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Dinkelscherben

08.04.2019

Dieses Altenheim soll 10.000 Retter finden

Die unmittelbare Schließung ist abgewendet, doch es bleiben viele Probleme.
Bild: Marcus Merk

Plus Ein Förderverein für das sanierungsbedürftige Spital hat ehrgeizige Pläne. Denn obwohl dessen Schließung im Sommer abgewendet ist, gibt es noch viele Probleme – und einen Plan für die Zukunft.

Das über 400 Jahre alte Dinkelscherber Spital soll weiter leben - mehr noch: Aus dem Sanierungsfall soll eine Vorzeigeprojekt werden, das auf das ganze Land ausstrahlt. Diese Vision beschwor am gestrigen Sonntag Josef Guggemos vor mehreren hundert Menschen auf dem Dinkelscherber Marktplatz. Guggemos ist Vorsitzender des Ende Januar gegründeten Fördervereins für die Hospitalstiftung. Diese trägt die Altenheime in Dinkelscherben und Zusmarshausen.

Zwar ist die Gefahr einer Schließung des Dinkelscherber Heims im Sommer inzwischen abgewendet, doch es bleiben noch viele Probleme. Diese schilderte Bürgermeister Edgar Kalb, der seit Februar Stiftungsvorstand ist. So sind beide Heime (zusammen 150 Plätze) nicht voll belegt, bei hohen Fixkosten droht ein Defizit. Hinzu kommen Personalmangel und der Abgang von Heim- und Pflegedienstleitern im Laufe des Jahres. Zudem müssen die baulichen Mängel des Heims in Dinkelscherben behoben werden.

Grundstücke sind bis zu 20 Millionen Euro wert

Dennoch sagte Kalb gestern: „Ich bin zuversichtlich.“ Grundstücke und Wald der Stiftung seien zwischen 15 und 20 Millionen Euro wert, hinzu komme die Unterstützung des Fördervereins, um der 1605 gegründeten Stiftung den Weg in die nächsten 400 Jahre zu ebnen. Das nämlich ist das Ziel des Fördervereins, wie dessen Vorsitzender Guggemos auf der Bühne am Marktplatz gestern mehrfach betonte. Zunächst soll es um Sanierung und Sicherung des Heims in Dinkelscherben gehen, dann um einen Ausbau der Angebote, langfristig schließlich um „innovative Pflege- und Wohnkonzepte mit überregionaler Bedeutung“, wie es in einem Prospekt heißt.

Dieses Altenheim soll 10.000 Retter finden

Derzeit nähert sich die Mitgliederzahl des Fördervereins den 500, der Vorsitzende aber will 10.000 gewinnen – eine Größenordnung, wie sie Fußballbundesligist FCA hat. Die Veranstaltung gestern war Auftakt einer groß angelegten Mitgliederwerbung, weitere Veranstaltungen sollen folgen. Der Förderverein will das Heim nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch für den Pflegeberuf werben. Guggemos regte gestern die Errichtung einer Altenpflegeschule an. „Das ist meine Vision.“

Ein einmaliges Zeichen der Solidarität

Im vergangenen November hatte die damals kirchlich dominierte Hospitalstiftung die Schließung des Dinkelscherber Heims verkündet und mit baulichen Mängeln sowie den Personalproblemen in der Altenpflege begründet. Nach einem Proteststurm in Dinkelscherben zog sich die Kirche aus der Führung der Stiftung zurück, an deren Spitze stehen nun die Bürgermeister von Dinkelscherben und Zusmarshausen. „Dieser Schnitt hat gut getan,“ sagte Landrat Martin Sailer ( CSU). Er wertete den Protest der Bürger als „einmaliges Zeichen der Solidarität“ und sicherte die Unterstützung des Landkreises zu – „sofern wir dazu beitragen können.“

Denn in den kommenden Monaten und Jahren wartet auf die Stiftung um Vorstand Kalb viel Arbeit, wenn sie die Einrichtung zukunftsfest machen wollen. Das verdeutlichten die Redebeiträge von Sozialstaatssekretärin Carolina Trautner (CSU), Simone Strohmayr (SPD) und Fabian Mehring (FW).

Bis Jahresende muss ein Konzept vorliegen

Zwar seien im bayerischen Doppelhaushalt, der im Mai verabschiedet werden soll, 400.000 Euro enthalten, die über die neue „Förderrichtlinie für stationäre Pflege“ nach Dinkelscherben gehen könnten. Doch dazu muss bis Jahresende ein Konzept vorliegen, dass die Auszahlung rechtfertigt. Eine der Forderungen könnten Kurzzeit- und Tagespflegeplätze sein. Außerdem muss klar sein, wer die Heime künftig betreibt, nachdem die Caritas zum Jahresende ihren Rückzug angekündigt hat: Alles Aufgaben für den Stiftungsvorstand, der einen Architekten und einen Statiker damit beauftragt hat, die Umbaukosten zu eruieren.

Auch der Förderverein will rührig bleiben. Für diese Woche sucht dessen Vorsitzender Guggemos Helfer, um den Dachboden des Dinkelscherber Spitals aufzuräumen.

Hier geht es zu unserem Kommentar: Eine große Leistung

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