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Heretsried

02.08.2017

Für solche Auftritte ist dieses Theater gebaut

Gebannt lauschte das Publikum im Griechischen Theater Heretsried den Klängen von Klarinette und Gitarre.
Bild: Michael Daum

Im Griechischen Theater begeistert das Duo Susanne Ortner und Tcha Limberger mit Gypsy-Jazz. Die Künstler kamen von so weit her nach Heretsried wie noch nie zuvor.

Ein glücklicher Zufall hat zu einem herausragenden Konzert im Griechischen Theater der Familie Bernhard in Heretsried geführt. Das Duo Ortner und Limberger, die Künstler des Abends, waren hierfür von weit her angereist. „Von noch viel weiter als je ein anderer Künstler“, erklärte Marlies Bernhard: Der Multi-Instrumentalist Tcha Limberger – schon Vater und Großvater waren Musiker des Gypsy-Jazz – lebt im belgischen Brüssel, kam aber gerade aus Frankreich von einem Konzert in Toulouse. Die Klarinettistin Susanne Ortner stammt ursprünglich aus Meitingen, wohnt nun aber in New Orleans.

Kennen und schätzen gelernt haben sich die beiden ganz zufällig vor zwei Jahren auf einem Festival zu Ehren des Urvaters der Gypsy-Jazz-Gitarre, Django Reinhardt, in der Nähe von Boston. Die beiden recht unterschiedlichen Musiker, die sich sonst in diversen Formationen und Genres tummeln, entdeckten damals bei einer späten Jam-Session ihre gemeinsame Liebe zu den alten, aber zeitlosen Stücken des New-Orleans-Jazz.

Als wären die Fluten der Seine und des Mississippi in Heretsried zusammengelaufen, mischten Limberger und Ortner virtuosen Gypsy-Swing à la Django Reinhardt mit Musette, Gospel, Calypso und dem urtümlichen Jazz aus „The Big Easy“, wie die Einwohner von New Orleans ihre Heimat, die Wiege des Jazz, liebevoll nennen. Und wie das Etikett „The Big Easy“ zu der Stadt passt, so passte es auch aufs Konzert. Äußerst umfangreich war die Auswahl der Stücke, alles wurde geboten, von Jelly Roll Mortons „The Crave“ über Sydney Bechets „China Boy“ bis zu Alphonse Picous „High Society“ und „Crepescule“ von Reinhardt.

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Mit immer neuen und einfallsreichen, teils wirklich ungewöhnlichen Arrangements überraschten Ortner und Limberger zweieinhalb sehr kurze Stunden lang die gebannten Zuhörer. Ein nie versiegender Strom musikalischer Ideen, munter angeschoben durch atemberaubende Soli, wälzte sich breit über Heretsried. Hier bauten sich zwei große musikalische Künstlerpersönlichkeiten Brücken über die Grenzen der Genres hinweg.

Voller Leichtigkeit vorgetragen, prasselten mal teuflisch-schwierige Passagen, mal komplizierte Einsätze und immer wieder intuitive solistische Einwürfe ins Theaterrund. Da erheiterte Limberger mit seinen kleinen Ausflügen in die Gefilde des Scat-Gesangs, hier schmetterte er im gepressten Falsett-Ton Improvisationen im Stil einer Sordino-Trompete zur Gitarre. Wie magisch miteinander verbunden, loteten zwei höchst virtuose, kongeniale Musiker Melodien und Akkorde in überraschenden, kollektiven Improvisationen aus und erweckten so alten Jazz zu neuem Leben. Kein Wunder, dass für solche Höchstleistungen mit Zwischenapplaus nicht gespart wurde. „Für Auftritte wie heute ist dieses Theater gebaut“, meinte Marlies Bernhard am Ende des Konzerts. Und in der Tat: Die gute Akustik der Anlage, die die Bernhards vor langer Zeit eigenhändig am Nordhang ihres Grundstücks errichtet haben, erlaubte ein rein akustisches Konzert, ganz ohne Mikrofone, Lautsprecher und Mischpult, in dessen Verlauf sich die brodelnde Vitalität und Spielfreude eines unvergesslichen Duos unmittelbar in die offenen Ohren des Publikums bohren konnte.

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