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Kriegsende in Thierhaupten

28.04.2015

Die Henker von der SS töteten bis zuletzt

In der Grabstätte im St.-Georgs-Friedhof in Thierhaupten ruhten Friedrich Haas und Gerhard Zirkel.

Eine schreckliche und sinnlose Tat ist mit dem 27. April des Jahres 1945 in Thierhaupten verbunden. 70 Jahre später gedenkt Thierhaupten zweier blutjunger Opfer

Eine schreckliche und sinnlose Tat ist mit dem 27. April des Jahres 1945 in der Marktgemeinde verbunden: Mit Gerhard Zirkel und Fritz Haas starben im Alter von 16 und 18 Jahren zwei junge Menschen durch Erhängen. Die beiden Flakhelfer hatten den Krieg satt und machten sich von Genderkingen über Thierhaupten in Richtung ihrer Heimatgemeinde Neckarsulm zu Fuß auf den Weg.

In der Nacht vom 25. auf den 26. April verließen die beiden jungen Soldaten, die zwischen Donauwörth und Rain am Lech eingesetzt waren, ihre Einheit. Den Überlieferungen zufolge hatten sie sich zuvor bei ihrem Geschützführer mit den Worten abgemeldet, dass sie nun gehen, da sie den Krieg „satt“ hätten. Gerhard Zirkel, geboren in Neckarsulm, und Fritz Haas, geboren in Zwittau, wollten sich Richtung Heimat durchschlagen und wurden dabei im Laufe des 26. April in den Lechauen zwischen Thierhaupten und Meitingen von einer SS-Feldpolizeistreife aufgegriffen und nach 24 Uhr in den Regimentsgefechtsstand des Oberstleutnant Gerhard Heilbronn nach Thierhaupten gebracht.

Im ehemaligen Gasthaus Schaller wurden die jungen Soldaten in den nächsten Stunden von einem Standgericht von Mitgliedern der SS wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt. Im Gasthaus muss es zu dramatischen Szenen gekommen sein. SS-Leute wollten für die Exekution Stühle mitnehmen. Dies verweigerte jedoch die furchtlose 39-jährige Wirtin Luise Schaller vehement: „Mit meinen Stühlen hängt ihr die nicht auf!“ Und mit ihrem weiteren Flehen „lasst doch die Buben leben“, leistete sie selbst für ihre eigene Person gefährlichen Widerstand. Mit gefesselten Händen wurden die Verurteilten in Richtung Kloster abgeführt und im damaligen Kälbergarten an jeweils verschiedenen Kastanienbäumen erhängt. Ihre SS-Peiniger hatten ihnen dabei noch Pappschilder umgehängt mit der Aufschrift „Ich bin Kanonier Zirkel/Haas, war fahnenflüchtig“.

Über diese schreckliche Tat hat Thierhauptens Altbürgermeister Fritz Hölzl in den vergangenen Jahren viele Informationen zusammengetragen. „Das Geschehen am 27. April 1945 ging damals wie ein Lauffeuer durch das Dorf und bedeutete für die Einwohner eine Schreckensnachricht“, so Hölzl. „Anstatt auf Stühlen mussten sich die Soldaten auf aufgeschichtete Ziegelsteine stellen, die einfach umgestoßen wurden. Diese lagen dann noch lange Zeit am Ort des Geschehens, ebenso die Leichen, die einfach im Straßengraben verscharrt wurden“, erzählt Hölzl.

Befasst mit diesem Thema hat sich auch Otmar Krumpholz, der seit über zehn Jahren den Kameraden- und Soldatenverein vor Ort führt. Tragisch findet Krumpholz, dass die beiden Soldaten für ein Vergehen verurteilt wurden, obwohl Sie noch nicht volljährig waren und dass Stunden vor ihrem Tod der Stab ihrer eigenen Einheit von Genderkingen aus nach Thierhaupten bereits eingerückt war und deren Führung offensichtlich nichts von den Vorgängen erfahren hat.

Die Leichname der jungen Soldaten wurden später auf dem Friedhof St. Georg in Thierhaupten beigesetzt. Bis Anfang der 60er-Jahre erinnerte ein schlichtes Holzkreuz an die Kanoniere Fritz Haas und Gerhard Zirkel, ehe sie auf der Kriegsgräberstätte in Treuchtlingen ihre letzte Ruhe fanden. „Wir wollen erinnern und mahnen und dadurch besonders den jungen Menschen sagen, dass derartige schreckliche Ereignisse nie mehr vorkommen dürfen“, leitet Hölzl zur Begründung der Schaffung einer eigenen Gedenkstätte für die Soldaten über. Am 2. Mai wird einer der beiden Kastanienbäume mit einem stählernen Mantel umhüllt, der die Verwirrung der damaligen Zeit verdeutlichen soll und an die Geschehnisse des 27. April 1945 in Thierhaupten dauerhaft erinnern wird.

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