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Gersthofen

30.07.2010

Die Suche nach dem Loch in der Wand

Juergen Fenchel (rechts) begutachtet mit System-Administrator Thomas Kronthaler einen der Großrechner im Keller des IGS-Verwaltungsgebäudes. Die Hochleistungsserver bilden den Unterbau für 700 Computer im Industriepark. Fotos: Marcus Merk
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Juergen Fenchel (rechts) begutachtet mit System-Administrator Thomas Kronthaler einen der Großrechner im Keller des IGS-Verwaltungsgebäudes. Die Hochleistungsserver bilden den Unterbau für 700 Computer im Industriepark. Fotos: Marcus Merk

Immer am letzten Freitag im Juli gibt es den "Internationalen Tag des System-Administrators". Mit diesem Gedenktag soll eine Berufsgruppe gewürdigt werden, die sonst im Hintergrund großer Firmen steht. Von Adrian Bauer

Immer am letzten Freitag im Juli gibt es den "Internationalen Tag des System-Administrators". Mit diesem

Gedenktag

soll eine

Berufsgruppe

gewürdigt werden, die sonst im Hintergrund großer Firmen dafür sorgt, dass die Computertechnik läuft.

Die Suche nach dem Loch in der Wand
Juergen Fenchel

, Leiter der Abteilung Standort-Infrastruktur beim Industriepark

Gersthofen

(IGS), erklärt, wie sein Job funktioniert.

Wer sich einen System-Administrator als bleichen Computerfreak mit dicker Hornbrille vorstellt, der nur technische Daten vor sich hinbrabbelt, wird enttäuscht. Juergen Fenchel entspannt sich zu Hause gerne mit seiner Familie oder seinem Hobby, dem Modellflug. Abgesehen von ein paar Details, wie der Titelmelodie der Serie "Raumschiff Orion" als Handy-Klingelton, erinnert bei den IGS-Technikern nichts an die lichtscheuen Gestalten, die man aus manchen Filmen kennt.

Ordentlich und kreativ müsse ein guter Administrator sein, sagt Fenchel. "Wenn man an zehn Computern zehnmal eine bestimmte Aufgabe erfüllen soll, muss auch zehnmal dasselbe Ergebnis herauskommen."

Gleichzeitig müssten die Administratoren immer Wege finden, um Probleme zu lösen, die nicht im Handbuch stehen. "Der Kunde möchte keine Bohrmaschine, sondern ein Loch in der Wand", steht auf einem Zettel an der Wand von Fenchels Büro. "Oft ist es leichter, sich Gedanken zu machen und das Problem im System zu beheben, als nur die Symptome am einzelnen PC", erklärt der 46-Jährige.

Wichtigstes Kriterium sei aber Vertrauenswürdigkeit: Die Computerfachmänner haben Zugriff auf alle Rechner im Industriepark. Und damit auch auf sensible Daten der Mitarbeiter. "Unsere Leute müssen die Privatsphäre der Mitarbeiter respektieren, aber genau genug auf die Rechner schauen, um Fehler zu beheben", sagt der Abteilungsleiter.

Genau definieren, was ein System-Administrator tut, kann der gebürtige Hesse allerdings nicht: "Wir haben vier Administratoren, aber alle haben verschiedene Fachgebiete." In dem "Gemischtwarenladen an Aufgaben", die in einem Betrieb wie IGS anfallen, sei Spezialisierung unerlässlich: E-Mail-Programme, die Vernetzung der Computer untereinander, die Großrechner im Keller - alles erfordert Experten.

"Meine Mitarbeiter kennen sich in einem Fachgebiet sehr gut aus und können in einem zweiten einspringen, wenn der Zuständige im Urlaub ist", schildert Fenchel. Für Universalkenntnisse sei das System mittlerweile aber zu komplex.

700 Computer sind ans interne Netz von IGS angeschlossen. Fenchel und seine vier Mitarbeiter Martin Kollwitzer, Thomas Kronthaler, Gabor Czutor und Marco Butkereit stellen dafür entweder die komplette Betreuung oder stehen als Dienstleister bei Problemen parat.

Sie behalten den Überblick über die Großrechner im Keller des Verwaltungsgebäudes, stellen sicher, dass alle PCs in den Firmen schnell arbeiten und die Daten der Mitarbeiter vor Zugriff von außen sicher sind. "Außerdem setzen wir Vorgaben von Firmen um, die bestimmte Internetseiten sperren lassen. Schweinkram wird beispielsweise immer blockiert", sagt Fenchel.

Dazu müssen die IGS-Mitarbeiter wissen, wie die Betriebe im Park arbeiten. Sie müssen abschätzen können, welche Probleme schnellstens gelöst werden und welche noch warten können. "Wenn bei einem Unternehmen, das auf Lager produziert, ein Drucker nicht funktioniert, steht mal ein Fass ohne Etikett herum. Wenn bei einem anderen Betrieb Lieferscheine nicht gedruckt werden können, stehen Lkw mit eiliger Fracht herum, und das kostet Geld", erklärt Fenchel. Gute Kommunikationsfähigkeiten sind dabei unerlässlich - noch ein Argument gegen blasse Computerfreaks.

Neben dem Tagesgeschäft organisieren die Administratoren Umstellungen und Aktualisierungen im System. Derzeit wird die Telefonanlage modernisiert. Als nächstes steht eine Umstellung der Betriebssysteme an, berichtet Fenchel: "Wir können mittlerweile die Systeme im laufenden Betrieb optimieren, ohne dass die Mitarbeiter der Firmen Leistungsverluste haben."

Genervt sind die Administratoren manchmal über gut gemeinte, aber nicht umsetzbare Ratschläge. Viele würden dabei die technischen Dimensionen unterschätzen, erklärt Fenchel. "Jemand, der zu Hause eine Steckdose anschließen kann, kann trotzdem kein Umspannwerk bauen." Das Verständnis für die Arbeit der Administratoren wachse aber stetig - und das nicht nur am Tag der System-Administratoren. Von Adrian Bauer

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