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Gablingen

02.11.2012

Einbrecher beim Geheimdienst

„Elefantenkäfig“ ist der Spitzname dieser Antennenanlage in der Nähe von Gablingen – von der Bundesstraße B 2 aus ist sie gut zu sehen. Die Anlage wurde vom US-Militär errichtet, heute soll der Bundesnachrichtendienst hier aktiv sein. Das Areal ist offensichtlich auch für Metalldiebe attraktiv.
Bild: Marcus Merk

Diebe haben sich auf das streng geheime Areal der früheren Fernmeldestelle Gablingen geschlichen. Sie hatten es offenbar auf etwas Bestimmtes abgesehen.

Sie kamen bei Nacht und Nebel und nahmen Metallteile mit. Bemerkt wurde ihr Eindringen aber erst ein paar Tage später. Erneut haben Buntmetalldiebe auf dem Gelände der früheren Fernmeldestelle in Gablingen (Kreis Augsburg) zugeschlagen. Von dort aus soll heute noch der Bundesnachrichtendienst (BND) in alle Welt lauschen. Vom kriminellen Treiben in der direkten Nachbarschaft bemerkten die Geheimdienstler aber offenbar nichts.

Nach Angaben der Polizei in Gersthofen zerschnitten bislang unbekannte Täter in der Zeit zwischen vergangenen Freitag und Dienstag den äußeren Zaun im Norden des Geländes. Sie verschafften sich auf dem Areal Zugang zu leer stehenden Gebäuden und stahlen daraus Schrott in unbekannten Mengen. Das geheimnisumwitterte Areal ist offenbar ein lohnendes Ziel für Buntmetalldiebe. Sie haben dort nicht zum ersten Mal lange Finger gemacht, heißt es.

Während des Kalten Krieges tummelten sich auf dem Gelände zahlreiche Angehörige des US-Militärs, heute ist es weitgehend verwaist, nur wenige Gebäude werden noch benutzt. Von wem und wofür, darüber wird meist nur gemunkelt – ebenso wie über unterirdische Tunnels und Bunker, welche die Nazis und die US-Truppen hinterlassen haben sollen. Schon beinahe ein Jahrhundert lang ist die Zone ein Sperrgebiet. Seit dem Jahr 1916, als das Kriegsministerium im Auftrag des letzten bayerischen Königs Ludwigs III. den Flugplatz errichtet hat, sind die Gablinger daran gewöhnt, dass sie das Gebiet nicht betreten dürfen. Damals entstanden Hallen, Tank-Anlagen und ein Schießstand. Baracken und Kasernen wurden gebaut. Der Künstler Paul Klee soll bis 1918 als junger Rekrut auf dem Flugplatz gedient haben.

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Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gelände „zurückgebaut“. Was nützlich erschien, nahmen die französischen Streitkräfte mit. Doch 1934 war auch das vorbei. Im Dritten Reich wurde der Flughafen wieder für militärische Zwecke gebraucht und diente als Umschlagplatz für Ausrüstung, Munition und Verpflegung.

1945, ein Jahr nach dem Bombenangriff, übernahmen die Amerikaner das Areal. 1971 begann der Bau des Antennen-Gitters , das bis heute die Landschaft prägt. „United Army Field Station“ nannten die Amerikaner damals das 143 Hektar große Gelände – und gaben dem Antennen-Kreis den Spitznamen „Elefantenkäfig“. Im Dezember 1998 zogen die Amerikaner aus Gablingen ab. Sie übergaben das Gelände samt Abhöranlage an die Bundeswehr, die den Horchposten offiziell nicht mehr betreibt. Der Bundesnachrichtendienst dagegen hat Gablingen offiziell als einen der Standorte aufgelistet, die nicht mit in die neue Zentrale nach Berlin umziehen.

Die Ermittler vermuten, dass die Metallpreise die Täter animieren

Buntmetalldiebstähle sind ein Phänomen, das die Ermittler seit einigen Jahren verstärkt beschäftigt. Oft schlagen die Diebe auf Baustellen zu, wo Rohre und Kabel nicht gut gesichert und damit eine leichte Beute sind. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Kriminellen ihre Beute später an Schrotthändler verkaufen. Eine eigene Statistik zu den Metalldiebstählen führt die Polizei nicht. Die Ermittler der Kripo vermuten aber, dass hohe Metallpreise die Täter animieren.

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