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Gastro-Serie Topfgugger

17.08.2020

Der Schwarze Reiter in Horgau lockt Gäste aus der ganzen Welt an

Martin Platzer führt den Schwarzen Reiter und ist gelernter Fleischer, Koch, Fleischermeister und Küchenmeister.
Bild: Diana Zapf-deniz

Plus Das Horgauer Flairhotel ist seit 256 Jahren im Besitz der Familie Platzer. Sie setzt auf regionale Qualität. Aus einem Gasthof wurde ein beliebter Tagungsort.

Wer im Flairhotel Zum Schwarzen Reiter den Martin Platzer verlangt, bekommt ihn gleich dreimal zu Gesicht. Denn der Senior (80) mit seiner Gattin Gabriele, der aktuelle Chef und Geschäftsführer (58) mit Ehefrau Brigitte als auch der Nachfolger (28), der als Hotelbetriebswirt bereits in den Startlöchern steht, heißen alle Martin Platzer.

Das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit. Alle drei haben sich der Jagd verschrieben – der Senior seit 62 Jahren. Die Jagd und der Wald haben Tradition bei den Platzers. Die Geschichte reicht bis zur Legende des Schwarzen Reiters Georg Platzer, der einst durch den „Rauhen Forst“ in Biburg ritt und sich 1763 im Wald verirrte, dabei eine Räuberbande besiegte und wie der Glockenschlag ihn nach Horgau führte. Eine Gedenktafel im Biburger Wald erinnert heute an den Husar des Preußischen Regiments.

Georg Platzer kauft Taverne in Horgau im Jahr 1764

In Horgau kaufte Georg Platzer von Stoffenried am 4. April 1764 die Taverne, die erstmals am 3. März 1429 urkundlich erwähnt wurde. Daraus wurde im Laufe der Jahrhunderte das familiäre Tagungshotel. In der Ahnenstube kann man die Geschichte bildlich nachverfolgen, in der Bauernstube trifft sich seit jeher der Stammtisch und natürlich gibt’s auch eine Jägerstube.

Martin Platzer, Küchenmeister und Inhaber des "Zum Schwarzen Reiter" stellt sein Reh-Vitello Tonnato vor.
Video: Diana Zapf-Deniz

Alles, was die Platzers in den Westlichen Wäldern jagen, wird verarbeitet. „Vom Kopf bis zum Schwanz – Nose To Tail – wird alles vom Tier genutzt“, erklärt Küchenmeister Martin Platzer. Für den Topfgugger hat er bewusst ein neuzeitliches Gericht ausgewählt, in dem Tradition mit lokalen und saisonalen Zutaten verknüpft ist. „Unser Vitello tonnato ist vom heimischen Reh angerichtet mit verschiedenen Pilzen, Pflücksalaten und Kräutern aus der Region“, zeigt Platzer den Teller, auf dem eine Blüte der Kapuzinerkresse thront.

Regionale Lieferanten sind den Platzers wichtig, wie etwa Schwarzbräu in Zusmarshausen, von dem Platzer seit bald 100 Jahren durchgehend beliefert wird, oder die Fischzucht in Bieselbach, die seit Jahrzehnten frischen Fisch bringt.

In den Lehrjahren viele Stationen genommen

Platzer ist nicht nur Koch und Küchenmeister, sondern auch Fleischer und Fleischermeister und war in seinen Lehrjahren im Hotel Bachmair am Tegernsee, im Bayerischen Hof in München und in den Eckestuben in Augsburg tätig. 1992 hatte er den Schwarzen Reiter übernommen. „Die Werbung meines Vaters lautete ganz früher noch „Zentralheizung und fließend Warm- und Kaltwasser“, weiß er noch gut. Der Seniorchef zeigt auf ein altes Foto: „Das war einmal ein Bauernhof mit einer kleinen Gaststube drin. Und ganz früher war es eine Poststation.“ In den 50er-Jahren sei zusätzlich eine Arztpraxis darin untergebracht gewesen und auch der damalige Polizeichef habe dort gewohnt. Aus der Gaststube machte der Senior eine im Landkreis beliebte Wirtschaft mit Übernachtungsmöglichkeit. 13 Zimmer ohne Dusche und WC waren es damals.

Der jetzige Hotelchef erschuf daraus ein großes Tagungshotel mit 48 Zimmern, Wellnessbereich, je nach Saison bis zu 50 Mitarbeitern und in der modern ausgestatteten Küche können Sonntagmittag bis zu 400 Gerichte gekocht werden. Dabei werden die Bestellungen den Köchen und dem Küchenpersonal per Bildschirm angezeigt.

"Zum Schwarzen Reiter": Aus der ganzen Welt nach Horgau

„Da unsere Gäste aus der ganzen Welt zu uns kommen, reicht unsere Bandbreite von vegan bis traditionell. Tagungsgäste lieben allem voran die Steaks. Muslime fühlen sich bei uns genauso wohl wie Einheimische, die gerne altbekannte Gerichte wie Sauerbraten oder Krustenbraten essen“, betont der Hotelier. Brauchtum ist den Platzers wichtig und ihre enge Verbindung mit dem Ort ebenso. Der Schützenball am Rußigen Freitag im Platzer ist Pflichtprogramm und der Fronleichnamsaltar auf dem Grundstück seit jeher Brauch. Das Hotel ist seit 256 Jahren und in der neunten Generation im Besitz der Familie Platzer. Unzählige Hochzeiten und Jubiläen wurden und werden dort gefeiert. Der Biergarten eignet sich als Ausflugslokal. Denn wer die Weldenbahn entlang radelt, hat es mit dem Fahrrad nicht weit nach Horgau.

Vorname Georg geht durch die Generationen der Horgauer Familie

Einen Georg Platzer gibt es übrigens noch heute, denn Martin und Gabriele Platzer haben fünf Kinder namens Martin, Bruno, Jutta, Georg und Katharina. „Wir sind weiter mit zwölf Enkelkindern gesegnet. Die Jüngste hat gleich zweimal kurz hintereinander Zwillinge bekommen – alles Jungs“, freut sich Gabriele Platzer, die im nächsten Jahr ihren 80. Geburtstag feiern darf. Bei den Auszeichnungen hängt eine besondere des Bayerischen Heimatministeriums. Diese besagt, dass das Flairhotel Zum Schwarzen Reiter in Horgau zu den 100 besten Heimatwirtschaften Bayerns gehört. Die Auszeichnung bekamen Hotelchef Martin Platzer und seine Frau Brigitte 2018 von Ministerpräsident Markus Söder persönlich überreicht. Heimatwirtschaften seien Stützen der bayerischen Heimat und setzen sich in besonderer Weise für den Erhalt und die Weitergabe von Brauchtum, Tradition und Dorfgemeinschaft ein, heißt es auf der Seite des Ministeriums.

Vitello tonnato vom heimischen Reh.
Bild: Diana Zapf-Deniz

In einem Urlaubsbewertungsforum im Internet hat das Hotel sechs von sechs Sternen und 100 Prozent gute Bewertungen, fast 500 hervorragende Rezensionen auf Google, ist vom Schlummer Atlas empfohlen und immer wieder für den Guide Michelin ausgewählt. Je mehr man sich im Hotel umsieht, desto mehr Geschichten entdeckt man. Gleich links im Gasthofeingang ist ein Wandbild vom Schwarzen Reiter. Der Hotelier erzählt: „Maler des Hessischen Rundfunks haben das gemacht, als sie hier während der Dreharbeiten in der Augsburger Puppenkiste übernachteten.“

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