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Region Augsburg

05.06.2019

Defizite im öffentlichen Nahverkehr: Muss der AVV-Chef gehen?

Die Modernisierung der für den AVV fahrenden Busflotte war eines der großen Projekte von Olaf von Hoerschelmann. Doch nun könnte seine Zeit am Steuer des Verkehrsverbundes AVV zu Ende gehen. 
Bild: Christian Lichtenstern (Archiv)

Plus Eigentlich sollte der Vertrag von Olaf von Hoerschelmann verlängert werden. Doch jetzt stellen sich Politiker im Augsburger Land quer. Was sie bemängeln.

Offen ist die Zukunft von Geschäftsführer Olaf von Hoerschelmann beim Nahverkehrsverbund AVV. Vor allem im Kreistag des Landkreises Augsburg gibt es erhebliche Vorbehalte für eine Vertragsverlängerung für den Manager, der den AVV seit mehr als acht Jahren steuert.

Der AVV plant und wickelt den Öffentlichen Nahverkehr in der Region ab und befördert werktags rund 77.000 Fahrgäste. Getragen wird der 1985 gegründete Verbund von der Stadt Augsburg sowie den Landkreisen Aichach-Friedberg, Dillingen und Augsburg. Für die Verlängerung des Geschäftsführervertrags müssen die Gremien aller vier Kommunen zustimmen.

Die Defizite beim AVV wachsen immer weiter

Genau dieses Ja steht nun im Landkreis Augsburg, politischer Heimat des AVV-Aufsichtsratsvorsitzenden Martin Sailer, auf der Kippe. Kernpunkt der Kritik, die in den vergangenen Monaten schon mehrfach geäußert wurde: Die Defizite des Verkehrsverbundes wachsen immer weiter, bei den Fahrgastzahlen aber zeige sich keine entscheidende Verbesserung.

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Rund 20 Millionen Euro an Verlusten müssen die vier Gesellschafter inzwischen jährlich auffangen. Größter Einzelzahler mit der größten Fläche und dem längsten Liniennetz ist der Landkreis Augsburg. Er überweist inzwischen jährlich 8,6 Millionen Euro allein für den AVV.

Mitte Juli soll die Entscheidung über die Zukunft des AVV-Chefs fallen

Unter diesen Umständen wollten die Vertreter der Fraktionen die Vertragsverlängerung für von Hoerschelmann nicht so einfach durchwinken. Hinter verschlossenen Türen sollte der Manager am Montag im Kreisausschuss Rede und Antwort stehen, wie Landrat Martin Sailer (CSU) auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte. Nun müssten die Fraktionen überlegen, wie es weiter gehen solle, so Sailer. Mitte Juli soll die Entscheidung fallen. Sailer bezeichnete den Ausgang des Verfahrens als offen.

Wie Sailer äußerte sich auch von Hoerschelmann nicht über den Verlauf der Sitzung. Er sagte aber gegenüber unserer Redaktion, dass „ich verstärkte Unzufriedenheiten bei den Kreisräten in der Sitzung nicht habe wahrnehmen können“.

Nach Recherchen unserer Redaktion ist allerdings fraglich, ob der Manager mit seiner knapp 60-seitigen Präsentation die Kritiker überzeugt hat. Es zeichnet sich eine Mehrheit gegen die Fortbeschäftigung des AVV-Chefs ab, der laut Beteiligungsbericht des Landkreises Bezüge von rund 140.000 Euro im Jahr hat.

Kreispolitiker haben beim Nahverkehr Angst vor einem Fass ohne Boden

Gefordert von ihm waren Vorstellungen, wie der Verkehrsverbund zusätzliche Fahrgäste und Einnahmen bekommen kann. Denn unter den Kreispolitikern im Augsburger Land geht die Angst vor einem Fass ohne Boden um. Die umstrittene Tarifreform, die nachgebessert werden soll, war mit einem höheren Defizit erkauft worden, das durch mehr Fahrgäste und Einnahmen ausgeglichen werden sollte. Mittlerweile haben sich Rahmenbedingungen durch Millionen-Versprechen der Staatsregierung zwar möglicherweise geändert. Doch die Kritiker trauen von Hoerschelmann nicht mehr zu, dass Steuer herumzureißen.

Neben der Tarifreform war das Wirken des Geschäftsführers, der im Sommer 2010 als Wunschkandidat von Sailer nur mit Mühe hatte durchgesetzt werden können, vor allem am veränderten Erscheinungsbild der AVV-Busse abzulesen. Der Verkehrsverbundchef setzte bei den mehr als 20 verschiedenen Busunternehmen, die im Auftrag des AVV fahren, einheitliches Aussehen und Ausstattung der Fahrzeuge durch, die für den Linienverkehr so komfortabler und umweltfreundlicher werden sollen.

Unternehmer klagten über die hohen Kosten

Die Bus-Branche, in der die Stimmung wegen eines Strafverfahrens wegen illegaler Preisabsprachen ohnehin angespannt ist (wir berichteten), stand den Änderungen in der Busflotte misstrauisch gegenüber. Unternehmer klagten über die hohen Kosten, welche die AVV-Standards verursachen würden. An den wirklichen Problemen wie Pünktlichkeit, Anschlussgenauigkeit und Kosten änderten die neuen Busse nichts, so der Vorwurf.

Wegen dieser kam es mit einem Partner zu einem kuriosen Kompromiss. Die Gersthofer Verkehrsgesellschaft (GVG), deren Markenzeichen grüne Busse sind und die nach eigenen Anhaben bessere Zahlen und Pünktlichkeitswerte aufzuweisen hat als der restliche AVV, setzte eine Sonderlackierung durch: Vorne grün und an den Seiten weiß. Das Ergebnis finden die GVG-Geschäftsführer Bernhard Schinzel und Werner Ziegelmeier „gewöhnungsbedürftig.“ Noch haben sie keinen Bus im neuen Design geordert.

Lesen Sie dazu auch: Schlechte Noten für den Nahverkehr im Kreis Augsburg

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