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09.04.2019

Erinnerung an die Opfer der Nazis

Neue Initiative setzt sich für die Setzung von Stolpersteinen in Gersthofen ein

Sie wollen an Menschen aus Gersthofen erinnern, die von den Nazis verfolgt wurden: Auf Einladung und Initiative von „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ und des VVN Kreisverbands Augsburg beschlossen Zeitzeugen und interessierte Bürger, sich für die Erforschung von Schicksalen von Opfern des NS-Terrors und die Verlegung von Stolpersteinen für diese Personen in Gersthofen einzusetzen.

Zehn Personen, darunter zwei Zeitzeugen, hatten sich zum ersten Treffen eingefunden. Thomas Hacker berichtete als Sprecher der Augsburger Initiative von den Erfahrungen im Umgang mit den Behörden, der nicht immer reibungslos vonstatten gegangen sei. Insbesondere lehnte das Kulturamt in Augsburg eine Verlegung von Steinen für überlebende Opfer ab. Es wurde positiv hervorgehoben, dass der Gersthofer Stadtratsbeschluss eine Verlegung von Steinen auch für überlebende Opfer vorsieht. Es können Stolpersteine für alle Opfergruppen, Juden, Sinti und Roma, politisch und religiös Verfolgte, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, geistig und körperlich behinderte Menschen, zwangssterilisierte Personen, Zwangsarbeiter und Deserteure verlegt werden.

Der Historiker Bernhard Lehmann konnte bisher in den Archiven über 20 Personen ausfindig machen, für die Stolpersteine verlegt werden können. Ohne Namen zu nennen, berichtete er über die Schicksale von Gersthofer Bürgern, die aus politischen Gründen verfolgt, Opfer, die im Rahmen der „Euthanasie“ in Hartheim und Grafeneck ermordet wurden, über zwangssterilisierte Personen, Zwangsarbeiter und „Asoziale“, die zum Beispiel wegen Kleindiebstählen verurteilt und schließlich in Auschwitz ermordet wurden.

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Über die Verlegung entscheidet ein Fachbeirat nach Prüfung jedes Einzelfalls und der Zustimmung der noch lebenden beziehungsweise auffindbaren Angehörigen. Lehmann betonte, dass es darum gehe, an die Opfer zu erinnern und aus der Vergessenheit „herauszuholen“. Andererseits gehe es auch darum, den Bürgern vor Ort bewusst zu machen, wohin Ausgrenzung von Menschen führt.

Ausdrücklich wollte er die Veranstaltung im Asgardhotel als Kontrapunkt zum während des Parteitages in Augsburg dort wohnenden führenden AFD-Parteipräsidium verstanden wissen: „Gersthofer Bürger stehen für Mitmenschlichkeit, Wahrung der Würde des Menschen, für Toleranz, Empathie und Religionsfreiheit. Für Gruppierungen, die Minderheiten ausgrenzen und diskriminieren, ist hier in Gersthofen kein Platz“. Lehmann weiter: „Die AfD schrieb in ihrem Grundsatzprogrammentwurf vom 23. Februar 2016, Seite 46 fest, dass nicht therapierbare Alkohol- und Drogenabhängige sowie psychisch kranke Täter  … nicht in psychiatrischen Krankenhäusern, sondern in der Sicherheitsverwahrung unterzubringen seien.“ Genau dies sei während der Zeit des Nationalsozialismus mit einem 22-jährigen Bürger in Gersthofen geschehen. Er sei von der Sicherheitsverwahrung in der Tötungsanstalt in Hartheim bei Linz ermordet worden. Der Stolperstein für diesen jungen Menschen sei eine Warnung und Mahnung zugleich.

Jeder Gersthofer Bürger kann sich der Initiative anschließen und sich bei der Recherche beteiligen. Meldungen werden entgegengenommen unter bernhard.lehmann@gmx.de.

Das nächste Treffen findet erst nach der Bildung des Fachbeirats statt. Dieser Fachbeirat ist nach Angaben des Kulturreferenten Uwe Wagner derzeit in der Konstituierungsphase. „Uns fehlt noch das letzte Mitglied – ein Lehrer der Anna-Pröll-Mittelschule. Wenn dieser benannt wurde, soll das Gremium umgehend zusammenkommen“, kündigt Wagner an. (AL)

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