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Gablingen

09.02.2017

„Dreck“ auf historischen Ausgrabungen

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Kreisheimatpflegerin Gisela Mahnkopf hat dafür gesorgt, dass die Überreste der Blechschmiede in Gablingen ausgegraben wurden.

 Kreisheimatpflegerin beklagt, dass Reste des KZ-Außenlagers am Alten Flugplatz verfüllt wurden. Der Bürgermeister hält dagegen. Eine Gedenktafel will er später einmal nicht ausschließen.

 Gablingen Die Überreste des ehemaligen KZ-Außenlagers von Dachau im Gablinger Gewerbe- und Industriegebiet am Flugplatz I werden, wie berichtet, mit Einverständnis des Landesamts für Denkmalpflege mit einer vier Meter hohen Erdschicht überdeckt.

Vor Kurzem abgesegnet

Dies hat der Gemeinderat vor Kurzem abgesegnet. Mit den so geschaffenen Fakten, dem Umgang mit den Überresten einer „unbequemen Vergangenheit“ ist Kreisheimatpflegerin Gisela Mahnkopf äußerst unzufrieden: „So sollte man mit einem Erinnerungsort nicht umgehen“, sagte die Kreisheimatpflegerin Archäologie auf Rückfrage.

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Die „konservatorische“ Überdeckung der Reste des KZ-Außenlagers sei vom Landesamt für Denkmalpflege vielleicht in bester Absicht angeordnet, aber ohne jegliche fachgerechte Anleitung und Bauaufsicht mit „verdrecktem und vermülltem Oberbodenmaterial“ ausgeführt worden.

„Das, was jetzt passiert ist, ist Mist“, sagt Gisela Mahnkopf. Das verfüllte Material sei Müll und nicht geeignet für eine konservatorische Maßnahme. Das Vorgehen zeuge nicht vom verantwortungsvollen Umgang mit einem „Ort, der ein Gedenkort sein sollte“.

Wie berichtet, war bei der Kampfmittelräumung des Gebiets am Flugplatz durch die Gemeinde Gablingen viel Aushubmaterial angefallen, das die Kommune zum Teil wegen Kontaminierung entsorgen musste, zum Teil aber wieder verfüllen konnte – etwa bei den Ausgleichsflächen mit den KZ-Überresten.

700 000 Euro Kosten

Letztlich muss Gablingen, wie in einer Gemeinderatssitzung beklagt wurde, dafür 700000 Euro aufbringen – in dieser Größenordnung unvorhergesehen. Das betroffene sensible historische Areal darf mit Aushub bedeckt und mit flachwurzelnden Gewächsen bepflanzt werden. „Das ist alles abgestimmt mit dem Landesamt für Denkmalpflege“, stellt Gablingens Bürgermeister Karl Hörmann noch einmal klar.

Seit Jahren hätten sich die Kreisheimatpflege und Mitglieder des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte mit dem Gelände beschäftigt, erinnert Gisela Mahnkopf. Sie unterstützten die Vorbereitung der Ausgrabungen, schufen Kontakt zur Hochschule Augsburg. Studenten von dort vermaßen schließlich das Gebiet und erarbeiteten mehrere Vorschläge, wie mit der Substanz umgegangen werden könnte und wie Erinnerungsstätten aussehen könnten.

Ausgrabungen wurden dokumentiert

In einer Broschüre „Das KZ-Außenlager Gablingen – Zeitgeschichte und Erinnerungskultur“ wurden die Ergebnisse dokumentiert, eine Ausstellung im Landratsamt fand im Oktober 2014 statt. „Die Ausgrabungen im Jahr 2016 ergaben weitere interessante Aspekte zum Aufbau und der Versorgung des Lagers“, ergänzt Gisela Mahnkopf.

Leider sei die Diskussion über einen würdigen Umgang mit „diesem schweren Erbe“ nicht erfolgt und offenbar auch nicht gewünscht. Die Heimatpfleger hätten genug für eine angemessene Erinnerungskultur geliefert, aber „die Gemeinde hat kein Interesse“, betont Gisela Mahnkopf. Ebenso habe in Gablingen bisher kein Interesse an Vorträgen und einer Ausstellung zum Thema bestanden. Sie könne damit leben, wenn die Natur, der Wald, langsam Ausgrabungen überwuchert wie bei einem KZ-Außenlager bei Horgau – aber in Gablingen „ist einfach Dreck drauf“.

Eine Gedenktafel zur Erinnerung an das Geschehen im ehemaligen Außenlager sei keineswegs vom Tisch, weist Bürgermeister Hörmann indes hin. Darüber mache man sich im Rahmen der Bepflanzung des Gebiets Gedanken und stimme sich auch mit der Stiftung KZ Dachau ab, die eine Präsentation über die Außenlager des KZ erarbeite. "Kommentar

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