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Neusäß

16.01.2020

Ein Experte gibt Tipps gegen die Rutschgefahr im Bad

„Die Badgestalter“, Alfons Kugelmann und Petra Schabinger, die Inhaber der Firma Zitzelsberger in Neusäß, zeigen ein behindertengerechtes Bad in ihrem Ausstellungsraum.
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„Die Badgestalter“, Alfons Kugelmann und Petra Schabinger, die Inhaber der Firma Zitzelsberger in Neusäß, zeigen ein behindertengerechtes Bad in ihrem Ausstellungsraum.
Bild: Andreas Lode

Plus Die Firma Zitzelsberger hat sich auf den Umbau von Sanitärräumen spezialisiert. Welche Ratschläge Inhaber Alfons Kugelmann hat.

Etwa 90 Bäder und Gäste-WCs haben Alfons Kugelmann und sein Team im vergangenen Jahr umgebaut. Meistens Bäder, die für ältere Menschen nicht mehr geeignet oder zu nutzen waren. Denn Gefahrenstellen gibt es viele: eine hohe Badewanne, scharfe Kanten an den Heizkörpern oder eine nach innen aufgehende Tür. Stürzt jemand zu Boden, kommen Familie oder Notarzt oft nicht mehr rein.

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Vor einem Jahr nach Neusäß gezogen

Alfons Kugelmann ist mit seiner Firma Zitzelsberger Badgestalter vor einem Jahr von Augsburg nach Neusäß in das ehemalige Gebäude einer Schreinerei in der Piechlerstraße gezogen. Zusammen mit seiner Frau Petra Schabinger hat er der in Steppach aufgewachsene Unternehmer sich auf Badgestaltung spezialisiert.

So sehen viele Bäder aus, die im Alter umgebaut werden sollten. Gefährlich bei Stürzen sind zum Beispiel die Ecken der Fensterbretter.
Bild: Andreas Lode

Die Nachfrage nach Umbauten steige von Jahr zu Jahr, berichtet der Geschäftsinhaber. Viele Verbraucher wüssten, dass eine unbequeme Sanitäranlage das Hindernis Nummer eins ist, um möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben und nicht ins Heim zu müssen. Kugelmann betont: „Barrierefrei muss nicht Klinikcharme bedeuten.“ Ein Rat ist ihm wichtig: Sich rechtzeitig Gedanken über einen Umbau machen, bevor jemand verletzt wird. Damit es nicht so läuft wie in einem aktuellen Fall: Ein 65-jähriger Kunde ist beim Aussteigen aus der Badewanne ausgerutscht, aufs Waschbecken gefallen und ist jetzt querschnittsgelähmt. Sein Bad muss in der ganzen Not unter Hochdruck für ihn umgebaut werden.

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Bad soll für die nächsten 20 bis 30 Jahre passen

Es gebe aber auch die Kunden, die sich rechtzeitig über ein anderes Bad Gedanken machen, sagt Petra Schabinger. Meist, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Die Zeit, in der kleine Kinder in der Wanne gebadet wurden, ist vorbei, und die Bewohner können das alte Bad nicht mehr sehen. „Die meisten machen es dann gleich so, dass es für die nächsten 20 bis 30 Jahre passt.“ Ein neues Bad inklusive aller Arbeiten, Materialien und Licht mit einer Größe von acht bis zwölf Quadratmetern koste rund 32.000 bis 36.000 Euro, sagt Kugelmann. Solche Zahlen seien aber schwierig zu verallgemeinern: „Jedes Bad schaut anders aus und die Wünsche auch.“

Kugelmann hat die seit über 70 Jahren bestehende Firma von Wilfried Zitzelsberger übernommen und den Namen beibehalten. In einer Weiterbildung hat sich der gelernte Elektriker und Sanitär- und Heizungstechniker auf Badgestaltung spezialisiert. Die Gefahr für Unfälle im Bad sei groß, weiß der Experte. Grund sei gerade bei Senioren Schwindel oder Schwäche. Oftmals müsse er aber auch im Erdgeschoss eine ehemalige Speise oder ein Gäste-WC zum Bad ausbauen, weil einer der Bewohner nicht mehr die Treppe nach oben kommt.

So einfach wird das Bad barrierefrei

Um ein Bad barrierefrei und seniorenfreundlich zu machen, gibt es einige Ansatzpunkte. Schiebetüren aus Glas seien sinnvoll, so Kugelmann. So kämen Helfer gut nach innen, wenn jemand im Bad umgefallen ist. Wannen seien oft ein großes Problem. „Reinkommen geht für viele noch, aber raus eher schlecht.“ Besser geeignet sei eine bodengleiche und rollstuhlgerechte Dusche mit einer Glasfaltwand. Kugelmann: „Der Aktionsradius mit Rollstuhl oder Gehhilfe muss möglichst groß sein.“ Herumstehende Dinge wie Abfalleimer oder Behälter für Schmutzwäsche sind dem Spezialisten ein Dorn im Auge. Diese Stolperfallen sollten in Schränken oder Wänden integriert sein. In der Dusche sind ein Haltegriff und ein Klappsitz eine Hilfe. Unpraktisch findet Kugelmann die Badehocker für Duschen, die von den Krankenkassen verschrieben werden. „Das geht doch immer im Weg um.“

Als Vorbild bei Toiletten gilt Japan

Von den Japanern könnten sich die Deutschen einiges bei den Toiletten abschauen, sagt Kugelmann. In dem Land seien Washlets gang und gäbe. Diese Toiletten haben einen „Nasswaschgang“ und einen Föhn und sind über Fernbedienung zu steuern. Gerade für Nutzer, die nicht mehr so beweglich sind, sei dies eine Erleichterung bei der Hygiene.

Auch beim Waschbecken gibt es Dinge zu beachten: Gut wäre, wenn es darunter zu befahren ist und seitlich Griffe zum Hochziehen hat. Der Hahn sollte zum Schwenken sein, damit man sich die Haare waschen kann. Überstehende Fenstersimse gehören nach Ansicht von Kugelmann entfernt und bündig zur Wand abgeschlossen. Schwellen auf dem Boden seien gefährlich. Um dem Menschen das Gefühl von Sicherheit zum Beispiel beim Schwindel zu geben, spiele auch die Farbgebung eine Rolle: Unten dunkel und nach oben hell. Kugelmann: „Das erdet uns.“

In der Neusässer Firma arbeiten zwölf verschiedene Handwerksberufe für den Umbau eines Bads Hand in Hand. 15 Angestellte gibt es. Kugelmann hat übrigens Grund zur Freude: Die Firma bekam die Auszeichnung „Badplaner des Jahres 2019“. Der Unternehmer aus Neusäß hatte sich gegen mehr als 100 Badgestalter durchgesetzt. Der Preisträger überzeugte mit Planung und Umsetzung eines Bades in Augsburg. Nach dem Vorbild der vom Schweizer Architekten Peter Zumthor errichteten Valser Therme (Graubünden, Schweiz) wurde das Badezimmer in einem Einfamilienhaus gestaltet. Der jährliche Wettbewerb wird seit 1997 von der Leistungsgemeinschaft des Sanitär- und Heizungsfachhandwerks SHK, Bruchsal, ausgeschrieben.

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