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12.12.2018

Die Kommunikation mit verwirrten Menschen

Petra Wannicke
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Petra Wannicke

Petra Wannicke ist eine zertifizierte Validationslehrerin und erklärt bei einem Kurs in der Volkshochschule, wie der Umgang mit desorientierten Menschen funktionieren kann

Immer häufiger stößt Maria an ihre Grenzen. Ihre Mutter Anneliese ist alt und verwirrt, manchmal sogar desorientiert. Gespräche mit Anneliese gestalten sich für Maria zunehmend anstrengender, denn sie weiß nicht mehr, wie sie ihrer eigenen Mutter begegnen soll. Auf der Suche nach einer Lösung für ihr Problem ist sie auf Naomi Feil und ihre Kommunikationsmethode der Validation® gestoßen. Was das genau bedeutet, möchte sie nun von Petra Wannicke lernen, die dazu einen Kurs bei der Volkshochschule anbietet.

Was sich hinter dem Wort verbirgt, mit dem nur wenige etwas anfangen können, ist ein wertschätzender, empathischer Umgang mit desorientierten Menschen. Für wertvoll wird sowohl der Mensch erachtet als auch die Kommunikation mit ihm. Die Kommunikationsmethode basiert auf psychologischen Prinzipien, die Petra Wannicke auch aus ihrer Tätigkeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie geläufig sind. Sie weiß: „Es ist ein großer Schritt für Angehörige, aus den alten Schuhen zu schlüpfen und sich neu auf den Angehörigen in seiner verwirrten und vielleicht sogar desorientierten Art einzustellen.“ Doch genau diesen Weg versucht die Kommunikationsform der Validation zu bereiten.

Die typischen W-Fragen können beispielsweise dabei helfen, einen verwirrten Menschen anzusprechen. Erklärt Anneliese, sie will nach Hause, könnte Maria in ein Gespräch einsteigen und Fragen stellen: Wo ist dein Zuhause? Wo möchtest du hin? Was willst du machen? Wie fühlst du dich? Was bewegt dich? Was siehst du, wenn du an Zuhause denkst? Was machst du als Erstes, wenn du zu Hause bist? Möglich ist der Einsatz dieser W-Fragen in den ersten beiden Phasen der Desorientierung. In dieser Zeit ist eine verbale Form der Kommunikation noch möglich.

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In Phase drei und vier der Desorientierung wird diese verbale Kommunikation immer häufiger zur nonverbalen Kommunikation. Berührungen stehen dann im Vordergrund und der Gesang. „Lieder sind der Königsweg der Gefühle“, weiß Petra Wannicke. So kann das Lied „Kommt ein Vogel geflogen“ dem Gefühl des Verlorenseins Ausdruck verleihen. Das Gefühl von Wut hingegen kommt in den Klassikern „Das Wandern ist des Müllers Lust“ und „Es klappert die Mühle am rauschenden Bauch“ gut zum Ausdruck.

In der Ausbildung von Pflegekräften wird das Thema Validation regelmäßig behandelt, weiß die examinierte Krankenschwester aus eigener Erfahrung. Nur es auch in der Praxis zu leben, bedeutet eine Gratwanderung für Pflegekräfte. „Empathie und das Einlassen auf die Gefühle eines Menschen lässt sich nur schwer mit der professionellen Distanziertheit im Pflegealltag verbinden“, sagt Petra Wannicke und ergänzt: Die Kommunikationsform der Validation könne auch privat eingeübt und angewendet werden. Grundvoraussetzung ist Empathie.

Eine empathische Grundhaltung ist nötig, um herauszufinden, wo sich der andere gerade befindet, was er äußert und welche Form der Kommunikation Zugang zu diesem verwirrten Menschen ermöglicht. Gelingt die Validation in der Praxis, ist es möglich, Vertrauen zum alten Menschen aufzubauen, ihm zu ermöglichen, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und ihm so Würde und Selbstwertgefühl zurückzugeben. Auch das Lösen unerledigter Lebensaufgaben spielt im hohen Alter eine Rolle, wenn die Phase des Aufarbeitens beginnt.

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