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Landkreis Augsburg

19.05.2020

Der Corona-Biergarten-Knigge: Was Gäste zu beachten haben

Die Tassilostub’n in Thierhaupten kann wieder Gäste bewirten. Wirt Christian Viebranz fühlt sich verantwortlich dafür, dass die Regeln erlassenen strengen eingehalten werden.
Bild: Marcus Merk

Plus Wegen des Coronavirus waren bis Anfang der Woche alle Kneipen zu. Rechtzeitig zum Vatertag öffnen die Biergärten. Was Gäste beachten müssen.

Das Waldcafé Blankenburg kämpft noch mit den Bestimmungen: „Wir haben im Innenbereich einige schmale Durchgänge, wo wir noch überlegen, ob wir sie regelgemäß nutzen können“, erklärt Martina Vitzthum. So oder so sei es für sie und ihre Mitarbeiter schwierig, den ganzen Tag mit Maske zu bedienen: „Man schwitzt darunter und bekommt schlecht Luft. Die Arbeit ist an einem normalen Tag schon schwierig“, sagt sie. Sie wird auf jeden Fall deutlich weniger Leute bedienen als gewohnt. Statt der üblichen 110 Gäste, die in ihren Außenbereich passen, kann sie nur 30 bis 40 Gäste aufnehmen.

Kneipen und Biergärten im Kreis Augsburg dürfen wieder Gäste bewirten

Seit Montag dürfen Kneipen und Biergärten im Außenbereich wieder Gäste bewirtschaften, nachdem dies zwei Monate lang verboten war. Gerade rechtzeitig zum Vatertag. Die Regelungen sind streng. Es gelten die gleichen Kontaktbeschränkungen wie überall sonst. An einem Tisch dürfen maximal zwei Haushalte vertreten sein. Alle anderen müssen 1,50 Abstand voneinander halten. Das bedeutet, dass auch der traditionelle Vatertagsausflug im allerkleinsten Kreis stattfinden muss. Maskenpflicht gilt immer wenn man nicht am Tisch sitzt. Also beim Kommen und Gehen, sowie beim Toilettenbesuch. Das Lokal muss um 20 Uhr schließen. Wer kommt, muss entweder reservieren oder seinen Namen und Kontaktdaten hinterlassen, damit im Ernstfall die Infektionsketten zurückverfolgt werden können.

Die Reservierungen in der Gaststätte am Kloster Holzen halten sich noch in Grenzen: „Betriebswirtschaftlich wäre es vielleicht besser, wenn wir zublieben“, schätzt Phillipp Flamm. Die Kosten für Küche und Service seien so hoch, dass es billiger wäre, geschlossen zu bleiben. Trotzdem freut er sich auf die Öffnung. Diese sei für ihn und seine Mitarbeiter psychologisch wichtig. Er habe nicht so viele Probleme, die Regeln einzuhalten, wie viele seiner Kollegen, weil er deutlich mehr Platz in seinem Biergarten habe, der sonst nicht genutzt wird. Er kann etwa 80 Gäste statt der üblichen 100 bewirten.

Eine Flasche Desinfektionsmittel im Klosterstüble Oberschönenfeld.
Bild: Marcus Merk

Viele Biergartenbetreiber leiden unter Existenzängsten

Auch die alte Posthalterei in Zusmarshausen kann statt 180 Gästen erstmal nur 120 bewirten. Hier hält der Ansturm sich ebenfalls noch in Grenzen: „Am Montag hatten wir zur Mittagszeit keinen einzigen Gast“, sagt Geschäftsführer Mark Schuhmacher.So könne er leider die Kurzarbeit nicht beenden, bedauert er. Er glaubt nicht, dass sich das ändern wird. Da Biergärten um 20 Uhr schließen müssen, gebe es realistischerweise nur 90 Minuten vollen Betrieb. Einige Kunden blieben auch, weg weil sie sich weigerten, Namen und Kontaktdaten zu hinterlegen. Noch dazu würden seine Einkaufspreise steigen, weil die Nahrungsmittel und Alkohol teurer würden. Auch Restaurant und Hotel sind gefährdet: „Es läuft wieder langsam an, aber einen zweiten Lockdown würden wir nicht überleben“, befürchtet er.

Auch Christian Viebranz hat seit Montag wieder geöffnet. Der Wirt der Tassilostub’n in Thierhaupten glaubt, dass die Gäste die Möglichkeit, rauszugehen vermisst haben: „Man merkt, dass die Leute rauswollen“, sagt er. Trotz der Beschränkungen könne ein Besuch im Biergarten Spaß machen. Es sei ihm lieber, wenn ein solcher mit Einschränkungen möglich sei als garnicht. Er fühlt sich verantwortlich dafür, dass die Regelungen eingehalten werden. „Wenn die Leute angetrunken hier reinkommen, kann es sein, dass ein bisschen die Disziplin fehlt“, sagt er. Er und seine Gäste riskierten eine empfindliche Strafe, wenn gegen die Regeln verstoßen würde.

Mit Lockerheit und Humor kämpfen Biergärten gegen die Coronastimmung

Martina Voigt dankt ihren Gästen: „Ohne ihre Solidarität hätten wir die schwere Zeit nicht überlebt“, sagt die Wirtin. Noch ist sie nicht vorrüber. Das Braustüble Bonstetten kann in seinem Biergarten nur etwa 60 statt der üblichen 150 Gäste bewirten. Im Innenbereich fallen noch einmal 200 Plätze weg. Für die Öffnung am Donnerstag hat Voigt bereits zahlreiche Reservierungen erhalten. Sie glaubt, dass die Atmosphäre nicht leiden muss: „Wenn ich und meine Mitarbeiterinnen das locker und humorvoll vermitteln, kann schon eine schöne Stimmung aufkommen“, glaubt sie.

Aber nicht alle Gaststätten öffnen ihre Außenbereiche: „Wir haben nur einen kleinen Außenbereich. Für die 20 Gäste, die reinpassen, würde sich das gar nicht lohnen“, sagt Ingeborg Riß. Sie leitet das Hotel Klostergasthof in Thierhaupten. Man habe am Anfang der Schließungen versucht, Speisen zum Mitnehmen anzubieten, der Umsatz sei aber zu gering gewesen. Daher bleibt die Gaststätte vorerst ganz zu. Riß bedauert, dass durch die Maskenpflicht der menschliche Kontakt verloren gehe: „ Davon lebt die Gastronomie. Wir sind ein sozialer Treffpunkt nicht nur ein Essenslieferant“, glaubt sie. Sie bemängelt, dass die Regelungen zu kompliziert seien: „Das ist so ein Durcheinander. Die Leute wissen garnicht, ob jetzt offen ist oder nicht“. Sie erhofft sich eine einheitliche Regelung für alle Gaststätten.

Gewinn machen wird auch Martina Vitzthum vom Waldcafé Blankenburg erstmal nicht: „Wir öffnen nur zum Erhalt des Waldcafés“, sagt sie. Die staatlich verordnete Schließung kurz vor Ende der Winterpause, habe ihr schwer zu schaffen gemacht. „Wenn der Umsatz nicht bald wieder anzieht, können wir das nur schwer durchhalten“, befürchtet sie.

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