeinde wie Kugelmann, äußerte einen Appell: „Der Gemeinderat und alle Bürgerinnen und Bürger sollten sich jetzt hinter die Bürgermeisterin stellen“, sagte er und forderte die Ratskollegen auf, Stellung zu beziehen und sich öffentlich zu äußern. „Ich hätte erwartet, dass der Gemeinderat was sagt und nicht auf eine Aufforderung wartet“, so Kugelbrey.

Es folgten Erklärungsversuche. Man habe schlichtweg nichts mitbekommen und erst vor wenigen Tagen von den Bedrohungen erfahren, hieß es. „Mir war davon nichts bekannt“, sagte Irene Rößle (Freie Wähler Rommelsried). Auch Georg Rapp (Freie Wählerschaft Kutzenhausen) sagte, er habe von Drohbriefen an die Bürgermeisterin nichts gewusst.

Auto mit Kot beschmiert - Gemeinderäte hörten nur Gerüchte

Die Sache mit dem Kot beschmierten Auto habe er nur als Gerücht gehört. Kugelbrey: „Ich hätte mir gewünscht, dass einige das aktive Wort ergreifen.“ Man müsse sich schließlich zusammen dagegen wehren. „Ich kann nicht glauben, dass über die vielen Jahre keiner etwas mitbekommen haben will“, sagte die Bürgermeisterin.

Rudolf Kaiser (CSU/Unabhängige Bürger) wünscht sich in Zukunft präzisere Informationen, wenn die Bürgermeisterin oder jemand anders bedroht werde. Schließlich könne der Gemeinderat „solche Dinge nicht riechen“.

Erst in der nicht-öffentlichen Sitzung hat der Gemeinderat eine Stellungnahme formuliert. Darin heißt es, man verurteile die Bedrohungen und Beleidigungen auf die Bürgermeisterin, die gewählten politischen Vertreter und die Verwaltung. Der Rat unterstütze „alle ordentlichen Mittel und Wege, um die Vorfälle aufzuklären“ und bittet die Bevölkerung um Mithilfe.

Außerdem werde der Gemeinderat „feige und hinterlistig durchgeführte Aktionen in keinster Weise und zu keiner Zeit als Mittel der Beeinflussung akzeptieren“, heißt es in der Stellungnahme, die alle Gemeinderäte unterzeichnet haben.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren