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Gessertshausen

19.01.2021

Die Gessertshauser Nordumfahrung ist endgültig Geschichte

Obwohl Gessertshausen täglich um die 17.000 Fahrzeuge durchquerten, sah das Berliner Ministerium keinen vordringlichen Bedarf für eine Umfahrung.
Foto: Marcus Merk (Archivfoto)

Plus Die Gesserthauser Nordumfahrung kommt nicht. Auf den ungenutzten Flächen soll sich nach den Vorstellungen der Gemeinde Gewerbe ansiedeln.

Die Gessertshauser Gemeinderäte haben in ihrer jüngsten Sitzung für die Aufhebung der Umfahrungsbeschlüsse aus dem Juli 2015 votiert. Mit 15:2 Stimmen wurden die damaligen Entscheidungen abgeräumt. Dadurch ist nun der Weg frei für Gewerbeansiedlungen, die der finanziell angeschlagenen Gemeinde höhere Gewerbesteuereinnahmen bringen könnten.

Die Gemeinderäte hätten sich zuvor in einem über Monate laufenden Prozess auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt, berichtete Bürgermeister Jürgen Mögele (CSU) auf Nachfrage unserer Zeitung. Dementsprechend waren für die neuerliche Beratung und Abstimmung nur wenige Minuten vonnöten. Somit ist die bereits aufs Eis gelegte Idee der Nordumfahrung, eine Bahntrasse ohne Rampe, endgültig vom Tisch. „In großer Einhelligkeit“ hätten sich der Gemeinderat und das Rathaus nun zu diesem Vorgehen entschieden. Mit der angedachten Lösung habe man „den größten gemeinsamen Nenner“ gefunden, so Mögele.

Eine Umfahrung wird seit Jahren in Gessertshausen diskutiert

Zugleich bedeutet die jüngste Entscheidung das Ende eines lange währenden Schwebeprozesses. Das Thema „Gemeindeumfahrung“ ist seit vielen Jahren in Gessertshausen virulent. Im Juli 2015 sprach sich nach ausgiebiger Diskussion die Mehrheit des Gemeinderats unter der damaligen Bürgermeisterin Claudia Schuster (FW) gegen die zuvor vom Gemeinderat und dem Staatlichen Bauamt favorisierte Südumfahrung aus. Stattdessen sollte die Nordumfahrung kommen. Die geplante Trasse sollte ab dem ehemaligen Mocco-Gelände südlich der Bahnlinie verlaufen und ihr Ende hinter Dietkirch finden. Dort wäre sie wieder auf die jetzige B300 eingeschwenkt.

Mit einer Länge von 3,1 Kilometern und Kosten von rund 22 Millionen Euro wäre sie deutlich kürzer und günstiger als die Südumfahrung gewesen. Bereits damals war die Entscheidung äußerst umstritten – das zeitigten auch die Abstimmungsergebnisse von 9:8 und 10:7. Denn durch die geplante Nordumfahrung hätten unter anderem neu ausgewiesene Gewerbeflächen und das Ärztehaus weichen müssen.

Gessertshausen musste sich mit Umfahrung hinten anstellen

Doch bereits wenige Wochen später war das in Gessertshausen strittige Projekt zum Scheitern verurteilt. Das Bundesverkehrsministerium teilte der Gemeinde mit, dass die Bahntrasse ohne Rampe nicht mehr für den Bundesverkehrswegeplan 2016 berücksichtigt werden könnte. Dieser besitzt immerhin eine Gültigkeit von 15 Jahren. Obwohl Gessertshausen täglich um die 17.000 Fahrzeuge durchquerten, sah das Berliner Ministerium keinen vordringlichen Bedarf. Die Umfahrungen von Neusäß-Vogelsang und Diedorf seien vorrangig zu behandeln, hieß es damals. Gessertshausen musste sich hintenanstellen. Im März 2017 gab Bürgermeister Mögele den Gemeinderäten noch einmal mit, sich Gedanken bezüglich der Varianten einer Umgehung zu machen (wir berichteten). Nun ist die Nordumfahrung also Geschichte.

Das Thema „Gemeindeumfahrung“ ist seit vielen Jahren in Gessertshausen virulent.
Foto: Marcus Merk (Archivfoto)

Die Gemeinde hofft, dass man das „Damoklesschwert“, das mit der Gemeindeumfahrung verbunden gewesen sei, jetzt aus dem Weg geräumt haben könnte. In den letzten Jahren sei es immer wieder vorgekommen, dass mögliche Interessenten durch das eigentlich schon aussichtslos gewordene Projekt der Nordumfahrung abgeschreckt worden seien, so Mögele. Konkret gehe es dabei um eine Fläche von 7 Hektar zwischen dem ehemaligen Mocco-Gelände und der Bahnlinie, welche sich momentan in Privatbesitz befinde. Daneben gehörten der Gemeinde innerörtlich noch „ein paar Quadratmeter“, die man gewerblich nutzen könnte, sagt der Bürgermeister.

Corona-Folgen: Gessertshausen erhält einen Finanzausgleich

Noch könne er bei den Gewerbeansiedlungen nichts Konkretes vermelden, es habe jedoch in der Vergangenheit wohl den ein oder anderen gegeben, der die Sache dem Gemeinderat schmackhaft gemacht habe. Für einen nicht unbeträchtlichen Ausgleich des coronabedingten Steuereinnahmenausfalls 2020 sorgt zudem der Freistaat Bayern, wie Mögele verkündete. Im Oktober vergangenen Jahres prognostizierte die Gemeindekämmerin Marina Fischer eine Einbuße von rund 330.000 Euro bei den Gewerbesteuereinnahmen. Wie viele andere bayerische Gemeinden erhält auch Gessertshausen einen Finanzausgleich. Mögele taxierte diesen auf ungefähr 241.000 Euro.

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