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Kabarett

26.01.2019

Die Wonnen des Lebens zu zweit

Alltagsszenen wie diese Szene in einem Café machen die Kunst von Herbert und Schnipsi (Hanns Meilhamer und Claudia Schlenger) aus.
Bild: Tobias Karrer

Das Best-of-Programm von Herbert und Schnipsi war eine Zeitreise durch die eigene Bühnengeschichte

Den Anfang des Best-of Programms von Herbert und Schnipsi in der Stadthalle Gersthofen macht einer ihrer frühesten Sketche. Die beiden Kabarettisten spielen ein Ehepaar, das sich, anstatt wie jedes Jahr nach Rimini zu fahren, für einen Campingurlaub in Schweden entschieden hat. Der Mann versucht erfolglos zu angeln, was vielleicht auch daran liegt, dass seine Köderauswahl aus Emmentaler, Salami und einem Keks besteht. Schnipsi als die Ehefrau träumt währenddessen vom Campari am Strand.

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Den ersten Sketch hätten sie praktisch selbst erlebt, gesteht Hanns Meilhamer alias Herbert dem Publikum am Donnerstagabend in der Stadthalle Gersthofen. Von ihren ersten Honoraren hätten sie sich damals einen VW-Bus gekauft und seien nach Schweden gefahren, erinnert er sich. Regen und Moskitos machten ihnen zu schaffen, und „nachdem wir diese Qualen überlebt haben, habe ich zu ihm gesagt, jetzt können wir auch gleich heiraten“, erklärt Claudia Schlenger.

Der Schweden-Sketch ist also nicht nur der Auftakt der Best-of Show, sondern auch eine Art Symbol für die Anfänge von Herbert und Schnipsis gemeinsamen Leben und Schaffen. Im aktuellen Programm spielen sie ihre „besten Sketche und vielleicht auch ein paar von den zweitschlechtesten“, erklärt Herbert. In 35 Jahren zusammen auf der Bühne ist einiges an Material zusammengekommen.

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Hans Meilhamer war schon vorher Kabarettist. Deshalb gehören zum Programm auch einige Nummern, die er schon ohne seine Partnerin gespielt hat. „Damals war es noch einfacher, da habe ich jeden Schmarrn auf die Bühne gebracht“, sagt er. Zwei Lieder aus dieser Zeit spielen die Künstler – jetzt natürlich zusammen. Darunter das Kultlied „Ufos: Grüne Kugeln verfolgten sieben Passagierflugzeuge“, in dem Meilhamer einen Artikel aus der Bild-Zeitung vertont hat. Außerdem performen die Künstler Herberts „Schneckenblues“, bei dem sie sich gemeinsam als Kriechtier über die Bühne schieben.

Was sie musikalisch können, präsentieren Herbert und Schnipsi immer wieder. Am besten zeigt es sich aber beim Titelsong ihres dritten Programms. „Des Lied ist schlecht“, bei dem das Duo viele verschiedene und absonderliche Instrumente gleichzeitig spielt. Meilhamer spielt zum Beispiel auf einem Karton und Plastikflaschen Schlagzeug, mit der zweiten Hand bedient er sein Akkordeon, und vor seinem Gesicht hängen unterschiedliche Plastik-Blasinstrumente.

Nicht nur Herbert und Schnipsi stehen mittlerweile seit 35 Jahren auf der Bühne, ebenso lange scheinen die Zuschauer im Publikum zu sitzen. Bei der Zielgruppe kommt das Programm an, denn Herbert und Schnipsi bleiben sich treu. Sie sind nicht nur auf Lacher aus, sondern nehmen sich die Zeit, Szenen zu entwickeln. Das Duo nimmt Geschwindigkeit aus der Comedy und verzichtet auf bedrückende, aktuelle Themen. Für 120 Minuten vergisst das Publikum die Welt außerhalb der Stadthalle, obwohl Alltagsszenen auf der Bühne dargeboten werden.

Teilweise sind die Sketche und Lieder vor allem komisch, so wie die musikalische Darstellung einer Liebesgeschichte mit den Songs „Du, I und mei Mama“ und „Koane is so wie du“. Aber die Show hat auch nachdenkliche Bestandteile. Ein Beispiel ist das Lied „Muata I bin a Guckuck“, in dem sie Ausdrücken, dass ein Kind sich nicht unbedingt dem Willen der Eltern entsprechend entwickeln muss.

In einem nachdenklichen Sketch kommt Herbert als Engel in den Himmel, wird aber versehentlich anstatt in einer wohlhabenden deutschen Familie in der Sahelzone als kleines Mädchen wiedergeboren. Hätte er das gewusst, hätte er sich zu Lebzeiten mehr für die Region engagiert, so seine letzten Worte.

Der letzte Sketch der Show kommt besonders gut an. Während „Silvester auf einer Hütte“ für das Ehepaar auf der Bühne gnadenlos schiefgeht, lacht das gesamte Publikum herzhaft. Martha und Horst Lützing aus Asbach-Bäumenheim kommen im Anschluss ins Schwärmen: „Es war super, klasse, einfach großartig.“ Aus dem Fernsehen und von einem früheren Auftritt in der Stadthalle kannten sie die Künstler schon. Besonders die Mimik und das Auftreten von Schnipsi begeistern das Ehepaar Lützing.

Ähnlich geht es Cornelia Rössle aus Saulach bei Dinkelscherben. Ihr hat die Vorstellung „sehr gut gefallen“. Auch sie kannte Herbert und Schnipsi schon aus dem Fernsehen und einem Auftritt in Augsburg. Jetzt hat sie sich sogar eine Autogrammkarte geholt. „Mir gefallen vor allem die Vielfalt und die Abwechslung zwischen Musik und Sketchen“, erklärt sie.

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