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Gersthofen/Donauwörth
22.11.2019

Mit Tempo 220 auf der B2: Raser muss in psychiatrische Klinik

Ein 37-jähriger Raser war am Wochenende mit Tempo 220 auf der B2 unterwegs. Er flüchtete vor der Polizei. Nun muss er in eine psychatrische Einrichtung. 
Foto: Marcus Merk

Ein 37-Jähriger aus dem Raum Donauwörth hatte sich jüngst eine wilde Verfolgungsfahrt durch den Landkreis Augsburg geliefert. Nun wurde er in eine Klinik eingewiesen.

Der 37-jährige Raser, der sich am Sonntag eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hatte und zeitweise mit Tempo 220 auf der B2 geflüchtet war, wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Im Herbst war er schon einmal untergebracht worden, nachdem er im südlichen Donau-Ries-Kreis und im nördlichen Landkreis Augsburg Wegekreuze mit Christusfiguren beschädigt hatte. Teilweise benutzte er dazu eine Motorsäge.

Grundlage für die Einweisung ist das umstrittene bayerische Psychisch-Kranken-Gesetz: Es regelt, wer bei einer akuter Selbst- oder Fremdgefährdung in ein psychiatrisches Fachkrankenhaus kommt. Wie eine Einweisung allgemein ablaufen kann, erklärt Florian Burkhardt. Er ist Richter am Amtsgericht Augsburg.

Wann muss ein Raser in eine psychiatrische Einrichtung?

Wer psychisch auffällig ist, von der Polizei aufgegriffen und in eine Bezirksklinik gebracht wird, müsse zunächst zeitnah ärztlich untersucht werden. Bis 12 Uhr am Folgetag muss dann das Gericht informiert werden – ein Richter entscheidet dann über einen Freiheitsentzug. Im Verfahren seien mehrere Varianten möglich:

  • Der Arzt stellt fest, dass dem Patienten nichts fehlt, weil die psychische Auffälligkeit zum Beispiel in einem besonderen Emotion begründet liegt. Dann wird er entlassen.
  • Häufiger komme es laut Richter Burkhardt vor, dass Patienten selbst erkennen, dass sie Hilfe brauchen, einwilligen und bleiben.
  • Gibt es keinerlei Einsicht und es liegt nach Ärzte-Gutachten eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung vor, dann entscheidet der Richter die Zwangseinweisung.

Genau mit diesem richterlichen Beschluss wurde entschieden, dass der Mann vorerst im Bezirkskrankenhaus bleibt. Er war am Sonntag mit seinem PS-starken Audi über die B2 gerast. Beamte der Donauwörther Verkehrspolizei-Inspektion hefteten sich an die Fersen und versuchte ihn zum Anhalten zu bewegen. Doch der 37-Jährige reagierte nicht. Stattdessen gab er Gas – mit mehr als 220 Stundenkilometern raste er laut Polizei auf der B2 in Richtung Augsburg. An der Gersthofer Abfahrt zur Bahnhofstraße verringerte der Mann die Geschwindigkeit, verließ die B2 und bog in Richtung Hirblingen ab. Er überfuhr zwei rote Ampeln an der Brücke und am Hery-Park. Fußgänger befanden sich in diesem Augenblick nicht auf der Straße – zum Glück. Sonst hätte das passieren können, was am Wochenende in München für Schlagzeilen sorgte. Ein Autofahrer war nachts durch die Landeshauptstadt gerast und hatte eine Gruppe Jugendlicher erwischt, die gerade die Straße überqueren wollte. Das bezahlte ein 14-Jähriger mit seinem Leben – eine Tragödie. In Gersthofen war laut Polizei nichts passiert, weil andere Verkehrsteilnehmer absolut besonnen reagiert hätten. Viele Autofahrer mussten aber stark abbremsen, um einen Unfall mit dem Audi Q5 zu verhindern.

Wilde Verfolgungsjagd auf der B2

Der 37-Jährige steuerte dann mit mehrere Streifen im Schlepptau die A8 an. Auf der Autobahn gab er in Fahrtrichtung Stuttgart wieder Gas. Kurz vor der Ausfahrt Adelsried war dann Schluss: Mehrere Polizeifahrzeuge versperrten dem 37-Jährigen den Weg, die Streifen dahinter keilten den Audi ein. Der 37-Jährige wurde festgenommen, der Führerschein kassiert. Ein Alkoholtest verlief negativ. Anders war es bei einem Mann, der sich vor Jahren bei Tempo 190 auf der B2 eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei geliefert hatte. Bei ihm wurde ein Alkoholwert von 2,66 Promille festgestellt. Wie durch ein Wunder wurde damals niemand verletzt, das Gericht verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr. Damals wurde nicht erkannt, dass er nicht nur ein Alkoholproblem, sondern auch eine Persönlichkeitsstörung hat.

Monate später stach er 2012 in Langweid ohne Vorwarnung dreimal auf den Lebensgefährten seiner Ex-Freundin ein. Der Mann wurde zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Das Augsburger Schwurgericht ordnete eine Unterbringung in einer geschlossenen Therapieanstalt an.

Polizei sucht nach Zeugen

In der Vergangenheit gab es übrigens immer wieder Kritik am Psychisch-Kranken-Gesetz: Nach dem Fall des zu Unrecht eingesperrten Gustl Mollat bemängelten Gegner, dass zum Beispiel depressive Menschen nach Regeln, die bisher nur für Straftäter galten, festgesetzt werden können – ohne dass eine Straftat vorliegt.

Die Polizei Gersthofen bittet andere Verkehrsteilnehmer, die der 37-jährige bei seiner rasanten Fahrt gefährdete, sich zu melden. Die Telefonnummer der Inspektion Gersthofen lautet 0821/323-1810.

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