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Langweid

05.09.2011

Der nächste Riesen-Waller an der Angel

Ein Augsburger zog einen 60-Kilo-Fisch bei Langweid aus dem Wasser. Mittlerweile sind die Waller eine Plage.
Bild: dpa

Ein Augsburger zog einen 60-Kilo-Fisch bei Langweid aus dem Wasser. Mittlerweile sind die Waller eine Plage.

Langweid/Landkreis Augsburg Schon wieder hat ein Angler im nördlichen Augsburger Land einen Riesen-Waller aus dem Wasser gezogen. Anton Sokol geht seit über 60 Jahren fischen, doch so einen Fang hat der Augsburger noch nie gemacht. Er hatte sich auf einen ruhigen Abend am Ufer des Sandsees 2 der Lechfischereivereins Langweid gefreut – und zog einen 2,20 Meter langen und 60 Kilogramm schweren Wels an Land. Drei Stunden lang wehrte sich der Fisch in der warmen Augustnacht, ehe er sich in sein Schicksal ergab. Für Sokol war die Plackerei damit nicht zu Ende. Er schleifte den kapitalen Fang durchs Gebüsch zu seinem Auto – mittlerweile lagern große Teile des Welses in der Kühltruhe des Augsburgers.

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Erst im Juni hatte Stefan Würfel aus Allmannshofen aus dem dortigen Kiesweiher einen noch größeren Waller geangelt: 2,27 Meter lang und 63 Kilo schwer. Zwei Monate zuvor fing Würfel im gleichen Gewässer einen 51-Kilo-Waller.

Europas größter Süßwasserfisch, ursprünglich in Flüssen zuhause, hat sich den vergangenen Jahren in vielen Seen und Weiher der Region rasant vermehrt. „Warum, das wissen wir nicht genau,“ sagt Roland Paravicini. Fest steht für den Fischereifachberater beim Bezirk Schwaben aber, dass die Waller seit einem knappen Jahrzehnt zu einer regelrechten Plage geworden sind, vergleichbar mit den Wildschweinrotten, die in Wäldern und auf Feldern ihr Unwesen treiben.

Der nächste Riesen-Waller an der Angel

Waller sind Raubfische. Kiloschwere Karpfen gehören ebenso zu ihrer Beute wie Enten oder junge Schwäne. Paravicini: „Wenn es auf einem See wenig Wasservögel gibt, gibt es dort mit ziemlicher Sicherheit viele Waller.“ Mittlerweile haben die Fischer den Welsen den Krieg erklärt. Sie dürfen nicht mehr eingesetzt werden. Wer einen Waller fängt, darf ihn nicht zurück ins Wasser werfen – egal wie klein das Tier ist.

Doch den nachtaktiven Wallern sei nur schwer beizukommen, sagt der Fachmann Paravicini. Allenfalls Spezialisten, die mit Reusen während der Laichzeit dem Waller nachstellten, hätten eine Chance, die Bestände spürbar zu reduzieren.

Für Schlagzeilen hatte vor einigen Jahren die Jagd nach „Schnappi“ in der Schmutter bei Hirblingen gesorgt. Ein Spaziergänger meinte, dort im seichten Wasser ein Krokodil gesehen zu haben, einheimische Fischer tippten sofort auf einen Waller. Doch ob nun Reptil oder Riesenfisch – die Fahndung mit Hilfe eines elektrischen Fischgeräts lief ins Leere.

Waldemar Smolin, Vorsitzender der Langweider Fischer, kann sich noch gut erinnern, wie 1984 ein Waller in die beiden Sandseen eingesetzt wurde. Aus diesem einen Exemplar sind mittlerweile „viel zu viele“ geworden, argwöhnt Smolin. Er hat unter anderem Besitzer von Aquarien als „Nachschub-Lieferanten“ in Verdacht, welche die rasch wachsenden Welse in Weihern entsorgen. Smolin fürchtet, dass Anton Sokols vereinsinterner Rekordfang schon bald überboten wird.

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