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Kreis Augsburg

13.11.2013

Burgturm wird Klo: 30 Meter hohe Toiletten-Werbung empört Bürger

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2 Bilder
Der Schreinerturm im Biberbacher Ortsteil Markt mit und ohne Werbeverkleidung.
Bild: Marcus Merk

Umstrittene Werbeaktion: Ein Turm der Burg im Biberbacher Ortsteil Markt ist derzeit als mobiles Klo verkleidet. Das gefällt nicht jedem.

Die Gemeinde Biberbach ist stolz: Einzigartig sei das Ortsbild des Ortsteils Markt, steht auf ihrer Homepage, weithin sichtbar die „romantische Burganlage“. Wer derzeit auf der B2 an Biberbach vorbeifährt und einen Blick auf die Burg wirft, sollte allerdings aufpassen, dass er vor Überraschung nicht das Lenkrad verreißt: Statt der romantischen Anlage schaut er nämlich ganz unromantisch auf ein riesiges Toilettenhäuschen.

Der Unternehmer Heinz Mannert lässt den großen Turm der Burg sanieren – damit er 2014 in neuer Pracht erstrahlt. Dann ist 500. Jahrestag eines besonderen Ereignisses: Jakob Fugger, bedeutendster Geschäftsmann seiner Zeit, kaufte 1514 die Burg von Markt. Mannert gehört heute nicht nur ein Teil der Burg nebst Turm, sondern auch eine ganze Reihe von Firmen.

Unternehmen nutzt Werbeplatz

Darunter ist auch ein Unternehmen, das mobile Toiletten aufstellt. In dieser Branche sei Werbung stets nützlich, sagte Mannert am Montag gegenüber unserer Zeitung und deshalb habe er die sich bietende Werbefläche genutzt. Schließlich müsse er auch ein stolzes Sümmchen in die derzeit laufende Sanierung des Turms stecken. Irgendeine Art von Protest oder Unzufriedenheit stecke nicht hinter der Verkleidung des Gerüstes: „So darf man das auf keinen Fall verstehen.“

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Alois Pfaffenzeller stört die riesige Toilette nicht. Der ehemalige Bürgermeister von Biberbach wohnt in Markt und ist deswegen täglich mit der neuen Verkleidung des Burgturms konfrontiert. Für ihn ist sie kein Problem. „Der Turm muss saniert werden“, findet er. Wenn der Turm zur 500-Jahr-Feier im kommenden Jahr toll aussehe, spiele doch keine Rolle, „welche Art von Plane dort für sechs Wochen einmal hing“.

Denn im Dezember kommt die Folie nach Plänen von Burgherr Mannert wieder ab. Deswegen, findet Pfaffenzeller, solle man die aktuelle Aufmachung des Turms „locker nehmen“.

Miese Werbung für den Ort?

Annie Fries sieht das etwas anders. Die Kreisrätin wohnt ebenfalls in Markt, in unmittelbarer Nähe des Turms. Ihrer Familie gehört auch ein Teil der Burg – die ehemalige Schmiede, der kleine Turm. Das Wirtschaftsgebäude und die Pfarrei sind in Besitz von Mannert. Und eben der große Turm, der jetzt ein großes Klo ist. „Als ich die Toilette das erste Mal gesehen habe, war ich total entsetzt“, schildert Fries.

Sie findet, Mannert hätte auch eine neutrale Plane nehmen und keine Werbung machen können. Die gigantische Verkleidung sei nicht nur für Anwohner ein Problem, sondern bringe den Ort auch überregional mit dem Toilettenhäuschen in Verbindung. Schließlich sehe man den Turm von weiß außerhalb, von der Bundesstraße 2.

Bürger empört: Riesenklo "ein Schandfleck"

Eine Anwohnerin pflichtet ihr bei. Sie will ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, deutliche Worte findet sie dennoch. Ein „Schandfleck“ sei das Riesenklo. „Ich gucke morgens aus dem Fenster, und der erste Blick geht auf das mobile Toilettenhaus. Das ist einfach unschön.“ Wenn man in Markt wohnt, könne man eigentlich gar nicht dran vorbeisehen. Den Einwand, der Turm sei im Dezember schon wieder in seiner ursprünglichen Form zu sehen, lässt sie nicht gelten. „Sechs Wochen sind eine lange Zeit.“

Für Bürgermeister Wolfgang Jarasch ist die Werbeaktion kein Grund zur Aufregung. Zwar gebe es sicherlich Leute, die sich daran störten – aber bis Weihnachten sei die Verkleidung ohnehin wieder weg. Von manchen Ecken Biberbachs aus sei das Klo zwar gut zu erkennen, aber je weiter man sich fortbewege, desto mehr werde das Motiv zu einer blauen Säule. Er habe auch noch keine Beschwerden über das riesige Toilettenhäuschen gehört. „Für uns in der Verwaltung ist das völlig in Ordnung“, sagt er. (mit cf)

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