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09.10.2017

Das schwere Schicksal der Hunde aus Italien

Mittlerweile geht es den Hunden aus Italien wieder gut. Sie genießen mit ihren Besitzern den Geländelauf in Scherstetten.
Bild: Karin Marz

Der Verein „Cani di Italia“ kümmert sich um die Vermittlung von Straßenhunden aus dem Süden

Den Hunden, die gemeinsam mit ihren Besitzern bei Scherstetten durch das Gelände auf dem Klafferberg laufen, sieht man nicht an, welches grausame Schicksal sie früher erleiden mussten. Zufrieden und mit wedelndem Schwanz nehmen sie an einem Geländelauf teil, organisiert vom Verein „Cani di Italia“. Durch diese Tierschutzorganisation haben sie ein neues Zuhause in Deutschland gefunden.

Alles andere als gut ging es ihnen in ihrer alten Heimat in Italien. Sie stammen aus der Gegend um Neapel, die bekannt für ihre streunenden Hunde ist. Dort ist ihr täglicher Kampf ums Überleben nicht einfach, aber noch viel schlechter soll es ihnen in privaten Tierheimen gehen, sagen Tierschützer aus Deutschland. Dort müssten sie oft unter unwürdigen Verhältnissen leben, würden gequält, seien krank und vegetieren vor sich hin. „Ich sehe jeden Tag furchtbare Grausamkeiten, die den Tieren zugefügt wurden“, sagt Giovanna Giaffa, die die Tierschutzorganisation „Cani di Italia“ gegründet hat und auch leitet. Die Mitglieder vermitteln Hunde nach Deutschland und organisieren Sachspenden an die Tierheime in Italien. Daneben organisiert „Cani di Italia“ auch regelmäßig Veranstaltungen, wie den Geländelauf in Scherstetten, um den Mitgliedern und auch anderen Teilnehmern die Gelegenheit zu geben, sich zu treffen und über ihre Hunde auszutauschen.

Giaffa, eine Halbitalienerin, hat vor drei Jahren ihr Leben in Landsberg aufgegeben und ist nach Caserta in Italien gezogen. Dort arbeitet sie ehrenamtlich in einem kommunalen Tierheim, betreut die Hunde und Katzen und führt kleinere medizinische Arbeiten aus. Insgesamt 240 Hunde und 40 Katzen werden im Tierheim in Caserta betreut. Um diesen Tieren ein Zuhause zu geben, setzt sie sich vor allem für die Vermittlung der Tiere durch die Organisation „Cani di Italia“ ein.

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Wie es dazu kam, erzählt die engagierte Halbitalienerin mit noch immer großer Empörung: „Vor dem Geburtshaus meines Vaters habe ich damals einen Hund gefunden, der dort herumlungerte. Niemandem gehörte dieser Hund, und alle Leute, bei denen ich nachfragte, konnten nicht verstehen, warum ich mich um ihn kümmern wollte.“ Völlig blauäugig, wie sie erzählt, ist sie mit dem Hund ohne Pass und ohne Impfung nach Deutschland zurückgefahren.

Dort blieb der Hund bei ihr. Erschüttert vom Schicksal der Vierbeiner, entschloss sich Giaffa in den italienischen Tierheimen zu helfen und pendelte zwei Jahre zwischen Deutschland und Italien hin und her. „Diese Zeit, immer in zwei Welten zu leben, war sehr aufreibend für mich. Meinen Arbeitsplatz, bei dem ich zwar gutes Geld verdiente, fand ich zunehmend sinnlos. Schließlich entschied ich mich, in Deutschland alles aufzugeben und ganz nach Italien zu gehen“, erzählt Giaffa, der man anmerkt, dass ihr sehr viel an den Tieren liegt. Sehr emotional wird die Halbitalienerin, wenn sie von den Gründen für die Vielzahl der Hunde und ihrem daraus resultierenden Leid erzählt: „Die Leute in der Gegend sind sehr arm. Daher ist es ihnen egal, was mit den Hunden passiert. Es fehlt an Vielem, auch am Geld, die Tiere kastrieren zu lassen, damit die übermäßige Fortpflanzung aufhört. Oft liegt der Grund auch an der katholischen Gläubigkeit der Leute oder einfach, weil es an der Männerehre nagt. Es gibt aber auch reiche Menschen, die nichts von einer Kastration der Straßenhunde wissen wollen.“ Alles andere als ein gern gesehener Gast ist die Halbitalienerin bei den privaten Tierheimen. Von dort holt sie immer wieder Tiere aus den miserablen Zuständen heraus. Denn die Betreiber der privaten Einrichtungen, so erzählt Giaffa, erhalten zwar Geld vom Staat für die Betreuung der Tiere, kümmern sich aber nicht ausreichend um sie und versuchen auch nicht, die Tiere zu vermitteln. Für jedes Tier, das die Tierschützerin aus den Heimen holt, bekommen die Betreiber weniger Geld, was ihnen gar nicht gefällt.

Eines macht die Tierliebhaberin trotz der ganzen Anstrengungen und Hürden immer wieder glücklich: „Wenn ich dann ein gequältes Tier an ein gutes Zuhause in Deutschland vermitteln konnte, hat es sich gelohnt.“ Zu sehen, wie gut es den Hunden hier geht, war auch auf den Hundeporträts von Birgit Fietze und Cartoon-Zeichnungen von Marina Pilhöfer zu sehen, die während des Treffens auf dem Klafferberg ausgestellt wurden.

Cani di Italia ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Eresing bei Landsberg am Lech. Der Verein vermittelt Hunde aus Italien, organisiert Transporte, Kastrationen und Impfungen, finanziert medizinische Versorgungen und berät und unterstützt Halter, die Tiere adoptiert haben.

Kontakt unter

www.cani-di-italia.de

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