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Ausstellung

31.01.2020

Die Harmonie des Unendlichen

Einige von Karin Roths Werken scheinen von der Formensprache Piet Mondrians inspiriert zu sein.
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Einige von Karin Roths Werken scheinen von der Formensprache Piet Mondrians inspiriert zu sein.

Karin Roth entführt in Stadtbergen auf eine grafische Reise

Es ist die Harmonie des Unendlichen, die Huldigung der Regelmäßigkeit, die endlose Wiederkehr von geometrischen Figuren, Linien und Winkeln: Die grafischen Werke der Königsmooser Künstlerin Karin Roth, die derzeitig in der Stadtberger Rathausgalerie zu sehen sind, spiegeln keine realen Augenblicke oder emotionalen Seelenzustände wider, sondern scheinen schlichtweg das makellose Ineinandergreifen von Zeit und Raum in der zweidimensionalen Fläche zu verewigen.

Und trotz der absoluten Abstraktion gehen Roths großflächigen Kompositionen genau durchdachte Planungen und Regeln voraus, wie man unschwer auf den zweiten und längeren Blick erkennen kann. Sachliche Elemente aus architektonischen Konstruktionsideen setzen sich in den Exponaten gleichermaßen in Szene wie mathematische Grundkörper und Gesetzesmäßigkeiten: Dominierende Quadrate befinden sich bei Karin Roth keineswegs an irgendeiner Stelle im Bild, sondern folgen den Formeln des Goldenen Schnitts, welcher den harmonischen Aufbau von Gebäuden oder schönen Fotografien bestimmt, aber auch für die ästhetische Wirkung von Sonnenblumen, Baumkronen und Schneckenhäusern verantwortlich ist.

Zahlenspielereien werden hier zu erlebbaren Kunstwerken, Archimedische Körper zu Grundelementen, die gemeinsam eine grafische Welt der Ruhe und Ordnung schaffen. Dabei sind Materialien und Techniken der Künstlerin durchaus unterschiedlichster Art: Mal wurde Acryl auf Leinwand verarbeitet, mal war es Tusche auf Japanpapier, dann wieder räumliche Holzgebilde, in denen akribisch genau zahllose schnurgerade Linien eingeschnitten wurden, die damit zu den eigentlichen Protagonisten avancieren.

Die Harmonie des Unendlichen

Was bei Karin Roths Werken nicht übersehen werden darf, ist die Tatsache, dass es in der Kunstgeschichte durchaus Vorbilder gab – so scheinen einige der Gemälde direkt von der Ideenwelt des konstruktivistischen Künstlers Piet Mondrian inspiriert worden zu sein, während andere Exponate an die hypnotisierenden Metamorphosen M.C. Eschers erinnern. Was sich im Einzelnen hinter den grafischen Schöpfungen Roths tatsächlich verbergen mag, kann wohl von keinem außenstehenden Betrachter exakt beschrieben werden, und ebendies soll es auch nicht. Anders als bei Albert Einstein, der die physikalische Verknüpfung von Raum und Zeit mit theoretischer Zahlenkunst beschrieben hatte, offenbart sich in Roths Exponaten dieselbige Liaison in erster Linie im eigentlichen Schaffensprozess: Man mag sich gar nicht vorstellen, wie lange es wohl dauerte, Abertausende Linien mit höchster Präzision und Geduld aufeinander abzustimmen – ein grafisches Mandala der etwas anderen Art.

Roths Gemälde wollen nicht aufrütteln oder gar Geschichten erzählen, sondern einfach zum richtigen Zeitpunkt und am passenden Ort ihre Wirkung entfalten. Auf alle Fälle aber dann, wenn die Gedanken des Betrachters einmal wirklich Ruhe brauchen und ein visuelles Zeitfenster in die Unendlichkeit suchen.

„Zeit – Raum“ von Karin Roth ist noch bis zum 14. Februar im Stadtberger Rathaus zu sehen

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