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Diedorf

05.06.2019

Container aus Diedorf lindern die Not am Balkan

In Diedorf nicht mehr benötigt, auf dem Balkan schon: die Container in Oggenhof gingen auf Reise. 
Bild: Andreas Lode (Archiv)

In einer groß angelegten Aktion sind 36 Unterkünfte auf Reise nach Bosnien gegangen. Dort sollen sie die beengte Lage der Flüchtlinge an der Grenze verbessern. 

„Schlimm und beklemmend“ nennt Günther Geiger vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) die Lage der Flüchtlinge, die in Bosnien und Herzegowina stranden. Umso wichtiger sei daher eine groß angelegte Hilfsaktion gewesen, die jetzt erfolgreich zu Ende gegangen ist: 36 Container sind auf weite Reise gegangen. Sie wurden auf Lastwagen von Diedorf auf die 800 Kilometer entfernte Balkaninsel gebracht. Die Container dienten früher der Unterkunft für Bauarbeiter der A8 und für Asylbewerber.

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Zweieinhalb Tage packten in Diedorf rund 30 Leute an, um die ungewöhnliche Aktion zu stemmen. Die Idee dafür stammte von Geiger, dem ehemaligen BRK-Geschäftsführer des Kreisverbands Augsburg-Land. Er war mehrmals vor Ort gewesen und kennt die Not, nicht nur der Flüchtlinge, sondern auch der Einheimischen. Geiger: „Die Menschen sind total überfordert mit der Situation und an ihren Grenzen angekommen.“ Man müsse immerhin bedenken, dass die Flüchtlinge in einem ehemaligen Kriegsgebiet und nicht in einem florierenden Land ankommen. Die Zahl der Menschen, die über die so genannte Balkan-Route nach Europa wollen, sei immer noch hoch, beschreibt Geiger die Lage. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres habe Bosnien-Herzegowina schon so viele Flüchtlinge aufgenommen wie im gesamten Vorjahr. Geiger spricht von einer „humanitären Katastrophe“. An der EU-Außengrenze staue sich alles und ein Ende des Zustroms der Menschen sei nicht abzusehen.

17 Lastwagen sind unterwegs

Der Diedorfer Bürgermeister Peter Högg unterstützte Geiger bei der Idee, dass die seit September in Oggenhof leer stehenden Container wieder sinnvoller genutzt werden. Die Firma Schenker kümmerte sich um die Logistik, die Verhandlungen mit Speditionen in Bosnien und Herzegowina und die Frachtpapiere. 17 Laster, die auf ihren regulären Touren nach Deutschland Lieferungen gebracht hatten, fuhren nicht leer in ihre Heimat zurück, sondern beladen mit den Containern aus Diedorf. Dieser Weg der doppelten Fracht sparte Kosten.

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Damit die Unterkünfte auf Reise gehen konnten, musste nicht nur jede Menge Arbeit geleistet werden, sondern war auch Improvisationstalent gefragt. Da zwei Laster nur von oben beladen werden konnten, sprang spontan die Firma Jäger aus Gersthofen ein und rückte mit einem Kran an. Geiger freut sich über die Gemeinschaftsleistung und den Einsatz der Helfer. Selbst die Lkw-Fahrer hätten nicht nur zugeschaut, sondern mit angepackt, genauso wie der Bürgermeister. Das Verladen der riesigen Fracht in Oggenhof sorgte natürlich für Aufsehen. „Wir mussten die eine oder andere Frage eines vorbeikommenden Radlers beantworten“, schmunzelt Geiger.

Der Landkreis Augsburg hat sich mit 20.000 Euro beteiligt

Ein Teil der Container inklusive von sanitären Anlagen wird in Bihac im Nordwesten von Bosnien aufgestellt, wo das Rote Kreuz bisher mit Zelten die Flüchtlinge zum Beispiel medizinisch versorgt hat. Auf engsten Raum leben dort unzählige Menschen in Dauerprovisorien. 20 Container sind in ein Lager nahe der Hauptstadt Sarajewo gebracht worden. Sie sollen dort als feste Unterkunft für Hilfesuchende dienen. Die Anschlüsse für Abwasserentsorgung und Strom werden gerade verlegt. Außer „minimalen Problemen“ beim Zoll wegen eines Zahlendrehers in den Papieren sei der Transport reibungslos verlaufen, freut sich Geiger. „Das war richtig und wichtig“, ist er überzeugt vom Sinn des großen Aufwands. Der Transport der Container sei einer der größten Aktionen des Roten Kreuzes in Bayern in den letzten Jahren gewesen. Natürlich kostet so etwas eine Stange Geld. 50000 Euro werden laut Geiger insgesamt benötigt. Der Landkreis Augsburg hat sich mit 20000 Euro beteiligt, außerdem unterstützen die Handels- und Gewerbebank, die Kreissparkasse Augsburg und das BRK das Projekt. 18000 Euro fehlen noch, um die Summe zu decken.

Wer für die Aktion spenden will, kann sich an das Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband Augsburg-Land, Telefon: 0821/90 01-0 wenden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Diese Aktion rüttelt wach.

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