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Gersthofen

17.01.2020

Die Kol-La ist seit 50 Jahren der Höhepunkt des Faschings

Im Wahlkampf 1984 nahm Alfred Steiner die Kanidaten Sigfried Deffner, Hermann Fendt und den Kol-La-Sitzungspräsidenten Karl-Heinz Wagner auf die Schippe.
Foto: Karl-Heinz Wagner (Archiv)

Plus Karl-Heinz Wagner hatte die Idee für die Sitzungen in Gersthofen. Das Gemeinschaftsgefühl der vielen Beiteiligen ist bis heute geblieben. Wie alles begann.

Sie gehört zum Fasching in Gersthofen einfach dazu und ist weit über diese Stadt hinaus bekannt und begehrt: Die Gersthofer Faschingssitzung Kol-La. Karl-Heinz Wagner , der mit Gerhard Kampa vor 50 Jahren die Idee hatte, auch in der Augsburger Nachbarstadt eine Sitzung abzuhalten, erinnert sich noch lebhaft an Begebenheiten aus fünf Jahrzehnten närrischer Mission.

Kampa und Wagner – letzterer war damals Vorsitzender der Gersthofer Kolpingsfamilie – saßen am 3. Februar 1970 in einer Faschingssitzung der Kolpingsfamilie Lechhausen und sagten sich spontan: „Das können wir auch!“ Wagner : „Noch an Ort und Stelle im Gasthof Grüner Kranz leiteten wir erste Schritte der Umsetzung ein.“ Die erfahrenen Aktiven der Kolpingsfamilie Lechhausen unterstützten sie dabei.

Aus Kolpingsfamilie und Lechana wurde „Kol-La“

Als Ort der ersten Sitzung wurde zunächst das damalige Café Steiner ins Auge gefasst. „Doch die Lechhauser rieten uns davon ab, weil es im Saal Säulen gab, die im Weg gewesen wären. Schließlich entschied man sich für die TSV-Turnhalle. Als Spielleiter fungierte Theo Neis , und einige erfahrene Theaterspieler waren ebenfalls mit dabei. Ebenso wie die im Jahr der Stadterhebung 1969 gegründete Faschingsgesellschaft Lechana. Kolpingsfamilie und Lechana gründeten für die Faschingssitzungen den gemeinsamen Dachverein „Kol-La“. Dieser ist seit 1996 im Vereinsregister eingetragen.

Die Gersthofer Künstlerin Gertrud Öttl gestaltete den Orden und ihr Kollege Marcel Zapf schuf das Bühnenbild: Die erste Variante stellte drei Säulen dar, welche bis heute das Rückgrat der Faschingssitzungen sind: Die Kolpingsfamilie , die Lechana und die vielen freien Mitwirkenden.

Bühnenbild stammt vom renommierten Kunstmaler Marcel Zapf

„Bis heute erhalten diese nur einen Schluck aus dem Weinkelch und einen Faschingsorden für ihren Einsatz sowie ein Mitwirkendentreffen – das ist uns sehr wichtig.“ Dies trage auch zum großen Gemeinschaftsgefühl aller Beteiligten bei. Auch heute noch – seit dem Jahr 1996 finden die Aufführungen in der Gersthofer Stadthalle statt – stammt das Bühnenbild vom renommierten Kunstmaler Marcel Zapf : Es zeigt einen großen Narrenkopf, der den Zuschauern die Zunge herausstreckt.

Erster Sitzungspräsident wurde damals Werner Rehberger. Dieser trat auch selbst auf – unter anderem 1977 als singender Vogelhändler. 1978 löste ihn dann Karl-Heinz Wagner in diesem Amt ab. Seit 2014 – zunächst für die halbe Sitzung, dann komplett – bis heute ist Holger Franz Präsident, Karl-Heinz Wagner Ehrenpräsident.

Kol-La-Initiator Karl Heinz Wagner hat noch das erste Plakat zur Kol-La-Faschingssitzung in seinem großen Archiv.
Foto: Marcus Merk

Insgesamt 273 Sitzungen haben die Gersthofer Narren seit der Gründung veranstaltet. Wagner musste in seiner Amtszeit lediglich zwei davon wegen Stimmbandproblemen aussetzen – kommt aber immer noch auf die stattliche Zahl von 221 Sitzungen. Das schlimmste Erlebnis, an das er sich in Verbindung mit der Kol-La erinnert, war im Jahr 1991. „Als der Golfkrieg ausgebrochen war, mussten wir die Vorstellungen komplett absagen.“ Das brachte unterm Strich ein Minus von 6300 Mark (circa 3150 Euro) ein. „Die Orden und mehr waren ja vorbereitet.“

Spanferkel Susi begann als Bühnenkollegin und endete als Braten

Die wohl außergewöhnlichste Bühnenkollegin, mit welcher Wagner die Bühne teilte, war das lebende Spanferkel Susi. „Es wurde bei Jakob Hintermayer für den Auftritt im Sketch „Bauer und Metzger“ trainiert und fühlte sich, an der Leine auf die Bühne geführt, dort sauwohl.“ Susis Bühnenkarriere war letztendlich aber nur kurz: „Irgendwann wurde sie als Braten in fröhlicher Runde verzehrt.“

Am Programm hat sich in den 50 Jahren manches geändert: „Die Sprache ist dem Zeitgeist entsprechend lockerer geworden. Das Publikum will heute mehr die Schenkelklopfer.“ Heute vermisst er persönlich den „Literaten in der Bütt“: „Heide Baumer zum Beispiel gab sich zeitkritisch und ernst. Schon damals hat sie die Verwendung von Dioxin und die Zerstörung der Umwelt angeprangert.“

Humor ist eine ernste Sache

Stets waren die Kol-La-Aktiven mit großem Ernst bei der Sache. „Erster Spielleiter Theo Neis sagte immer ,Humor ist eine ernste Sache’.“ Daran halten sich auch die heutigen Spielleiter Manfred Lamprecht und Herbert Lenz. Und auch der Nachwuchs beteiligt sich am Gersthofer Fasching : So wurden seit 1988 bereits 61 Kinder-Kol-La-Sitzungen gezeigt, die regelmäßig nicht nur die Eltern und Großeltern der jungen Akteure begeistern.

  • Premiere der Jubiläumssaison ist am Freitag, 7. Februar, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Gersthofen.

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