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Kreis Augsburg

09.10.2017

Doppelmord von Hirblingen: Wer ist "Ingrid"?

Taucher der Polizei suchen im Dezember 2016 in der Schmutter nach den beiden vermissten Frauen aus Hirblingen.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Der mutmaßliche Täter aus Hirblingen will sich nach der Bluttat mit einer Frau getroffen haben. Doch von der gibt es keine Spur.

Wer ist die Unbekannte, die der mutmaßliche Doppelmörder Waldemar N. aus Hirblingen wenige Tage nach dem Tod seiner beiden Nachbarinnen getroffen haben will? Ingrid soll die Frau heißen, mit der der 32-Jährige Mitte Dezember angeblich ein Rendezvous hatte. Könnte sie dem Mann ein Alibi für den Zeitraum nach der schrecklichen Bluttat geben? Oder ist sie nur eine Erfindung? „Er wollte mit einer Bekanntschaft etwas unternehmen“, erinnert sich die Mutter des Angeklagten. Was genau, bleibt ebenso ungewiss wie die Frage nach der Identität der Unbekannten. Der 32-Jährige schweigt seit Prozessbeginn. Sein Schwager wusste immerhin: „Er sagte damals, dass er sich mit jemandem treffen und vermutlich auch dort übernachten will.“

Nach den Recherchen der Polizei hielt sich der 32-Jährige nach dem Doppelmord tatsächlich in Tschechien auf. In Prag soll er laut Anklage versucht haben, an einem Geldautomaten 2000 Euro mit der EC-Karte eines der beiden Opfer abzuheben. Er bekam nur 400 Euro – das Tageslimit war bereits überschritten. Am Abend vorher soll Waldemar N. in der Kreissparkassen-Geschäftsstelle in Steppach Geld gezogen haben: 1620 Euro von zwei verschiedenen Konten. Insgesamt soll der Mann binnen weniger Tage rund 5000 Euro abgehoben haben. Das Motiv laut Anklage: Habgier.

Mehr als 30 Messerstiche bei Doppelmord von Hirblingen

Waldemar N. hatte sich die Geheimnummern für die EC-Karten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mit Gewalt am Morgen des 9. Dezember 2016 verschafft. Der damals 31-Jährige soll zu den beiden Nachbarinnen gegangen sein und sie mit mehr als 30 Messerstichen regelrecht niedergemetzelt haben.

Was für ein Mensch ist der mutmaßliche Doppelmörder Waldemar N.?
Bild: Marcus Merk

Wie genau sich die Tat abgespielt hat, ist unklar. Zweifel gibt es auch am Zeitpunkt: Ein junges Paar, das im selben Haus wohnt, will die beiden Frauen noch am Freitagabend gesehen haben. Die Polizei geht davon aus, dass die Beiden aber schon tot waren. Und der Angeklagte? Er soll an dem Abend ins Bett gegangen sein, berichtete seine Mutter am Montag. Stunden vorher, am Morgen, war er angeblich mit einem Kollegen unterwegs. Der Maschinenführer war gegen 6.30 Uhr von seiner Nachtschicht nach Hause gekommen und schickte dann gegen 7.45 Uhr seiner Mutter eine Nachricht. Er teilte ihr mit, dass er sich nicht wie sonst um den Hund im Haus kümmern könne. Gegen Mittag sei Waldemar N. dann wieder daheim gewesen. Gemeinsam wurde gegessen, anschließend ging es zur Metro zum Einkauf.

Von den netten Nachbarinnen fehlte jede Spur

Tags darauf sei „Waldi“, wie ihn Freunde nennen, abends zu einer Weihnachtsfeier gefahren und spätnachts heimgekehrt. Am Sonntag habe er dann über starke Kopfschmerzen geklagt. Die Mutter berichtete auch von einer Beobachtung, die ihr Sohn gemacht hatte: Als er den Hund am Sonntag nach draußen führte, will er ein schwarzes Auto mit heruntergelassenen Scheiben gesehen haben. Am Montag und Dienstag habe sich ihr Sohn bei seiner Arbeitsstelle krankgemeldet. Am Mittwoch traf er angeblich die unbekannte Ingrid.

Hat Waldemar N. seine beiden Nachbarinnen ermordet? Der Angeklagte, hier mit seinen Verteidigern Hansjörg Schmid (links) und Walter Rubach, schweigt vor Gericht.
Bild: Marcus Merk

Zu diesem Zeitpunkt war für die Mutter längst klar, dass im Nachbarhaus etwas nicht stimmt. Die Jalousien waren seit Tagen heruntergelassen, und keine der beiden Nachbarinnen war telefonisch zu erreichen. Sie hätten Bescheid gegeben, wenn sie kurzfristig verreist wären. Schließlich hätte sich jemand um die Katze in der Wohnung kümmern müssen – eine Aufgabe, die die Nachbarin und ihr Sohn seit vielen Jahren übernahmen. Sie hatten deshalb auch die Schlüssel für das Nachbarhaus.

Die 62-Jährige schickte zunächst ihren Sohn und ihren Schwager, die nebenan nach dem Rechten schauen sollten. Doch die „trauten“ sich nicht ins Haus. Der Schwager sagte am Montag vor Gericht: „Wie schaut das denn aus? Wir in der Wohnung, und auf einmal kommen sie zurück und stehen hinter uns?“ Trotzdem habe er ein komisches Gefühl gehabt. Am nächsten Tag ging die Nachbarin mit ihren Sohn und zwei beunruhigten Arbeitskollegen einer der beiden Frauen in die Wohnung – in einer Handtasche entdeckten sie, dass die EC-Karte fehlte. Auch von den netten Nachbarinnen fehlte jede Spur.

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