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Landkreis Augsburg

18.06.2020

Chef der Kreissparkasse Augsburg rechnet mit Pleitewelle

Richard Fank von der Kreissparkasse Augsburg rechnet mit einer Insolvenzwelle im Herbst.
Bild: Monika Skolimowska, dpa

Plus Der Chef der Kreissparkasse warnt vor schlechten Aussichten für die Wirtschaft. Warum er glaubt, dass die schlimmsten Krisen-Folgen erst noch kommen.

Viel Vertrauen hat Richard Fank in die wirtschaftliche Erholung nach Corona nicht: Die klassischen Wirtschaftsindikatoren seien kein Grund für Optimismus. „Um erste Zeichen für eine Erholung zu entdecken, muss man auf unkonventionelle Indikatoren wie die Passantenfrequenz in den Innenstädten setzen“, heißt es in einer Powerpoint-Präsentation, die der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse auf einer Versammlung der Bürgermeister im Landkreis Augsburg vorstellte. Trotzdem bemühte er sich optimistisch zu wirken: „Wir rechnen mit einem beginnenden Aufschwung am Anfang nächsten Jahres“. Das sei aber keine belastbare Prognose.

Es gebe einfach zu viele unbekannte Faktoren. Fank befürchtet etwa, dass die Kurzarbeit vielfach in Arbeitslosigkeit übergehen könnte, wenn die Arbeitsplätze nicht dauerhaft gerettet werden können. Tatsächlich gibt es laut Zahlen der Agentur für Arbeit im Landkreis Augsburg schon jetzt über 1300 Arbeitslose mehr als vergangenes Jahr um diese Zeit. Bis zu 91000 Arbeitnehmer seien zudem zwischen März und Mai von Kurzarbeit betroffen gewesen. Fast 40 Prozent aller Unternehmen hätten sie beantragt.

Richard Fank, Chef der Kreissparkasse Augsburg, rechnet mit Pleitewelle

Richard Fank ist Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Augsburg.
Bild: Marcus Merk

Auch die Einschränkungen in der Produktion und bei den Lieferketten hätten laut Fank einen Effekt auf die Wirtschaftsleistung, der noch nicht abzuschätzen sei. Das könne im Herbst zu einer Insolvenzwelle führen, weil viele Firmen ihre Ersparnisse während der strengen Phase der Coronabeschränkungen aufgebraucht hätten. Die Kreissparkasse bereite sich jetzt schon darauf vor. Auch Matthias Köppel ist sich sicher, dass sie kommen wird: „Im Moment muss man unter bestimmten Umständen keinen Antrag auf Insolvenz stellen. Diese Regelungläuft Ende September aus und dann kommen alle Pleiten aus der Corona-Zeit in die Statistik.“, sagt der Leiter für Standortpolitik bei der IHK Schwaben. Fast 40 Prozent aller Firmen bewerten laut einer IHK-Erhebung ihre geschäftlichen Aussichten mit „Schlecht“.

Zwar läuft die Produktion fast überall wieder. Aber es wird weniger nachgefragt: „Masken verderben häufig den Spaß am Shoppen“, beobachtet Fank. Köppel führt das eher auf sinkende Einkommen zurück. „Viele Unternehmen haben am Personal gespart und Kurzarbeit angemeldet. Dadurch stellen die Leute gerade größere Anschaffungen hinten an.“ Der Nachfragerückgang schlägt sich auch in Fanks Bilanzen nieder: „Unser Kreditvolumen ist zurückgegangen und unsere Einlagen sind gestiegen.“

Wirtschaft: Die schlimmsten Folgen der Corona-Krise kommen noch

Im Klartext: Seine Kunden sparen mehr und leihen sich weniger Geld. Und das trotz der Förderkredite, die die Kreissparkasse vergibt. Insgesamt habe man 120 Anträge mit einem Volumen von 65 Millionen Euro bewilligt. Gerade Firmen würden versuchen, sich Ersparnisse zuzulegen, um die aufgebrauchten Rücklagen auszugleichen. Nach Zahlen der IHK Schwaben planen 59 Prozent auf Investitionen zu verzichten oder sie zu reduzieren.

Fank arbeitet mit einer Prognose der Bundesbank. Diese prophezeit schwere Zeiten. Erst Ende 2022 werde die wirtschaftliche Leistung in Deutschland wieder das Niveau vom Dezember 2019 erreichen. Auch bei den Zinsen für Sparer ist nicht mit einer Verbesserung zu rechnen: „Trotz expansiver Fiskalpolitik ist mit grundsätzlich niedrigen Realzinsen zu rechnen.“ Köppel sieht die Sache optimistischer: „Die Perspektive zeigt für uns nach oben.“ Trotzdem habe man noch eine Weile mit den Folgen zu kämpfen: „Wir haben auch über zehn Jahre gebraucht, um die finanziellen Folgen der vergleichsweise milden Finanzkrise 2008 wettzumachen.“

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