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Kreis Augsburg

22.11.2017

Doppelmörder von Hirblingen tötete Frauen bei regelrechtem Blutbad

Neben dem Flüsschen Schmutter fanden die Beamten kurz vor Heiligabend die Leichen der beiden getöteten Frauen aus Hirblingen.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Ein Rechtsmediziner rekonstruiert anhand der Verletzungen der Opfer den Doppelmord von Hirblingen. Doch alle Fragen zu dem grauenvollen Geschehen kann auch er nicht beantworten.

Man mag sich eigentlich gar nicht vorstellen, was genau am Morgen des 9. Dezembers 2016 im Haus von Beate N. und Elke W. geschehen ist. Doch das Augsburger Schwurgericht muss den Doppelmord von Hirblingen (Landkreis Augsburg) möglichst exakt aufklären. Daher rekonstruiert der Münchner Rechtsmediziner Oliver Peschel am Mittwochvormittag anhand der Verletzungen der beiden Frauen, wie sich die Tat zugetragen hat.

Es ist wieder ganz still im Gerichtssaal. Zwei Schwestern von Elke W., die als Nebenklägerinnen auftreten, haben entschieden, sich den Bericht des Rechtsmediziners anzutun – wohl, um das Geschehen besser verarbeiten zu können. Was sie hören, ist grauenhaft. Es muss ein regelrechtes Blutbad im Keller des Hauses gegeben haben.

Insgesamt zählt Peschel, der bei der Obduktion der Leichen dabei war, mehr als drei Dutzend Stichverletzungen an den Frauen auf, 22 bei Beate N. und 16 bei Elke W. Die Stiche haben die Körper der Frauen teils ganz durchstoßen. Die Messer müssen recht groß gewesen sein. Verletzt wurden lebenswichtige Organe und Gefäße am Hals, in der Brust und im Bauchraum. Beide Frauen verbluteten.

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Doppelmord von Hirblingen: Täter stach mit massiver Gewalt auf Opfer ein

Auffällig ist, dass bei Elke W. keinerlei Abwehrverletzungen gefunden wurden. Ganz anders bei Beate N.: An den Unterarmen, Händen und Fingern gab es teils erhebliche Schnittverletzungen, eine Sehne am Arm wurde durchtrennt. Außerdem fanden die Rechtsmediziner Spuren stumpfer Gewalt im Gesicht und am Mund von Beate N. Der Täter muss sie wohl geschlagen haben, bevor er sie tötete. Im Fall von Beate N. ist sich der Sachverständige auch sicher, dass der Mörder mit massiver Gewalt zugestochen haben muss.

Doch geht es an Detailfragen, muss der Experte passen. Wurden die Frauen gleichzeitig getötet? Verwendete der Täter mehrere Messer? Wie lange dauerte die Tat? Wie lange haben die Opfer überlebt? Hat Beate N. sich gewehrt oder hat sie versucht, ihre Partnerin zu verteidigen? Da kann Oliver Peschel aufgrund der Untersuchung der Verletzungen keine Antworten geben. Für das Gericht wäre es wichtig, solcherlei Fragen zu klären. Die Opfer sind tot, der Angeklagte Waldemar N., 32, schweigt.

Waldemar N. soll seine Nachbarinnen brutal ermordet haben. Das Urteil gegen den Verdächtigen ist für Anfang Dezember geplant.
Bild: Marcus Merk

Gutachter hält mutmaßlichen Doppelmörder für voll schuldfähig

Der gebürtige Kasache soll seine lesbischen Nachbarinnen aus Habgier ermordet haben. Laut Anklage lebte Waldemar N. immer an seinem finanziellen Limit, reizte seinen Dispo-Kredit jeden Monat aus, hatte 130.000 Euro Schulden. Nach der Tathypothese der Augsburger Kripo hat er sich am Morgen des Tattages nach seiner Nachtschicht Zugang zum Haus der Frauen verschafft. Den Schlüssel hatte seine Mutter, die sich während Urlauben der beiden Nachbarinnen um deren Katze und Pflanzen kümmerte. Offen in diesem Szenario ist aber, wie Waldemar N. genau vorgegangen sein soll. Hat er die Frauen überrascht, hat er sie eingesperrt, gefesselt? Diese Fragen bleiben womöglich für immer ungeklärt.

Denn am Mittwochmittag hat das Schwurgericht unter Vorsitz von Susanne Riedel-Mitterwieser die Beweisaufnahme überraschend kurzfristig geschlossen – obwohl möglicherweise noch Beweisanträge der Verteidiger Walter Rubach und Hansjörg Schmid anstehen. Zuvor hatte der psychiatrische Sachverständige Richard Gruber sein Gutachten über Waldemar N. erstattet. Sein Fazit: N. ist durchschnittlich intelligent, umgänglich, sozial integriert. Sein Muskeltraining im Fitness-Studio und sein Faible für Autos sind typische Beschäftigungen für einen jungen Mann. Eine psychische Erkrankung kann der Gutachter in keiner Weise erkennen. Umgekehrt heißt das, Gruber hält den Angeklagten für voll schuldfähig.

Kommen nun keine Beweisanträge mehr, könnten am kommenden Montag die Plädoyers beginnen. Gibt es noch Beweisanträge, wird das Gericht nochmals in die Beweisaufnahme eintreten müssen. Das Urteil ist für den 6. Dezember geplant.

Lesen Sie hier mehr zum Prozess: Doppelmord von Hirblingen: Gibt es einen unbekannten Helfer?

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