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Gersthofen

12.09.2019

Gersthofen konzentriert sich jetzt auf tote Leitungen

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Gersthofen ist auch auf der Suche nach „Totleitungen“: stillgelegte Leitungen, in den das Wasser steht.
Bild: Stephan Strehle/Stadtwerke

Was die Stadt unternimmt, um dem „Übeltäter“ auf die Spur zu kommen. Einige Bürger werden in der nächsten Zeit Besuch vom Wasserwerk bekommen.

Seit drei Wochen müssen die Gersthofer ihr Leitungswasser abkochen, wenn sie es trinken möchten, Zähneputzen oder Salat und Obst waschen. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht, weil die Stadt die Ursache für die coliformen Keime im Wassernetz bislang nicht gefunden hat. Demnächst können deshalb Hausbesitzer Besuch von Mitarbeitern des Wasserwerks bekommen.

„Das städtische Leitungsnetz ist nach unserer Auffassung sicher“, erklärt Bürgermeister Michael Wörle. „Wenn, dann könnte hier nur ein Wasserrohrbruch kommen – und dann wird das Wasser erfahrungsgemäß nach außen gedrückt.“ Anders sieht es bei allen Übergabestellen aus: „Bei Saugbehältern, Schächten und Anschlüssen an die Häuser sowie privaten Brunnen oder Regenwassernutzungsanlagen könnten bei Schäden oder fehlerhaftem Anschluss Keime ins Leitungsnetz gelangen.“ Die Stadt selbst habe jedenfalls als Sofortmaßnahme alle ihre Schächte desinfiziert, um sicher zu gehen. „Das machen wir ohnehin immer wieder – angesichts der Verkeimung haben wir das aber nun vorgezogen“, so Wörle.

Auf der Suche nach „Totleitungen“

Außerdem ist die Stadt auf der Suche nach „Totleitungen“, in welchen das Wasser steht. „Seit dieser Woche prüft die Verwaltung auch die Wasserverbrauchsrechnungen aller Haushalte.“ Wo wenig Wasserverbrauch festgestellt werde, beispielsweise bei leer stehenden Gebäuden oder Zweitwohnsitzen, wird demzufolge geprüft, ob Fehler vorliegen. Auch hier müssen die Eigentümer mit einem Besuch aus dem Wasserwerk rechnen. „Es geht uns dabei nicht um eine Jagd auf irgendwelche Übeltäter, sondern wir wollen gemeinsam mit den Eigentümern ausschließen, dass jeweils ein Fehler vorliegt“, betont Wörle.

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Dasselbe gelte für Brunnen und Regenwassernutzungsanlagen. „Ein Brunnen an sich ist nicht das Problem, wenn das Wasser nur zum Blumengießen genutzt wird – aber sobald das Wasser daraus ins Leitungsnetz eingespeist wird, müssen strenge Bedingungen erfüllt werden, damit eben keine Gefahr einer Verkeimung besteht. Besuch bekommen auch Betriebe, die eigene Wasserbrunnen haben oder viele Wasserspülungen vornehmen, zum Beispiel Waschanlagen. „Hier muss sichergestellt sein, von dem Waschwasser nichts ins Trinkwassernetz gelangt.“ „Außerdem wird vom Ingenieurbüro Steinbacher gerade ein hydraulisches Modell für das Wassernetz in ganz Gersthofen errechnet.“ Hier werde anhand von Rohrdurchmessern und anderen Parametern ermittelt, in welche Richtung das Wasser fließt, um herauszufinden, wohin die Keime strömen. Zusätzlich habe man das Fachbüro PfK aus Ansbach eingeschaltet, das die Anlagen untersucht.

Täglich werden Wasserproben entnommen

Nach wie vor werden an 47 Messpunkten im gesamten Stadtgebiet täglich Wasserproben entnommen. Wegen des vorgeschriebenen Messverfahrens kann die Stadt aber nur verzögert reagieren: „Ein Schnelltest liegt umgehend vor, aber die komplette Auswertung aller Stoffe im Wasser bekommen wir erst nach zwei Tagen“, so Wörle. Liege dann ein Befund vor, könne man innerhalb einer halben Stunde an Ort und Stelle reagieren. All dies geschehe in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt.

Und sollten sich neue Befunde ergeben, könnten auch weitere Messstellen hinzukommen. Jeder dieser Befunde wird in das elektronische System, zu dem auch die hydraulische Berechnung gehört, eingepflegt. „Ziel ist, dass wir das Gebiet endlich eingrenzen können, in dem die Ursache der Verkeimung liegt.“

Eines geht die Stadt laut Wörle in den nächsten zwei bis drei Wochen an: „In der Martinstraße in Batzenhofen wird die alte Pumpenanlage ersetzt.“ Das sei im Zuge des Gesamtkonzept für das Wasserwerk, das derzeit zur vor der Fertigstellung ist, schon als längerfristige Maßnahme vorgesehen. „Sicherheitshalber ziehen wir es jetzt vor.“ Immer wieder gehen auch Hinweise von Bürgern auf eine Verkeimung ein. „Wir gehen jedem dieser Hinweise nach“, verspricht er.

Die Wasserverbindung zur Neusässer Loderberggruppe, die Teile von Hirblingen und Edenbergen mit versorgte, wurde bis auf Weiteres komplett dichtgemacht. „So können wir uns auf unser eigenes Netz konzentrieren.“ Die Zeit dränge. „Denn kommt es zu einer Chlorung des Wassers, können wir die Ursache der Keime nicht mehr finden“, so Wörle. In Diedorf und Dinkelscherben wurde eine Chlorung des Wassers jeweils nach etwa 30 Tagen angeordnet.

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